Oberkirchenrat Dieter Kaufmann (2.v.r.), Vorsitzender des Diakonischen Werkes Württemberg, stellte die Kampagne vor. Foto: Bernd Zeyer

Die Diakonie hat eine Kampagne für Langzeit-arbeitslose ins Leben gerufen.

Zuffenhausen - „Arbeit statt Arbeitslosigkeit finanzieren“, so lautet das Motto der Aktion „Pro Arbeit“, die die Diakonie Württemberg zusammen mit der evangelischen Kirche ins Leben gerufen hat. In den Räumen des Sozialunternehmens Neue Arbeit ist das Projekt am Mittwochvormittag vorgestellt worden.

„Die Politik ist gefordert, die arbeitsmarktpolitischen Anstrengungen erheblich zu verstärken anstatt sie zu reduzieren“, sagte Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Vorstandsvorsitzender des Diakonisches Werks Württemberg. Kirche und Diakonie könnten mit denen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln nur Impulse geben und modellhaft Lösungsansätze aufzeigen. Grundsätzlich sei das Thema von gesellschaftlicher und bundespolitischer Bedeutung. Kaufmann forderte, dass die Bundesregierung die Mittelkürzungen für Eingliederungsmaßnahmen zurücknimmt und dass ein öffentlich geförderter Arbeitsmarkt geschaffen wird. Zudem müssten die zur Verfügung gestellten Gelder zur Finanzierung der Arbeit und nicht der Arbeitslosigkeit eingesetzt werden. Last but not least solle sichergestellt werden, dass Langzeitarbeitslose künftig in allen Bereichen des Marktes eingesetzt werden dürfen. „Um diese Ziele zu erreichen, haben wir die Kampagne ,Pro Arbeit‘ angestoßen“, sagte Kaufmann.

Fast jeder Dritte der gut 241 000 in Baden-Württemberg gemeldeten Beschäftigungslosen ist ein Langzeitarbeitsloser. Je länger jemand ohne Job ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass er wieder ins Berufsleben zurückfindet. Eigentlich, das erläuterte Dieter Kaufmann, müssten diese Menschen besonders gefördert werden. Das Gegenteil sei der Fall. Die Bundesagentur für Arbeit habe in den vergangenen Jahren die Mittel für Wiedereingliederungsprogramme um 50 Prozent gekürzt. Doch nicht nur das: 2012 seien von den zur Verfügung stehenden Geldern 1,2 Milliarden gar nicht ausgegeben worden.

„Ohne Arbeit weiß man nicht, wofür man da ist“

Zum Pressegespräch waren auch Betroffene gekommen. „Ohne Arbeit weiß man nicht, wofür man da ist“, erzählte Wilfried M. Als sein Arbeitgeber 2005 ins Ausland ging, stand der damals 38-Jährige ohne Job da. Drei Jahre suchte der gebürtige Müncheberger eine Stelle und schrieb rund 150 Bewerbungen. Über einen Bekannten kam schließlich der Kontakt zum Sozialunternehmen Neue Arbeit zustande. Dort fing er in der Personalsachbearbeitung und Buchhaltung an. „Da wusste ich endlich wieder, wofür der Wecker klingelt“, berichtete Wilfried M. Auch die paar Euro mehr im Geldbeutel habe er gut brauchen können. 2011 wurde dann aus dem Ein-Euro-Job eine unbefristete Stelle. Das stellte sich für ihn als doppeltes Glück heraus, da kurz darauf im Rahmen der so genannten In-strumentenreform weitere Kürzungen bei Förderprogrammen erfolgten. Da Wilfried M. davon verschont worden war, kann er nun hoffen, bis zur Rente bei der Neuen Arbeit bleiben zu können.

Andere hatten dieses Glück nicht. „Die ersten ein oder zwei Wochen Arbeitslosigkeit sind ganz schön, danach wird es öde“, erzählte Petra H. Seit 1994 hangelt sich die heute 39-Jährige von Fördermaßnahme zu Fördermaßnahme. Ausbildung hat sie keine: „Wenn ich mir Stellenangebote anschaue, dann wird mir klar, dass die Anforderungen für mich nicht machbar sind.“

Teil des Projektes „Pro Arbeit“ ist eine Faltblattaktion. Darin werden die Kirchengemeinden über die Situation Langzeitarbeitsloser informiert und um Unterstützung gebeten. „Wir möchten den Arbeitslosen eine Stimme geben“, sagte Ines Nößler, die das Kampagnenbüro „Pro Arbeit“ leitet.

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