Der neue Fahrplan aufgrund der S21-Bauarbeiten. Foto: Grafik VVS/SSB/Dettmann

Am Dienstag nach Pfingsten gilt bei der Stuttgarter Straßenbahnen AG ein neuer Fahrplan. Die Umstellung ist der Stuttgart-21-Baustelle in der City geschuldet. Zehn Prozent der Fahrgäste sind künftig länger unterwegs.

Stuttgart - Er ist aufwendig gestrickt, und jede Veränderung führt zu einem Dominoeffekt. Ihren Fahrplan fassen die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) daher selten an. Die letzte große Umstellung datiert aus dem Jahr 2011. Doch mit dem großen Eingriff des Bahnprojekts Stuttgart 21 in der City lässt sich auch eine größere Operation am Fahrplan der SSB nicht mehr vermeiden.

Die Stadtbahn-Haltestelle Staatsgalerie entsteht neu, die anschließenden Tunnelstücke in Richtung Charlottenplatz und in scharfer Kurve zum Hauptbahnhof ebenso. Der Neubau sollte eine nur zweiwöchige Sperrung der Strecke zwischen Staatsgalerie und Charlottenplatz bringen. Das sahen die Bahn-Pläne 2005 vor. Inzwischen ist Stuttgart 21 zeitlich und finanziell in neue Dimensionen vorgedrungen. Aus zwei Wochen werden zwei Jahre oder mehr, genaue Angaben will die SSB nicht machen.

Infrastruktur-Lücke muss umfahren werden

Am 17. Mai stellt die SSB ihren Fahrplan erstmals um, damit die Infrastruktur-Lücke zwischen den Haltestellen Staatsgalerie und Charlottenplatz umfahren werden kann. Für den Wechsel, der ein Jahr Gültigkeit hat, wurden bewusst die Pfingstferien gewählt. Die nächste große Umstellung soll dann 19. August 2017 folgen, dann bewusst in den Sommerfeien.

Ändern wird sich von Dienstag an der Verlauf der Linien U 1, U 2, U 4 und U 11. Neu hinzu kommen die Linien U 21 (vom Südheimer zum Charlottenplatz) und U 24 (Hölderlin- bis Charlottenplatz). Unabhängig vom Eingriff an der Staatsgalerie ging auf der U 12 am Freitag auf dem Südast das Stück vom Wallgraben zur neuen Endhaltestelle Dürrlewang in Betrieb. Bei den Busverbindungen wird die Linie 42 verstärkt. Sie fährt künftig in der Hauptverkehrszeit im Fünf-Minuten-Takt. Das bedeutet den Einsatz von zusätzlich zwei Bussen. Bei den Buslinien gibt es mit dem neuen Fahrplan (www.ssb-ag.de) viele weitere Änderungen sowie zwei Streichungen (Linien 55 und 79).

Zwei neue Linien: U 21 und U 24

Die Änderungen bei der Stadtbahn sehen im Detail so aus: Die U 1 (Vaihingen-Fellbach/Lutherkirche) wird über Rotebühl-, Börsenplatz und Hauptbahnhof umgeleitet. Sie erhält die U 21 zur Seite, die zwischen Südheimer und Charlottenplatz pendelt.

Die U 2 von Botnang nach Neugereut fährt nicht mehr über den Rotebühl- und Charlottenplatz, sondern über Berliner und Börsenplatz und über den Hauptbahnhof.

Die U 4, bisher vom Hölderlinplatz bis nach Untertürkheim pendelnd, fährt nur noch vom Neckartor bis Untertürkheim. Vom Hölderlinplatz bis zum Charlottenplatz heißt die Linie U 24. Die Stadionlinie U 11, die bisher eine Rundtour durch die City absolviert, bedient zwar weiterhin alle Haltestellen, der Kreis ist aber durch die Baustellen-Lücke an der Staatsgalerie unterbrochen.

60 Mobilitätsberater im Einsatz

Die SSB betont, dass Kultureinrichtungen wie Planetarium oder Staatsgalerie weiterhin über die bekannten Haltestellen erreichbar sind, auch die Schulen. Informationen zum neuen Netz habe man über Monate breit an die Haushalte in der Stadt gestreut, außerdem in den eigenen Verkehrsmitteln per Flyer in den Bahnen und an den Haltestangen baumelnden Karten in den Bussen bekannt gemacht. Am Dienstag will der städtische Verkehrsbetrieb 60 Mobilitätsberater an den größeren Umsteigehalten einsetzen. Sie werden auffällige Westen mit „Netz 2016“-Aufdruck tragen. Ihre Zahl soll dann reduziert um mit Schulbeginn am 30. Mai wieder hochgefahren werden.

Von der neuen Linienführung wird jeder zehnte SSB-Fahrgast betroffen sein, das hat Vorstandssprecher Wolfgang Arnold vor dem Gemeinderat eingeräumt. In absoluten Zahlen sind das täglich 43 000 Menschen, bei denen sich durch neue Wege die Reisezeit um im Schnitt zwei Minuten verlängern soll. Die Zahl der Umsteiger wird sich im Hauptbahnhof werktags von 74 600 auf 106 000 erhöhen. Wer von Vaihingen zur Staatsgalerie fährt, wird künftig 25 statt 21 Minuten brauchen, zum Hauptbahnhof sind es noch 24 statt 25 Minuten. Wer vom Wilhelmsplatz in Bad Cannstatt aus zum Charlottenplatz fährt, braucht ab Dienstag 14 statt neun, zum Marienplatz 17 statt 13 Minuten. Zur Liederhalle verkürzt sich die Reisezeit von 16 auf 13 Minuten. Unserer Zeitung liegen Verbindungsabfragen eines Experten vor, die zeigen, dass fünfmal mehr Fahrgäste täglich mindestens einmal zusätzlich umsteigen müssen als die, die mindestens einen Umstieg sparen. Wie reibungsarm die künftige Kopfbahnhof-Situation in der Haltestelle Staatsgalerie verläuft muss die Praxis zeigen, genauso, wie hilfreich die Zusatzbusse auf der Linie 42 sind, der durchgängige Busspuren fehlen.

Engstelle Berliner Platz umgebaut

Eine Engstelle stellt der Berliner Platz dar, über den deutlich mehr Stadtbahnen rollen werden. Die Kreuzung wurde im Herbst 2015 mit neuen Überwegen und einer runderneuerten Signalanlage versehen. Dabei habe man die neuen SSB-Fahrpläne schon berücksichtigt, sagt Jochen Hutt, der stellvertretende Leiter des Tiefbauamts. „Wir haben bei den Ampelphasen Lücken ausgeschöpft und das verkehrsabhängig laufende Programm optimiert, so dass dem Autoverkehr keine Zeit verloren geht“, sagt Jochen Hutt. Die Bahnen hätten aber wegen des zu haltenden Takts Priorität. Zusammen mit den Änderungen auf der U 12 und U 8 werden für das Netz 2016 rund 30 zusätzliche Fahrer eingesetzt. Die durch den Neubau der Haltestelle Staatsgalerie ausgelösten Betriebskosten beim Netz 2016 muss die Bahn tragen. Wie hoch diese sind, will die SSB AG nicht nennen.

Wegen Bauarbeiten an der Haltestelle Staatsgalerie ändern die SSB ihren Linienplan. Klicken Sie auf die Karte für eine größere Ansicht

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: