Der Schäferlauf ist eine Großveranstaltung mit bis zu 100 000 Zuschauern. Foto: factum/Archiv

Der Markgröninger Schäferlauf soll wieder 100 000 Gäste anlocken. Wegen der Anschlagsserie in Europa gibt es jetzt Einlasskontrollen und Barrieren an großen Einfahrtsstraßen.

Markgröningen - Wir lassen uns die Freude am ­Schäferlauf nicht verderben und laden alle ein zu feiern“, sagt Rudolf Kürner, der Bürgermeister von Markgröningen. Diese Botschaft ist ihm wichtig. Doch die Terroranschläge in Europa ­hinterlassen ihre Wirkung auch in der beschaulichen Stadt, in die vom 26. bis 29. August wieder 100 000 Gäste strömen sollen. Deswegen hat sich die Verwaltung mit den Sicherheitsbehörden an einen Tisch gesetzt und ein Konzept ausgearbeitet.

So gibt es an den vier Tagen mit Veranstaltungen Taschenkontrollen an allen Zugängen der ­Innenstadt. „Wir setzen dafür deutlich mehr Personal ein“, erklärt Rudolf Kürner, die genaue Zahl will er nicht nennen. Damit folgt Markgröningen der Linie der Stadt Ludwigsburg, die in diesem Sommer ebenfalls bei Großveranstaltungen Einlasskontrollen organisiert – ob bei den Music Open am Schloss oder bei der beschaulichen Weinlaube auf dem Rathaushof.

Anschläge wie in Nizza sollen nicht möglich sein

Beim Markgröninger Schäferlauf geht man sogar noch einen Schritt weiter: Um Vorfälle wie in Nizza zu vermeiden, als ein Islamist am Nationalfeiertag mit einem Lastwagen in die feiernde Menschenmenge fuhr, werden an allen großen Einfallstraßen Blockaden aufgebaut. Zum Beispiel an der pfeilgeraden Bahnhofstraße, die direkt zu der historischen Altstadt und dem Umzug führt. „Dort stellen wir am Eingang einen großen Bus auf“, sagt Kürner.

Auch an allen anderen Zufahrten bilden schwere Fahrzeuge Hindernisse. Zudem wird darauf geachtet, dass für den Festumzug mehr Platz geschaffen wird – breite Schneisen werden freigehalten, dafür wird auf einige Stände verzichtet und die Route durch die Altstadt verändert. Wie schon im vergangenen Jahr werden zudem alle ­Rettungskräfte in einer Art Einsatzzentrale auf dem Gelände koordiniert.

All diese Vorkehrungen sollen ein unbeschwertes und fröhliches Fest ermöglichen. Dieses wartet in diesem Jahr gleich mit einer ganzen Reihe von Neuigkeiten auf. So hört Wolfgang Milde nach 30 Jahren als Moderator auf; Christiane Liebig und Günther Mertz lösen ihn ab. Damit steht zum ersten Mal in der mehr als 400-jährigen Geschichte eine Frau am Mikrofon. Und es gibt noch mehr Frauenpower: Lisa Link ist die zweite Festrednerin, und unter den sechs Schäfern, die zum Leistungshüten am Freitag antreten, sind erstmals zwei Frauen am Start.

Ein fröhliches Fest soll gefeiert werden

Ein Jubiläum gibt es im Zusammenhang mit den Königskronen: Zum 50. Mal werden die Repliken den siegreichen Schäferläuferinnen und -läufern nach dem Barfuß-Sprint über ein 300-Meter-Stoppelfeld aufgesetzt. Die beiden Originale aus dem Jahr 1890 werden sorgsam im Rathaus und im Schäferlauf-Museum gehütet. Noch mehr runde Daten: Seit 50 Jahren gibt es einen Sonderstempel bei einem Schäferlauf-Postamt. Dazu ist nun sogar ein Buch erschienen worden. Und seit zehn Jahren wird ein Bier zu dem Großevent gebraut, auch Schäferlauf-Wein ist im Umlauf.

Erstmals gibt es eine Handwerkergruppe mit historischer Ausstattung, die neu zugezogenen Bürgern die Möglichkeit bieten möchte, an dem großen Festumzug am Sonntag, 28. August, teilzunehmen (siehe „Nachgefragt“). Auch Flüchtlinge beteiligen sich am Schäferlauf. „Im vergangenen Jahr hat ein Flüchtlingskind sogar die Disziplin Wassertragen gewonnen“, erzählt der Bürgermeister nicht ohne Stolz. Zudem sind zahlreiche Asylbewerber beim Umzug mit dabei, für den Schultes eine „tolle Gelegenheit zur Integration“. Damit will er ­bewusst ein Zeichen der Offenheit und ­Toleranz setzen, einen Gegenpol zu den ­verschärften Sicherheitsvorkehrungen.

Kurzum: Die 15 000-Einwohner-Stadt will sich vor einem landesweiten Publikum wieder von ihrer besten Seite präsentieren. Markgröningen hat die älteste Schäferlauf-Tradition, sonst haben nur Heidenheim, Bad Urach und Wildberg in Württemberg noch das Recht, einen solchen Wettbewerb abzuhalten. Nun hofft man auf gutes Wetter – und dass die vielen Sicherheitskräfte keinen Grund haben einzugreifen.

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