Der Schäfer Thomas Heinrich aus Ilsfeld führt die Tiere geordnet und mit Hilfe seines Rüden über eine Engstelle, die eine Brücke darstellen soll. Foto: factum/Granville

Der Schäferlauf in Markgröningen beginnt mit dem Leistungshütern. Joshua Seeberger aus Baden-Baden gewinnt und vertritt damit das Land beim Bundeswettbewerb. Hunde spielen dabei eine wichtige Rolle.

Markgröningen - Nervosität scheint für Schäfer ein Fremdwort zu sein. Jonas Henninger aus Reutlingen muss lange warten, bis er antreten darf, die Jury kommt mit etwas Verspätung aufs Stoppelfeld an der Straße nach Asperg. Seelenruhig lehnt sich Henninger an seinen Stock und spricht mit seiner Hündin Cora und dem Rüden West. Dabei geht es um viel: Der Sieger des Leistungshütens in Markgröningen darf im September Baden-Württemberg beim Bundeswettbewerb vertreten.

Aber mit Hektik kommt man bei den zotteligen Wolltieren nicht weiter. Die Juroren Holger Banzhaf und Harald Höfel bewerten, wie gut der Schäfer mit der Herde umgeht, ob sie geschlossen und flüssig auf eine Weidefläche marschiert und wie gut die Hunde patrouillieren. „Wir sind selbst Schäfer“, sagt Holger Banzhaf, der auch Vizechef des Landesverbandes ist. In seinem Hof in Heldenfingen bei Heidenheim findet der Bundesentscheid statt.

„Schäfermeister“-T-Shirts im Publikum

Das Publikum strömt reichlich. Einige picknicken am Wegesrand und packen die Tupperdosen auf den bunt gestreifen Decken aus. Andere tragen ein orangenes Schäferlauf-T-Shirt mit dem Aufdruck „Schäfermeister“, der sich in Stil und Schrift an einer bekannten Schnapsmarke orientiert. Das Leistungshüten markiert den Auftakt der Schäferlauf-Festlichkeiten, die bis Montag wieder 100 000 Menschen anlocken sollen.

Dann geht es los. Jonas Henninger läuft zum Pferch, das ist eine ein eingezäuntes Weidestück. Die Herde, die dem Markgröninger Stadtschäfer Edmund Wörner gehört, ist schon etwas gestresst, Henninger ist der vierte von fünf Schäfern, der sie umher führt. „Es ist eine fremde Herde, er muss schnell die Leitschafe ausfindig machen“, erklärt Hans-Jörg Wenzler, Zuchtleiter des Landesverbandes. Er moderiert das Spektakel für das Publikum.

Ein Schäferhund kostet bis zu 6000 Euro

Geschlossen marschieren die Schafe aus dem Gatter, die Hunde Cora und West reagieren auf gerufene Kommandos und Pfiffe des Schäfers. Sie sind die besten Mitarbeiter, ohne sie geht nichts. Als die Schafherde auf ein so genanntes „enges Gehüt“ marschiert, eine schmale Weidefläche, muss der Hund entlang eines gemähten Grasstücks auf und ab marschieren, ohne die Tier einzuschüchtern. Sie sollen Gras knabbern, aber nicht beim Nachbarn.

Zwischen 5000 und 6000 Euro kostet ein guter Hütehund – ein Verlust kann den Hirten schnell in finanzielle Nöte bringen. Hans-Jörg Wenzler appelliert: „Wenn Sie einer Schafherde begegnen, fahren sie rechts ran.“ Da dies aber nicht alle beherzigen, muss der Schäfer auch mit einer solchen Situation umgehen. Dafür wird die Straße gesperrt und ein Golf fährt als Testwagen auf die Tiere zu.

Ein Schaft büchst aus – der Hund ist zur Stelle

Cora und West wuseln umher und machen ihren Job prima, die Schafe galoppieren in schmaler Formation auf einer Spur der Straße. Ohne Probleme kann der Wagen passieren. Jonas Henninger ist hoch konzentriert und kommandiert Hunde und Schafe. Dann büchst ein Schaf aus – doch blitzschnell ist der Rüde West zur Stelle und fängt das abtrünnige Wolltier ein: Zurück zur Herde, bitte!

Henninger schwingt seinen Schafstock, mit dem auch Signale an die Tiere ausgesandt werden. „An der Schäferkelle sind immer eine Schaufel und ein Haken angebracht“, erklärt Hans-Jörg Wenzler. Damit kann Unkraut entfernt werden – oder ein Schaf am Bein gezogen werden.

Nun geht es zurück auf eine weite Weidefläche. Die Hunde umkreisen die Herde. Bewertet wird auch, ob sie selbstständig und fleißig sind, oder ob sie im Zweifel mit einem „Griff“ in Nacken oder Keule ein Tier packen können. „Wenn mit zwei Hunden gehütet wird, wird der zweite mit 15 weiteren Punkten bewertet“, erklärt der Punktrichter Holger Banzhaf.

Endspurt für Jonas Henninger. Wenn das Leistungshüten ein typischer Tagesablauf eines Schäfers ist, dann beweget er sich auf den Abend zu: Die Herde muss wieder in ihren Pferch kommen. Die Hunde postieren sich links und rechts, die Schafsbeine wirbeln gleichmäßig über eine Engstelle, die eine Brücke darstellen soll.

Joshua Seeberger siegt ganz knapp

„Das ist ganz typisch für die zersplitterten Fluren im süddeutschen Raum“, erklärt Hans-Jörg Wenzler. Dann sind die Schafe wieder auf dem Ausgangspunkt, beginnen zufrieden zu grasen. Jonas Henninger lüftet seinen Hut und grüßt das Publikum, das fleißig Beifall spendet.

Das Rennen um den Sieg im Leistungshüten ist ein enges. Jonas Henninger belegt mit 81 Punkten Platz drei, knapp hinter Thomas Heinrich aus Ilsfeld (83) und Joshua Seeberger aus Baden-Baden (85) sowie dessen tierischer Kollegin, die einen adligen Namen trägt: Ilyas von Hässbächel. So sind die Hunde die stillen Stars dieses Schäferlauftages, der mit Umzug und Stoppelfeldlauf am Samstag weitergeht.

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