Vor einigen Tagen ist die neue Station offiziell eröffnet worden. Foto: Nina Ayerle

Auch Bad Cannstatt hat nun eine Fahrrad-Service-Station. Dort können Drahtesel geparkt und repariert werden.

Bad Cannstatt - Wer sich ein teures Fahrrad leistet, der will es auch sicher untergebracht wissen. Die Stadt Stuttgart will mehr Verkehrsteilnehmer dazu movieren, aufs Fahrrad umzusteigen. Doch damit jemand seinen Drahtesel auch mit nimmt, müssen dafür an einigen Orten erst die Voraussetzungen geschaffen werden. Das Sozialunternehmen Neue Arbeit hat dies in Stuttgart bereits an vier Orten getan. In Vaihingen, Möhringen und Feuerbach gibt es bereits seit einiger Zeit Fahrrad-Service-Stationen.

Seit dieser Woche hat nun auch Bad Cannstatt eine eigene Station am Bahnhof. Am Ausgang Kegelenstraße befindet sich das kleine weiße Häuschen. In einem alten Bunker nebenan ist die Garage für die Räder. Die Stationen bieten Serviceleistungen rund ums Fahrrad an. Fahrradfahrer können dort ihr Zweirad sicher und geschützt parken sowie reparieren lassen.

Ein wichtiges Sozialprojekt

Im Rahmen des Gesamtkonzepts der Stadt Stuttgart, mehr Menschen zum Fahrradfahren zu animieren, sei die neue Service-Station ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, sagte Matthias Hahn, Bürgermeister für Städtebau und Umwelt bei der Eröffnung. Das größte Problem bei den Stationen sei immer, einen geeigneten Standort zu finden. Auch in Cannstatt habe sich die Suche eine Weile hingezogen Jetzt ist man fündig geworden. Die Station hat ihre Pforten geöffnet.

Alle vier Fahrrad-Service-Stationen werden vom Sozialunternehmen Neue Arbeit betrieben. „Die Station ist auch ein wichtiges Sozialprojekt“, so Hahn. Das Unternehmen beschäftigt dort Menschen, die sonst nur schwer einen Job finden, wie Langzeitarbeitslose oder Behinderte.

Eine Situation wie in Kopenhagen wünscht sich der Neue Arbeit-Geschäftsführer Marc Hentschke langfristig auch für Stuttgart. „Dort gibt es mehr Fahrräder als Einwohner“, sagt er und lacht. Das Sozialunternehmen betreibe die Stationen gerne. Denn gerade wenn man etwas repariert habe, wie ein Fahrrad, sehe man sehr schnell ein Ergebnis der eigenen Arbeit. „Das ist wichtig für diese Menschen. Sie brauchen Erfolge“, so Hentschke. Durch die Arbeit bekommen sie neues Selbstvertrauen und lernen, wie sie mit Kunden umgehen.

„Da kommt keiner außer uns Mitarbeiter rein“

Von Montag bis Freitag zwischen sieben und 20 Uhr ist die Station geöffnet. Radfahrer können ihr Rad morgens vor der Arbeit abgeben und es den ganzen Tag sicher verwahrt wissen. Untergebracht sind die Räder in einem alten Bunker. „Da kommt keiner außer uns Mitarbeiter rein, sagt Robert Binder, der Leiter der Service-Station in Cannstatt. Die Räume seien immer verschlossen, so Binder.

Das Prinzip ist einfach: Jedes Fahrrad bekommt eine Nummer beim Abgeben, wenn der Besitzer es wieder abholen will, bringt ihm der Mitarbeiter sein Rad. Auch bei Schäden am Rad helfen die Angestellten der Service-Station. Kunden können ihr Fahrrad morgens abgeben und während sie bei der Arbeit sind, kümmern sich die Mitarbeiter um das Rad. „Und abends kann man mit dem reparierten Fahrrad wieder nach Hause fahren“, sagt Binder.

Das Parken ist günstig: Für einen symbolischen Preis von 50 Cent kann jeder sein Rad dort einen Tag unterbringen. An den Projektkosten für die Fahrrad-Station in Höhe von 45 000 Euro beteiligen sich Stadt und Land jeweils zur Hälfte. Den Betrieb der Station wird die Stadt zukünftig jährlich mit 25 000 Euro bezuschussen.

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