Stundenplanung könnte digital laufen, wenn es flächendeckende Programme gäbe. Foto: Judith A. Sägesser

Vier Millionen sollte ein neues Schulverwaltungsprogramm des Landes kosten – nun sind es 47 Millionen und die Software ist noch immer nicht in Betrieb. Der Rechnungshof Baden-Württemberg wirft dem Kultusministerium schlechtes Projektmanagement vor.

Stuttgart. - Das Kultusministerium hat erneut Probleme mit Computerprogrammen für die Schulen. Die digitale Lernplattform Ella stagniert. Nun hat der Rechnungshof in einem Gutachten zu der Software „Amtliche Schulverwaltung“ (ASV-BW) eine enorme Kostensteigerung und zögerliche Umsetzung festgestellt. Statt einst kalkulierter vier Millionen wurden dem Bericht zufolge bisher „mindestens 47,2 Millionen Euro“ ausgegeben.

Das Programm soll Schulleiter von Verwaltungsaufgaben entlasten und der Politik statistische Grundlagen für die Schulentwicklung liefern. Das Projekt läuft seit 13 Jahren und ist von der flächendeckenden Einführung noch weit entfernt. Bei Planungsbeginn im Jahr 2006 ging das Kultusministerium von einer Einführung im Schuljahr 2008/2009 aus. „Die Zielvorgaben des Projekts ASV-BW zu Kosten, Zeiten und Leistungen wurden deutlich verfehlt“, monieren die Kostenprüfer. Lediglich zwei Prozent der Schulen, genau 68, hätten im aktuellen Schuljahr die amtliche Schulstatistik elektronisch abgegeben. Das wäre jedoch eine Kernfunktion des Programms. Etwa neun Prozent der Schulen nutzen derzeit die Verwaltungssoftware freiwillig.

Prüfer vermissen fundiertes Kostencontrolling

Zu den Verzögerungen haben laut Rechnungshof bildungspolitische Veränderungen wie die Umstellung von G9 auf G8, die Inklusion oder die Einführung der Gemeinschaftsschule beigetragen. Doch die Gutachter stellen auch „erhebliche Mängel im Projektmanagement“ fest und vermissen „fundiertes Kostencontrolling“.

Der Landtag möchte das Programm zum Schuljahr 2020/21 verpflichtend einführen. Das nennt der Rechnungshof „sehr ambitioniert“. Ministerin Susanne Eisenmann (CDU) hält wie die Prüfer an dem Vorhaben fest, auch wenn der bisherige Projektverlauf „definitiv nicht zufriedenstellend“ sei. Jetzt werde das Projekt stringent gesteuert. „Die flächendeckende Einführung von ASV-BW ist die zentrale Grundvoraussetzung für eine datengestützte Qualitätsentwicklung der Schulen“, erklärt eine Sprecherin Eisenmanns. Das Ministerium werde mit den Kommunen und den Schulen einen Vorschlag erarbeiten, wann eine verpflichtende Einführung möglich sei.

Schulleitungen „frustriert“

Eisenmann sagte: „Unser gemeinsames Ziel ist es, den Schulen eine leistungsfähige und effiziente Schulverwaltungssoftware zur Verfügung zu stellen, welche die Schulleitungen sowohl funktional wie auch zeitlich entlastet.“ Die Ministerin will im Landtag zu den Äußerungen des Rechnungshofs Stellung nehmen. Die SPD macht Druck. Eisenmann müsse „den Schulen ein funktionsfähiges Produkt liefern – und zwar diese Legislatur und nicht wie Ella 2.0 am Sankt-Nimmerleins-Tag“, sagt Stefan Fulst-Blei. Er verlangt, dass ASV-BW Chefinnensache wird. Dass 47 Millionen ohne Mehrwert für die Schulen ausgegeben worden seien, sei „dem Steuerzahler nicht vermittelbar“ und für die überlasteten Schulleitungen „einfach nur frustrierend.“

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