Bleibt als Konsequenz nur noch der Wegzug von der Filderebene? Foto: Fritzsche

Die Familie wäre gerne in Filderstadt geblieben. Ein Jahr lang suchten die Schönfelds nach einem Häuschen – ohne Erfolg. Die Mieten waren schlicht zu hoch. Konsequenzen hat das Debakel außerdem noch für eine andere wichtige Sache.

Filderstadt - Der Umzug wird ihr nicht leicht fallen, so viel ist klar. „Ich bin in Filderstadt geboren und aufgewachsen, das ist für mich ein Riesenschritt“, sagt Nathalie Schönfeld. Aber die Entscheidung steht: Schönfeld und ihr Mann sind derzeit mitten im Umzug in den Landkreis Ludwigsburg, was auch bedeutet, dass sie ihren Stadtratsposten in Filderstadt aufgeben musste.

Der Grund für den ungewollten Wegzug: In Filderstadt hat das Ehepaar keinen geeigneten Wohnraum gefunden. „Wir wollen mit meinen Schwiegereltern zusammenziehen und haben dafür ein kleines Haus gesucht“, erklärt Schönfeld. Die Schwiegereltern sind Mitte 80 und aktuell topfit, „aber man weiß eben nicht, was noch kommt. Da wollen wir vorsorgen“. Die Familie, das Zuhause sind ihr wichtig. Sehr wichtig sogar. In Filderstadt hätte es zwar Häuschen gegeben. Aber die Mieten waren schlicht zu hoch. Vor etwa einem Jahr haben sie sich auf die Suche gemacht – ohne Erfolg, wie sich herausstellen sollte. „Für das, was wir am neuen Ort an Miete bezahlen werden, bekommen wir hier nur eine Drei-Zimmer-Wohnung“, sagt Schönfeld. Den Mangel an bezahlbarem Wohnraum, es gibt ihn auch auf den Fildern. In Stuttgart hat dies zu Aktionen geführt wie die Hausbesetzung derzeit in Stuttgart-Heslach.

Das politische Thema ist zu einem persönlichen geworden

Das Thema bezahlbarer Wohnraum ist für die Sozialdemokratin Nathalie Schönfeld inzwischen nicht mehr nur ein politisches, sondern auch ein persönliches. Seit dem Jahr 2014 sitzt die 24-Jährige für die SPD im Filderstädter Gemeinderat. „Als ich in den Gemeinderat kam, hatte Filderstadt etwa 44 000 Einwohner“, erinnert sie sich. „Jetzt sind es etwa 46 000. Da muss man die Frage stellen: Wie groß wollen wir als Stadt noch werden?“ Bei Grundstücken und Gebäuden in privater Hand, das gibt Nathalie Schönfeld zu, ist es für die Kommune schwierig, einzugreifen. Aber darum, meint sie, müsse die Stadt eben weitere Grundstücke erwerben. „Nur so haben wir die Kontrolle, was dort gebaut wird. Es gibt Architekturbüros, die auf bezahlbaren Wohnraum spezialisiert sind – die müssen beauftragt werden.“

Auch der Leerstand sei im Gremium sowie in der SPD-Fraktion immer ein großes Thema gewesen. „Wir wollen niemanden zu etwas zwingen. Viele Vermieter haben schlechte Erfahrungen gemacht, etwa mit Mietnomaden – das verstehe ich.“ Andererseits sei die direkte Konsequenz, dass Familien ohne Dach über dem Kopf da stünden. „Da muss etwas passieren.“ In Esslingen, berichtet Schönfeld, gebe es ein Projekt des Vereins Heimstatt, bei dem alleinstehende Frauen zusammengebracht werden: die Älteren, die ein Haus haben, das ihnen zu groß geworden ist, und vielleicht Hilfe bei der Kehrwoche brauchen, und die Jüngeren, die alleine Kinder großziehen und Wohnraum suchen. „Das ist eine gute Idee“, sagt Nathalie Schönfeld. Es gebe keine Rundumlösung für alles: „Es braucht viele kleine Lösungen für viele kleine Bereiche.“

Sie ist traurig gewesen

Es ist ihr anzumerken: Sie diskutiert mit Leidenschaft über diese und andere Themen – zumal sie nun am eigenen Leib erlebt, was die hohen Mieten bedeuten können: einen Ortswechsel wider Willen. „Politisch sein, das hört nicht auf, wenn man ein Gremium verlässt“, sagt Schönfeld. „Ich werde immer politisch sein, ich werde mich immer für andere einsetzen.“ Sicher sei es traurig gewesen, aus dem Gemeinderat auszuscheiden. „Viele Kollegen konnten es nicht glauben, als sie den Grund erfahren haben. Einige haben für uns gesucht, mussten dann aber auch einsehen, dass nichts zu finden ist.“

Sie selbst hatte vor, sich noch lange Zeit im Gemeinderat zu engagieren. „Zwar bin ich Stadträtin gewesen, aber auch ich bin nur eine Bürgerin, die Wohnraum sucht. Auch mich kann es treffen.“ Auch dort will sie sich im SPD-Ortsverein und beim Asylkreis engagieren. „Zusammen kommt man viel weiter denn als Einzelkämpfer“, sagt sie – egal ob in Filderstadt oder anderswo.

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