Felix Heidenreich erhält für seine geplante Arbeit das mit 35 000 Euro dotierte Stipendium. Foto: Privat

In der vielzitierten Krise der repräsentativen Demokratie ist guter Rat teuer. Der erste Stipendiat, den die Landeshauptstadt im Andenken an ihren früheren OB Manfred Rommel unterstützen wird, will neue Antworten suchen und aufzeigen. Am Ende soll etwas Praxisnahes stehen.

Stutttgart - Der Historiker Felix Heidenreich aus Stuttgart wird als Erster das Manfred-Rommel-Stipendium erhalten, das die Landeshauptstadt neu geschaffen hat. Das hat eine Fachjury unter dem Vorsitz von Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) entschieden. Heidenreich ist Wissenschaftlicher Koordinator am Internationalen Zentrum für Kultur- und Technikforschung der Universität Stuttgart (IZKT). Das Stipendium, das er erhält, ist nach dem früheren populären Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel (CDU) benannt, der am 7. November 2013 starb. Es ist mit 35 000 Euro dotiert.

21 Bewerbungen waren bei der Stadt eingegangen. Heidenreich kam zum Zuge, weil die von ihm beabsichtigte wissenschaftliche Arbeit am Besten überzeugte. Der Titel lautet: „Der Anspruch der Demokratie. Neue Antworten auf die Krise der repräsentativen Demokratie“. Nach den Worten von OB Kuhn ist die Ausgangsfrage für diese Arbeit, wie sich der Graben zwischen Bürgerinnen und Bürgern einerseits und politischen Verantwortungsträgern andererseits überbrücken lässt. Das Forschungsvorhaben setze bei der Voraussetzung für Demokratie an: bei den Demokratinnen und Demokraten. Denn Demokratie, sagte Kuhn, eröffne nicht nur einen Anspruch auf Beteiligung, sondern formuliere auch einen Anspruch und nehme Menschen in die Pflicht. Heidenreichs sympathisches Projekt sei gut durchdacht und habe die Jury vor allem mit seinem konstruktiven Ansatz überzeugen können. Die Ergebnisse sollen in einer populärwissenschaftlichen Monografie und in einem Handbuch mit praktischen Vorschlägen veröffentlicht werden.

Diesmal ging es um das Thema Demokratie

Der Ansatz, dass Demokratie die Menschen in die Pflicht nehme, ist nah bei einer der Hauptforderungen von Rommel in seiner Amtszeit angesiedelt. Der Christdemokrat war geprägt durch eine tragische Familiengeschichte in der Zeit des Nationalsozialismus. Später hat er immer wieder gefordert, dass die Bürger der Demokratie gegenüber keine gleichgültige Haltung einnehmen dürften, sondern sich aktiv für die Demokratie einsetzen müssten.

Mit dem Stipendium, das auf Vorschlag von Fritz Kuhn geschaffen wurde, will die Landeshauptstadt die gesellschaftliche Erörterung der Fragen fördern, die Rommels Denken prägten. Diesmal lautete das Thema „Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt“. Das im zweijährigen Turnus ausgeschriebene Stipendium soll im Wechsel aber auch die Bereiche Völkerverständigung und internationale Aussöhnung, Integration und Toleranz, kommunale Selbstverwaltung sowie solide Finanzen abdecken.

Die erste offizielle Verleihung des Stipendiums durch OB Kuhn findet an diesem Donnerstag, 13. Dezember, im Rahmen der Eröffnung der Sonderausstellung „Manfred Rommel“ im Stadtmuseum statt.

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