Janina Leonie Selzer bekommt 2020 das Manfred-Rommel-Stipendium. Foto: Selzer

In diesem Jahr unterstützt Stuttgart mit 35 000 Euro die Forschungsarbeit von Janina Leonie Selzer. Die Stadt will die Auseinandersetzung mit Themen forcieren, die dem früheren Oberbürgermeister Rommel wichtig waren. Von der Soziologin erhofft sich die Jury Fingerzeige für eine bessere Integration.

Stuttgart - Das Manfred-Rommel-Stipendium, das die Stadt Stuttgart alle zwei Jahre auslobt, ist nun zum zweiten Mal vergeben worden. Eine Jury hat es, noch kurz vor Weihnachten, der 27-jährigen Wissenschaftlerin Janina Leonie Selzer zugesprochen. Das ist eine Promotionsstudentin der Soziologie am Graduate Center an der City University of New York. Nach Studienjahren in Cambridge (England) und Chicago (USA) arbeitet sie in New York an einem Forschungsprojekt mit dem Titel: „Wurzeln schlagen – Wie nichtmuslimische irakische Geflüchtete Zugehörigkeitsgefühle in strukturschwachen Städten in Deutschland und den USA entwickeln“.

Damit passte dieses Projekt nach Überzeugung der Jury, die unter der Leitung des Stadtmuseum-Leiters Torben Giese tagte, sehr gut zu der Ausschreibung. Denn das Stipendium 2020, das im Folgejahr 2021 zum Tragen kommt, war zum Thema „Integration und Toleranz“ ausgelobt worden. Dies sind zwei Kernthemen, die den früheren, am 7. November 2013 verstorbenen CDU-Politiker stets beschäftigt haben, besonders in seiner Zeit als Stuttgarter Stadtoberhaupt von Anfang 1975 bis Ende 1996.

Jury hofft auf Fingerzeige für bessere Integration

Die in Stuttgart geborene Soziologin möchte die Zugehörigkeitsgefühle von nichtmuslimischen irakischen Geflüchteten sowohl in Deutschland als auch den USA untersuchen und vergleichen. Dazu hat sie mit Bielefeld und Detroit zwei strukturschwache Städte ausgewählt, in denen sie in den kommenden Monaten Interviews und Gespräche führen will. Sie wird in ihrer Fallstudie folgenden Fragen nachgehen: Wie können strukturschwache Städte und Regionen zu einem Zufluchtsort für Geflüchtete werden? Und wie gelingt es diesen Menschen, in einem relativ instabilen Umfeld Wurzeln zu schlagen? Davon erhofft sich die Jury, wie Torben Giese sagte, auch Fingerzeige für weniger strukturschwache Gebiete wie Stuttgart. Etwa dazu, welche Integrationsstrategien sich bewähren und was verbessert werden kann. „Das Spannende an Selzers Arbeit ist, dass sie mit der emotionalen Ebene der Integration Probleme in den Blick nimmt, die bislang wenig Beachtung finden“, meinte Giese.

Erstmals wurde das Stipendium für 2018 vergeben

2018 ist das jeweils mit 35 000 Euro dotierte Stipendium erstmals vergeben worden, und zwar an den in Stuttgart arbeitenden Politik- und Geschichtswissenschaftler Felix Heidenreich, Wissenschaftlicher Koordinator an der Universität Stuttgart. Damals ging es der Stadt und der Jury bei der Vergabe vor allem um die repräsentative Demokratie und ihre Krise. Heidenreich führte dazu viele Interviews, die Ergebnisse schlugen sich in einem Demokratie-Podcast nieder.

Die Einrichtung des Stipendiums war eine der Ehrungen der Stadt für den verstorbenen Alt-OB – neben der Umbenennung des Straßburger Platzes beim Hauptbahnhof und der Benennung des Flughafens Stuttgart nach Manfred Rommel. Dafür hatte sich jeweils der damals amtierende OB Fritz Kuhn (Grüne) sehr eingesetzt.

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