Beim Schäferlauf geht Markgröningen finanziell gesehen die Puste aus. Foto: 7aktuell.de/Spahn

Dem Traditionsfest fehlen die Besucher. Eine Arbeitsgruppe der Stadt soll jetzt Einsparpotential suchen.

Markgröningen - In Markgröningen ist eine Institution auf dem Prüfstand: der Schäferlauf, eine der größten Traditionsveranstaltungen im Landkreis mit überregionaler Strahlkraft und Aushängeschild der Stadt, ist Markgröningen zu teuer geworden.

Anlass für die Bestandsaufnahme sind seit Jahren sinkende Besucherzahlen: von knapp 18 000 verkauften Eintritts-Plaketten im Jahr 2011 auf knapp 10 000 im Jahr 2016 (siehe Grafik). Bis zu 300 000 Euro zahlt die Stadt jedes Jahr bei dem Traditions-Event drauf. Eine Arbeitsgruppe, die Einsparpotenzial finden soll, trifft sich bereits seit Mitte November. Mit von der Partie sind Vertreter der Fraktionen im Gemeinderat und Verwaltungsmitglieder aus den Bereichen Verkehr und Kultur. Später sollen noch Vereine und gesellschaftliche Gruppen dazustoßen.

Die Stadt geht noch von hunderttausend Besuchern aus

Andrea Hartmann, in Markgröningen die Fachgebietsleiterin für Kultur, plädiert dafür, behutsame Änderungen vorzunehmen. „Ein Schnellschuss wäre jetzt ganz fatal“, sagt sie. Der Bürgermeister Rudolf Kürner hatte bereits Ende Dezember bei der Haushaltseinbringung für 2017 angekündigt: „Alles gehört auf den Prüfstand.“ Das bedeute jedoch nicht, dass man den Schäferlauf ganz abschaffen wolle.

Noch weiß man in Markgröningen nicht genau, wie viele Besucher weniger kommen. Der stark rückläufige Plakettenverkauf ist nur bedingt ein Hinweis darauf, denn außerhalb der Hauptfestivitäten wie dem Umzug vor dem Rathaus, dem Wettlauf auf dem Stoppelfeld und dem Festspiel in der Stadthalle darf man das Fest auch ohne Plakette besuchen. Noch geht die Stadt von insgesamt etwa hunderttausend Besuchern in der Schäferlauf-Woche aus. Die Basis dafür ist allerdings ein Luftbild der Polizei, das bereits einige Jahre alt ist.

Anderes Besuchsverhalten der Gäste

Doch laut Hartmann habe sich auch das Verhalten der Besucher verändert: Viele kämen jetzt eher in den Abendstunden – „darunter leidet vor allem der Markt“, sagt sie. Diesen hat die Stadt vor wenigen Jahren aus Sicherheitsgründen verkleinert, um mehr Platz für den Umzug zu bieten – wodurch wieder etwa 10 000 Euro an Marktgebühren verloren gingen. Hinzu komme, dass heute mehr Menschen in den Sommerferien Markgröningen verlassen und in den Urlaub fahren. Zudem sei es in manchen Jahren auch schwierig, engagierte Teilnehmer in den Festzugsgruppen zu finden, die mehr als nur einen Tag mit dabei sind.

Dass das neue Sicherheitskonzept des Schäferlaufs die Gäste ferngehalten haben könnte, daran glaubt Hartmann nicht. Im vergangenen Jahr hatte die Stadt aufgrund des Terroranschlags in Nizza Mitte Juli, bei dem ein Attentäter mit einem Lkw in eine Menschenmenge gerast war, ihr Sicherheitskonzept überarbeitet: Es gab Taschenkontrollen an allen Eingängen und Blockaden an allen Einfallstraßen. „Das werden wir sicherlich beibehalten“, sagt Hartmann, auch mit Blick auf den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt. Diese Sicherheitsvorkehrungen hätten die Stadt nur knapp 3000 Euro mehr gekostet.

Zu heißes Wetter als Grund

Die Fachgebietsleiterin hat eine einfachere Erklärung für den Einbruch der Besucherzahlen: das Wetter. „2016 war es sehr heiß, da wollte jeder im Schatten bleiben.“ So seien die Nebentribünen auf dem Stoppelfeld gemieden worden.

Eine konkrete Zielmarke, wie viel die Stadt einsparen will, gibt es nicht. „Das würde dem Fest auch nicht gerecht werden“, sagt Hartmann. Man wolle in der Fachgruppe „ergebnisorientiert“, aber auch „offen für Veränderungen“ sein. Damit sei auch ein Vorschlag aus den Reihen der Grünen im Gemeinderat gemeint, bei dem es darum ging, den Schäferlauf einen Tag kürzer abzuhalten. Für Hartmann vorstellbar wären da, „wenn überhaupt“, der Freitag oder der Montag. „Der Samstag und der Sonntag sind gesetzt.“

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