Interview zu Stuttgart 21 „Wir sollten uns jetzt nichts verbauen“

Von Josef Schunder 

Gerhard Heimerl und Klaus Amler (von links) im InterviewEin  Zug  fährt im Stuttgarter Norden  auf der Gäubahnstrecke, die nach der Inbetriebnahme des neuen Bahnknotens Stuttgart für die Gäubahnzüge nicht mehr gebraucht wird . . . Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Gerhard Heimerl und Klaus Amler (von links) im InterviewEin Zug fährt im Stuttgarter Norden auf der Gäubahnstrecke, die nach der Inbetriebnahme des neuen Bahnknotens Stuttgart für die Gäubahnzüge nicht mehr gebraucht wird . . . Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Grüne und CDU müssen sich im Land zur Koalition zusammenraufen, Befürworter und Gegner von Stuttgart 21 zu einem Ergänzungsprogramm für das Bahnprojekt. Der S-21-Erfinder Gerhard Heimerl und der S-21-Gegner Klaus Amler sind sich im Doppelinterview schon mal in vielem einig. Man dürfe sich jetzt keine Chancen verbauen, mahnen sie.

Stuttgart - Ein Thema des Schienenverkehrs hat in Stuttgart zurzeit Hochkonjunktur: die Zukunft der alten Gäubahnstrecke in Stuttgart nach Inbetriebnahme des neuen Bahnknotens Stuttgart. Und auch der Kombibahnhof aus unterirdischen Durchgangs- und oberirdischen Kopfbahnhofgleisen ist in den Diskussionen wieder aufgelebt. Er beschäftigt Grüne und CDU sogar in den Koalitionsgesprächen. Anlass genug für ein Doppelgespräch mit dem Ideengeber der Stuttgart-21-Pläne, Professor Gerhard Heimerl, und Klaus Amler, der in den 1990er Jahren beim Umweltbündnis Umkehr Stuttgart für einen Kombibahnhof warb.

Herr Amler, Sie müssen doch nostalgische Gefühle haben, wenn es jetzt verstärkt wieder um den Kombibahnhof geht.
Amler: Ja, das stimmt. Unser „Kombi“-Vorschlag lag schon 1996 auf dem Tisch mit dem Titel „Das bessere Stuttgart 21“. Heimerl: Eigentlich war diese Lösung schon 1988 da. Mein ursprünglicher Vorschlag zum Ausbau des Stuttgarter Bahnknotens war eine Kombilösung. Es ging um die Frage, wie der hochwertige Fernverkehr Stuttgart bedienen soll. Es bestand die Gefahr, dass er künftig vorbeifährt und es nur einen peripher gelegenen Haltepunkt gibt. Ich habe damals, aber nur für die Schnellfahrverbindung Mannheim–Ulm, einen Durchgangsbahnhof unter dem heutigen Kopfbahnhof vorgeschlagen. Das war der erste Kombi-Bahnhof. Dieser Tiefbahnhof hätte nur vier Gleise gehabt.
Bei Stuttgart 21 ist künftig die Masse der ­Verkehrsbeziehungen im Durchgangs­bahnhof. Es gibt jetzt Überlegungen zu ­Ergänzungen. Was muss man davon halten?
Amler: 2011 ist der Schlichter Heiner Geißler mit dem Schweizer Büro SMA nochmals auf die Kombilösung verfallen. Vielleicht ein paar Monate zu spät. Eigentlich hätte das in den Schlichterspruch gehört. Kombi wäre ein Kompromiss gewesen und aus bahnbetrieblicher Sicht das Optimum. Heimerl: Als die Entscheidung bei der Bahn 1992 gefallen war für die Streckenführung der Strecke Stuttgart–Ulm parallel zur Autobahn statt durch das Filstal, also für die H-Trasse, wollte die Bahn für den Knoten Stuttgart auch noch andere Lösungen prüfen. Ein Halt am Rosensteinpark war eine Idee, weit weg von der City. Das hätte zu einem Qualitätsverlust für die Reisenden geführt. Bei einem Rundflug haben Bahn-Chef Heinz Dürr, Ministerpräsident Teufel und OB Rommel gesehen, was für riesige Flächen in der Stadt frei würden, wenn man die Bahngleise nicht hätte. Dann kam die Machbarkeitsstudie, alles unter die Erde zu legen – und damit Stuttgart 21.

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