Daniel Erhardt ist amtierender Schäferlaufkönig und will am Samstag seine Krone verteidigen. Foto: factum/Granville

Daniel Erhardt ist amtierender Schäferlaufkönig in Markgröningen. Am Samstag will er seinen Titel verteidigen. Doch am Freitag muss er sich erstmal im Leistungshüten beweisen.

Markgröningen - Ein wenig nervös traben die Schafe über die Furt am Riedbach in Markgröningen. Einige scheren aus und fangen an, das saftige Gras am Rand des Weges zu fressen. Nicht gut für Daniel Erhardt. Der 21-jährige Schäfer führt die knapp 250 Schafe zählende, fremde Herde beim Leistungshüten zusammen mit seinem Hund Abu. Aus dem Pferch, aufs Weidegelände, über eine Straße und einen Feldweg und dann wieder zurück in den Pferch. Immerhin springen die Schafe nicht über Leitplanken, wie sie es bei einem anderen Teilnehmer getan haben. „Es hätte besser laufen können“, kommentiert der Jungschäfer Erhardt danach. Sein Hund ist in den vergangenen Wochen krank gewesen, daher fehlte ihm jetzt doch ein wenig die Routine.

Die Erwartungen an den 21-Jährigen aus Birkenzell im Ostalbkreis sind hoch: In Bad Urach, einem anderen Ort, in dem ein Schäferlauf stattfindet, hat er beim Leistungshüten den zweiten Platz gemacht. Noch mehr wird von ihm am Samstag beim Schäferlauf erwartet: Die beiden vergangenen Jahre hat er ihn gewonnen, seine beiden Brüder haben auch jeweils dreimal den ersten Platz gemacht, ebenso wie sein Vater früher – danach darf man laut Regeln nicht mehr teilnehmen.

Wie schätzt er seine Chancen für dieses Jahr ein? „Ich fühle mich gut und hoffe, dass ich dieses Mal auch gewinne“, sagt er. Für Erhardt war immer klar, dass er einmal Schäfer wird und den Familienbetrieb übernimmt. Seine beiden Brüder arbeiten in der Industrie als Monteur und Elektrotechniker. Er selbst hat auch Industriemechaniker gelernt, sattelt derzeit aber um und lernt Landwirt im Fach Schäferei.

Viele stellen sich die Arbeit des Schäfers ja so vor: Ein Leben in ländlicher Idylle, im Schatten eines Baumes liegend, während die Hunde die Arbeit machen. „Aber so ist es nicht. Schäfer ist einer der härtesten Jobs“, sagt er. Das idyllische Bild hätten die Leute nur, weil sie die Schäfer eben nur bei gutem Wetter sähen. Aber Schafe müssen auch bei einem Gewitter gehütet werden.

Seine Brüder arbeiten in der Industrie

Knapp 150 hauptberufliche Schäfer gibt es nach Angaben des Landesschafzuchtverbands in Baden-Württemberg. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Schafe um etwa 30 Prozent zurückgegangen. Das liege hauptsächlich an einem geänderten Fördersystem der EU, sagt Alfons Gimber, der Vorsitzende des Verbands. Während Schäfer früher eine Prämie pro Mutterschaf bekommen hätten, wird nun per Fläche bezahlt – der Anreiz für eine große Herde fällt damit weg.

800 Schafe sind eine gute Zahl

Wie groß die Herde eines Schäfers ist, sollte man ihn tunlichst nicht fragen, sagt Johann-Georg Wenzler, Zuchtleiter beim Landesschafzuchtverband und seit 15 Jahren Moderator des Leistungshütens in Markgröningen. „Sonst kommt gleich die Entgegnung: Ich frage Sie ja auch nicht, wie viel Geld Sie haben.“ Spricht man Daniel Erhardt darauf an, sagt er nur trocken: „800. Das ist eine gute Zahl, die viele Schäfer auf diese Frage entgegnen.“

Am Ende hat es für Daniel Erhardt beim Leistungshüten laut Urteil der dreiköpfigen Jury nur für den vierten Platz bei fünf Teilnehmern gereicht. Den Sieg holte Alexander Smietana aus Weidenbach, auf Platz 2 landete Ute Svensson aus Baden-Baden, Platz 3 belegte Jonas Henninger aus Münsingen. Der Schäfer Johann Seeberger aus Baden-Baden kam noch auf Platz 5.

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