Der Festumzug beim Schäferlauf muss nun eine neue Route nehmen. Foto: factum/Weise

Vom 24. bis 27. August ist es wieder so weit: 100 000 Besucher werden zum Schäferlauf in Markgröningen erwartet. Doch wegen Sicherheitsbedenken gibt es zahlreiche Auflagen, die umstritten sind.

Markgröningen - Eines steht fest: Am übernächsten Samstag kann Rudolf Kürner nicht ausschlafen. Seit jeher wird der Markgröninger Bürgermeister am Schäferlaufsamstag immer vom Fanfaren- und Spielmannszug um 6 Uhr geweckt. „Da ist dann wirklich jeder wach“, sagt der Schultes. Die kleine Stadt fiebert wie stets seit 400 Jahren dem Großereignis entgegen, das vom 24. bis 27. August wieder bis zu 100 000 Besucher anlocken soll.

Seit zwei Jahren wird dabei immer mehr Augenmerk auf die Sicherheit gelegt. Im Jahr 2016 wurden als Folge des Lastwagen-Attentats von Nizza schwere Laster an den Zugängen zur Innenstadt aufgestellt. Im vergangenen Jahr wurden als Folge der Love-Parade-Katastrophe in Duisburg 2010 verschärfte Regelungen angewandt. „Es geht um die Sicherheitsabstände“, sagt der Rathauschef. Die waren vor allem bei den großen Festumzügen am Samstag und Sonntag ein Problem.

Sicherheitsabstand zu den Markständen

Denn neben den zahlreichen Trachtengruppen stolzieren auch Pferdegespanne durch die engen Altstadtgassen, oft im Zentimeterabstand an den Kunsthandwerker- und Händlerständen vorbei. Zwar ist bis auf wenige Ausnahmen seit Jahrzehnten kaum etwas passiert, doch die Stadt will nicht das kleinste Risiko mehr eingehen. Die Marktstände mussten 2017 deshalb aus der Schloss- und der Ostergasse verschwinden. „Dadurch sah es aber ziemlich leer aus“, sagt Kürner. Nun kehren die Stände in die Ostergasse zurück, der Umzug wird aber zum ersten Mal nicht mehr dort durchmarschieren.

Zudem gibt es in der Helenenstraße deutlich weniger Stände – um im Notfall Rettungswege freihalten zu können. Zudem wurde ein Konzept entwickelt, um das Gelände bei einem Unwetter oder einem möglichen Anschlag schnell räumen zu können. Von Barrieren an Eingängen ist man wie andernorts auch wieder abgerückt – weil die eher zur Falle werden könnten.

Über das Sicherheitskonzept wurden teils heftige Diskussionen im Gemeinderat und in der Bevölkerung geführt. „Wir sind nicht überall auf Gegenliebe und Verständnis gestoßen“, sagt der Bürgermeister. Daher wurden alle an einen Tisch gesetzt, um das Zehntausende Euro teure Sicherheitskonzept zu entwickeln.

Der Streit um den Zigeunerwagen ist beigelegt

Alle möglichen Gefahrensituationen wurden durchgespielt. „Jetzt können Besucher, Gäste und Teilnehmer völlig entspannt zum Schäferlauf gehen“, versichert der Rathauschef. Denn bei allen Debatten um Sicherheit soll es ein entspanntes Volksfest werden. Mit den üblichen Highlights: Fünf Schäfer werden beim Leistungshüten gegeneinander antreten, auf dem Stoppelfeld wetteifern junge Leute um die Krone von Schäferkönig und Schäferkönigin, der Vergnügungspark die unzähligen menschlichen Begegnungen stehen im Mittelpunkt. Fast alle Markgröninger sind auf den Beinen – wem es zu viel wird, flüchtet in diesen Tagen in den Urlaub.

Einige kosmetische Neuerungen gibt es auch – etwa eine zentrale, überdachte Bühne am Rathaus, auf der alle Musikgruppen auftreten. Das Festspiel „Der treue Bartel“, das 2011 modern konzipiert wurde, findet nur an zwei Tagen Stadt, weil ein Hauptdarsteller ausgefallen ist.

Ausgestanden ist die Diskussion über den „Zigeunerwagen“, die 2017 Schlagzeilen geliefert hat. Der Zentralrat der Sinti und Roma hatte der Stadt Rassismus vorgeworfen, weil die Zigeuner in Lumpen und verlottert dargestellt worden seien. Ein Rechtsanwalt riet der Stadt, den Begriff „historischer Zigeunerwagen“ zu verwenden – was auch getan wird. Inzwischen haben weder der Zentralrat noch ein weiterer Verband Einwände.

Einmal wurde sogar der Landrat eingeflogen

Rudolf Kürner verweist auf die Geschichte der Stadt, in der Zigeuner vor den Toren der 1200 Jahre alten Stadtmauer gewohnt haben. Sie haben die Bürger vor einem Angriff bewahrt und sollen den Sohn des Grafen geheilt haben – eine positive Geschichte von Toleranz und Miteinander also.

So steht dem Großereignis nichts mehr entgegen. Am kommenden Wochenende stimmt man sich in Markgröningen mit dem internationalen Musikfest schon mal aufs Feiern ein – auch das hat Tradition. Diesmal mit ungarischen Spezialitäten.

Wie wichtig der Schäferlauf ist, verdeutlich Anekdote aus den 1980er Jahren. So weilte der damalige Landrat Ulrich Hartmann während des Markgröninger Schäferlaufs auf der kroatischen Insel Split. Weil aber der Landrat am Samstagmorgen als Nachfolger der Vögte abgeholt wird, musste Hartmann aus dem Urlaub anrücken – und flog per Hubschrauber ein. Ordnung muss schließlich sein.

Eine Stadt im Festrausch

Musikfest
Immer eine Woche vor dem Schäferlauf: Das Musikfest in Markgröningen. Vom 17. bis 20. August wird gefeiert, internationale Gäste sind das Blasorchester aus Szentes (Ungarn) und Alberschwende aus Österreich. Wenn das Festzelt am Montag abgebaut wird, beginnt gleich der Aufbau für Fest zwei.

Schäferlauf Start ist am Freitag, 24. August mit dem Leistungshüten. Das Festspiel „Der treue Bartel“ wird am Freitag 19 Uhr und Samstag 10.30 Uhr aufgeführt. Samstag und Sonntag sind jeweils Umzug und Aktivitäten auf dem Stoppelfeld, Montag Ausklang mit Feuerwerk.

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