Von nächsten Jahr droht auch Euro-5-Dieselautos ein Fahrverbot. Doch die Grünen unternehmen nun einem Vorstoß, der es doch noch vermeiden könnte – falls Autohersteller und Bund mitmachen. Foto: dpa

Die Fronten im Diesel-Streit haben sich weiter verhärtet. Nun versuchen die Grünen im Landtag, mit einem weit reichenden Kompromissvorschlag den Knoten zu durchschlagen.

Stuttgart - Die Grünen im Landtag streben an, Fahrverbote für Euro-5-Dieselautos zu vermeiden und möglicherweise auch die bereits verhängten Fahrverbote teilweise aufzuheben. Nach Informationen unserer Zeitung verständigte sich die Fraktion mit breiter Mehrheit auf einen Vorschlag, den der Heilbronner Professor Hermann Koch-Groeber im Mai vergangenen Jahres bei einem nicht öffentlichen Treffen von Vertretern von Politik, Wissenschaft und Industrie unterbreitet hatte.

Mehr als neue Software, weniger als eine neue Abgasanlage

Demnach lasse sich der Ausstoß vieler Euro-5-Fahrzeuge im realen Straßenverkehr auch ohne den teuren Einbau einer komplett neuen Abgasreinigungsanlage stark verringern, wenn die Fahrzeuge durch einen Austausch von Motorteilen (Hardware) entsprechend „ertüchtigt“ würden. Diese „Hardware-Light“-Methode erlaube eine Abgasrückführung, durch die der Stick­oxidausstoß ähnlich stark sinke wie durch die wesentlich teurere Nachrüstung mit neuen Abgasreinigungsanlagen, sagte der technologiepolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Thomas Poreski, unserer Zeitung.

Die Verbesserung solle dadurch erreicht werden, dass die Autohersteller, anders als bisher, an der Nachrüstung mitwirken und nicht nur Geld geben. Außer Euro-5-Fahrzeugen sollen auch solche mit den Abgasnormen Euro 6a bis 6c einbezogen werden.

Durch ein Aus für Fahrverbote könnten die Hersteller „so viel an Vertrauen gewinnen, dass die Kosten für diese Nachrüstung marginal sind“, so Poreski. Dem Vernehmen nach hat Ministerpräsident Winfried Kretsch­mann den Vorschlag der Fraktion wohlwollend aufgenommen. Er soll nun mit dem Koalitionspartner CDU besprochen und dem Bund vorgelegt werden, der für die Zulassung von Nachrüstlösungen verantwortlich ist.

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