Beim Spaziergang mit dem Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Dritter von rechts) durften die Leser auch auf die Neckarinsel. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Bei der zweiten Veranstaltung der Reihe Neckarfantasien sind Leser von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten mit dem Oberbürgermeister unterwegs. Fritz Kuhn spricht an Land und zu Wasser über seine Pläne für eine Stadt am Fluss.

Bad Cannstatt - Kanalisiert, schwer zu erreichen und kaum im Bewusstsein der Stuttgarter verankert: Der Neckar fristet in der Landeshauptstadt ein unscheinbares Dasein. Oberbürgermeister Fritz Kuhn will das ändern: „Ich möchte im Herbst einen Masterplan aufstellen, in dem festgelegt wird, was in den kommenden fünf Jahren am Neckar passiert.“ Darin solle festgeschrieben werden, welche Projekte in dieser Zeit verwirklicht werden können und was wann geplant werden müsse, um in den kommenden zehn bis 15 Jahren realisiert zu werden. „Idealerweise wird von 2017 an jedes Jahr ein Projekt umgesetzt“, sagte Kuhn. 15,5 Millionen Euro Planungs- und Entwicklungskosten möchte er dafür vom Gemeinderat im kommenden Doppelhaushalt, der im Dezember verabschiedet wird. Er sei guter Dinge, dass die Stadträte für die Investition stimmen: „Das Thema hat eine hohe Akzeptanz.“

Wie er die Stadt an den Fluss bringen will, erklärte Kuhn am Montag Leserinnen und Lesern von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten am und auf dem Neckar. Er sprach im Rahmen der Veranstaltungsreihe Neckarfantasien des Cannstatt-Teams beider Zeitungen über Träume, Visionen und realistische Pläne rund um den Fluss. „Stuttgart hat im Gegensatz zu Frankfurt am Main oder Düsseldorf einen Industriefluss. Aber wenn es gelingt, Industrie, Natur und Verkehr miteinander zu verbinden, werden in 20 Jahren Menschen von überall her nach Stuttgart kommen, um sich dieses Natur- und Kulturprojekt anzusehen“, sagte Kuhn. Wie eine Perlenkette, die nach und nach geknüpft werde, müsse man sich den Neckar vorstellen, an dem ein Projekt nach dem anderen verwirklicht werde. In einigen Fällen gebe es bereits konkrete Pläne, andere Perlen seien noch den Neckarträumen zuzuordnen.

Die einzelnen Projekte des Masterplans

Leuze: „Dass das Baden im Neckar möglich wird, wage ich nicht zu versprechen.“ Zu stark seien die Verunreinigungen mit Bakterien und um diese zu beseitigen, müssten wohl erst 500 Klärwerke entlang des Flusses saniert werden. Mit Vorbildern wie Berlin im Blick könnte sich der OB aber vorstellen, das Leuze zum Neckar hin zu öffnen und etwa ein Becken in den Fluss hinein zu bauen. Klar sei aber auch, dass bis dahin noch viele Fragen zur Sicherheit und Wasserwirtschaft zu klären seien.

Wasen: „Der Cannstatter Wasen ist ein gigantisch gutes Thema“, sagte Kuhn. Vom Campingplatz bis zur König-Karl-Brücke solle der Veranstaltungsort mehr ans Wasser rücken, angedacht sei unter anderem ein grüner Weg, der aus dem neu entstehenden Wohngebiet Neckarpark an den Fluss führe. „Mit der Veranstaltungsgesellschaft In Stuttgart ist bereits besprochen, wie diese Wasenquerung verlaufen kann, ohne dem Auf- und Abbau der Zelte im Weg zu sein.“ Nicht zuletzt schwebt dem OB eine Fußgängerbrücke auf Höhe des Campingplatzes vor, die eine direkte Verbindung bis in den Park der Villa Berg und von dort zum Neckar schaffen soll.

Eisenbahnbrücke: Der Wunsch, die alte Eisenbahnbrücke nicht wie geplant abzureißen, sondern zu einem grünen Park über den Fluss zu machen (wir berichteten), kommt bei Kuhn sehr gut an: „Wir prüfen diese Möglichkeit ernsthaft und haben Gespräche mit der Deutschen Bahn aufgenommen“, sagte Kuhn. Zuerst müsse der technische Zustand der Brücke überprüft und finanzielle Fragen geklärt werden.

Gaskraftwerk: Eine große Perle schlummert laut Kuhn im Stuttgarter Osten, wo die Energie Baden-Württemberg (ENBW) anstelle des bisherigen Kohlekraftwerks ein Gaskraftwerk errichten will. „Weil dann die Kohlelager überflüssig werden, entsteht viel Platz für Neckarträume.“ Denkbar wäre aus seiner Sicht zum Beispiel eine Wohnbebauung am Fluss oder auch eine Querungsmöglichkeit über die Bundesstraße 10, über die Fußgänger und Fahrradfahrer zum Neckar gelangen. Dies allerdings sei eine Zukunftsvision: „Allein bis alle Genehmigungen vorliegen, werden noch drei Jahre vergehen und dann kann erst mit Abriss, Sanierung der Böden und Neubau begonnen werden.“

Lindenschulviertel: Das konkreteste Projekt liegt in Untertürkheim. Im nächsten Jahr soll das Lindenschulviertel einen besseren Zugang zum Wasser erhalten. „An der Anlegestelle sind Terrassen geplant“, sagte Kuhn. Denkbar seien an dieser Stelle ein Café und Sitzmöglichkeiten. Die Ufer sollen frei geschnitten werden, um den Blick auf den Fluss zu ermöglichen.

Seilerwasen: „Der Bau des Rosensteintunnels ermöglicht auch eine Umgestaltung des Seilerwasens, weil die Schönestraße an Bedeutung für den Verkehr verlieren wird“, nannte Hermann-Lambert Oediger vom Stadtplanungsamt beim Spaziergang des Cannstatt-Teams von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten ein weiteres Projekt für den Neckar-Masterplan. „Es muss die Frage gestellt werden, wie der ganze Bereich rund um Seilerwasen und Schönestraße auf der einen und das Wilhelmatheater und die Rillingmauer auf der anderen Uferseite gestaltet werden können.“ Er hofft, dass der Gemeinderat im kommenden Doppelhaushalt Geld für die Realisierung eines Wettbewerbs zur Verfügung stellt, bei dem Pläne für das sogenannte Neckarknie eingereicht werden können. Auch dies sei allerdings ein Projekt, dessen Realisierung weit nach dem Jahr 2020 liege.

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