Strommasten prägen die Landschaft zwischen Kirchheim und Lauffen. Ein schlechter Standort für Windräder? Foto: factum/Granville

Nur an einem Standort im Kreis kann sich der Planungsausschuss neue Windräder vorstellen. Das stößt besonders in Kirchheim/Neckar auf Unverständnis.

Kreis Ludwigsburg - Ein Punkt ist längst klar gewesen: Im Kreis Ludwigsburg wachsen die Profit-Bäume für Investoren in Windkraft nicht in den Himmel. Alle zehn Standorte, die der Verband Region Stuttgart als akzeptabel herausgefiltert hatte, galten als allenfalls mittelstark mit Wind gesegnet. Dass die Region jetzt aber nur einen einzigen neuen Standort im Kreis zulassen will, überrascht doch viele.

Die politischen Fronten im Planungsausschuss des Verbands Region Stuttgart verliefen halbwegs überschaubar. Vor allem CDU und Freie Wähler, aber auch die FDP, waren darauf bedacht, die Zahl der Standorte eher zu dämpfen. Insbesondere in Kirchheim am Neckar ist man verwundert darüber, dass der vorgeschlagene Standort am nordwestlichen Rand der Region, unweit von Lauffen (Kreis Heilbronn) aus dem Plan gestrichen wurde – vorläufig. Denn das letzte Wort hat die Regionalversammlung am Mittwoch, 30. September. „Wir hoffen darauf, dass sich die Regionalräte die Unterlagen noch mal genau anschauen“, sagt Rolf Riecker von der Kirchheimer Energiegenossenschaft.

Landschaft von Stromleitungen geprägt

Bei den dortigen Kämpfern für ein bis zwei Windräder am Ortsrand herrscht noch Hoffnung, weshalb auch die Presse zu einem Ortstermin an diesem Freitag eingeladen wurde. Man will zeigen: der vorgesehene Standort ist landschaftlich nicht gerade herausragend schön, sondern vielmehr von vielen, teils bis zu 100 Meter hohen Stromleitungen geprägt.

Das ist das Seltsame an der Debatte in der Regionalversammlung. Eine „streng sachliche Orientierung an der Bewertungsmatrix“ habe die Freien Wähler geleitet, lässt sich Andreas Hesky, Regionalrat und OB von Waiblingen (Rems-Murr-Kreis), im Internet zitieren. Weiter führt er aus, dass Windräder „ästhetische Bauwerke sind, die als weit weniger belastend empfunden werden können als beispielsweise Hochspannungsanlagen oder Kraftwerke“. Für die Initiative aus Kirchheim, unweit des Kernkraftwerks Neckarwestheim gelegen, muss das wie ein Widerspruch klingen.

„Kleine Standorte sind nicht verboten“

Auch in Bönnigheim ist die Energiegenossenschaft enttäuscht wegen der zu erwartenden Streichung ihres Standortes. Allein: dort herrscht zwar etwas mehr Windaufkommen, jedoch gilt der Standort bei Freudental als landschaftlich sehr sensibel, liegt er doch mitten im Wald auf einem Stromberg-Ausläufer. Bönnigheim war der Standort, gegen den es im Beteiligungsverfahren der Region die meisten Widersprüche gab. Der Standort in Kirchheim hingegen war derjenige mit den wenigsten Widersprüchen. Außer der Kritik der Nachbarn in Lauffen, die um ihr Ortsbild fürchten, kam kaum Gegenwind.

Thomas Kiwitt, Chefplaner bei der Region, hat Verständnis für die Linie der Mehrheit im Planungsausschuss, vor allem kleinere Standorte aus dem Plan zu streichen. „Wenn man Windräder bündelt, verringert man insgesamt die Eingriffe ins Landschaftsbild“, sagt er. Ein Argument, das der Kirchheimer Bürgermeister Uwe Seibold nicht nachvollziehen kann. „Es steht nirgends im Gesetz, dass man nicht auch kleine Standorte verfolgen kann.“ Er vermutet politische Gründe dahinter.

„Es gibt im Ort Interessenten“

In Korntal-Münchingen herrscht derweil verhaltene Vorfreude. Der Standort See/Ried zwischen Münchingen und Schwieberdingen wurde als einziger neuer Standort auserwählt. „Es gibt im Ort durchaus Interessenten, hier etwas auf die Beine zu stellen“, sagt Joachim Wolf, der Rathauschef in Korntal-Münchingen. Es gebe aber auch kritische Stimmen. Nach dem zu erwartenden Beschluss am Mittwoch stehe zunächst eine Abstimmung mit Schwieberdingen über die weitere Planung an.

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