Mit Hütehund Spike hält die Jungschäferin Stefanie Rombach aus Hermaringen die Schafherde zusammen und schafft es auf den vierten Platz. Foto: factum/Bach

Frauen, die den Beruf des Schäfers ergreifen, sind noch eine Seltenheit. Zwei junge Nachwuchsschäferinnen haben am Freitag beim Leistungshüten des Markgröninger Schäferlaufs gezeigt, was sie draufhaben.

Markgröningen - Der Schweiß trieft, die Wangen glühen. Stefanie Rombach (25) wirkt, als sei sie fix und fertig. Ein bisschen neben der Schafherde herzulaufen kann doch nicht so anstrengend sein? Doch, ist es, und das hat nur bedingt damit zu tun, dass die Thermometer kaum weniger als 30 Grad anzeigen und man eigentlich schon deshalb am Freitagvormittag ins Schwitzen gerät. Stefanie Rombach schnauft: „Die Schafe waren echt schnell, da musste man schuften.“

Dass 300 Schafe zu hüten anstrengend und zuweilen auch kompliziert ist, haben die Besucher des Leistungshütens beim diesjährigen Markgröninger Schäferlauf aus nächster Nähe beobachten können. Großes Publikum sind Schäfer nicht gewohnt, sie verrichten ihre Arbeit alleine in den Hütegründen, bei Wind und Wetter begleitet nur vom Hütehund. Am Freitag müssen sich die sechs Teilnehmer des Leistungshütens umstellen. Gut 2000 Zuschauer säumen die Felder entlang des Leudelsbachs.

In Baden-Württemberg gibt es nur zehn bis 15 Prozent Schäferinnen

Schäferinnen sind nach wie vor selten. Von den 180 Haupterwerbsschäfern in Baden-Württemberg seien nur 10 bis 15 Prozent Frauen, sagt der Zuchtleiter des Landesschaftzuchtverbands, Hans Jörg Wenzler. „Aber sie sind im Kommen.“ Das belegen auch die beiden weiblichen Teilnehmer Stefanie Rombach aus Hermaringen bei Heidenheim und Marion Staib aus Bad Boll nahe Göppingen.

Beide bereuen es nicht, diesen harten Beruf gewählt zu haben, und für beide ist es ihr Traumjob. Doch beim Leistungshüten sind sie Konkurrentinnen, und obwohl es bei Stefanie Rombach ihrer Einschätzung nach nur mittelmäßig gelaufen ist, weil ihr Hund Spike ein wenig bockig war, belegt sie den vierten Platz. Marion Staib kam auf den sechsten und letzten Platz, als Sieger ging Jonas Henninger aus Münsingen hervor, gefolgt von Alexander Smietana aus dem mittelfränkischen Weidenbach auf Platz zwei und Mathias Abel aus Haiterbach (Landkreis Calw).

Bei manchen liegt die Schäferei im Blut

Stefanie Rombach kam über ihren Ex-Freund zur Schäferei, berichtet sie. Sie ist Auszubildende und befindet sich im dritten Lehrjahr. Marion Staib blickt bereits auf sechs Jahre Berufserfahrung zurück. „Bei mir liegt die Schäferei wohl im Blut, mein Großvater war schon Schäfer“, sagt sie. Beiden gemein ist das Lampenfieber: Sie haben am Freitag zum ersten Mal an einem Leistungshüten teilgenommen.

Für Markröningens Bürgermeister Rudolf Kürner, der seit 8 Uhr an der Wettkampfweide steht, „ist das Hüten so wichtig wie der Lauf“. Gemeint ist damit der historische Schäferlauf übers Stoppelfeld an der Unterriexinger Straße, der an diesem Sonntag um 13.15 beginnt. Bis dahin müsste Stefanie Rombach wieder bei Atem sein.

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