Die Plätze vor dem SI-Centrum in Stuttgart-Möhringen sind menschenleer. Foto: Max Kovalenko

Musicals, Saunalandschaft, Spielbank, Kino und Gastronomie sind geschlossen. Was sonst im SI-Centrum geboten ist, ist derzeit verboten. Nun hoffen alle auf ein baldiges Ende der Corona-Beschränkungen.

Möhringen - Frühsommerliche Temperaturen, der Himmel leuchtet stahlblau, die Bäume blühen rosa und weiß. Doch auf den gepflegten Vorplätzen des SI-Centrums in Möhringen ist kein Mensch zu sehen. Es ist ein Sonntagnachmittag, und normalerweise würden dort zu dieser Zeit zahlreiche chic gekleidete Damen und Herren flanieren und Kinder aufgeregt umherspringen. Viele von ihnen wären von weither angereist, und alle würden darauf warten, dass die große Musical-Vorstellung endlich beginnt. Kino- und Restaurantbesucher würden sich hindurchzwängen. Wahrscheinlich auch der eine oder andere Schwabenquellen-Gast, der nach seinem Besuch in der Therme auf den Weg zu einem der Cafés ist. Doch in diesen Tagen gleicht der Erlebnistempel einer Geisterstadt. Wegen der Corona-Krise wirkt das SI-Centrum wie aus der Zeit gefallen. Alles, was dort normalerweise geboten wird, ist derzeit verboten.

Der Biergarten ist mit einem rot-weißen Plastikband abgesperrt. Die Tische und Barhocker aus Holz sind leer. Die große Eingangstür zum Stage Palladium Theater öffnet sich automatisch. Wer eintritt, steht in einer ausgestorbenen Halle. Die eigenen Schritte hallen. Alle Gastronomiebetriebe und Läden sind geschlossen. Nur im Bereich der Pizzeria brummt ein Kühlschrank. Es ist gespenstisch.

Stage stockt für seine Mitarbeiter das Kurzarbeitergeld auf

„Die öffentlichen Bereiche im SI-Cen­trum sind weiterhin zugänglich, die Gastronomien sind jedoch geschlossen. Das Hotel Dormero bleibt ausschließlich für Geschäftsreisende geöffnet“, erklärt Katrin Lemcke-Kamrath im Auftrag der Pressestelle des SI-Centrums und ergänzt: „Darüber hinaus steht das Management des SI-Centrums in engem Austausch mit allen Mietern, um die Situation vor Ort den aktuellen Vorgaben der Behörden anzupassen.“

Die beiden größten Anziehungspunkte in dem Erlebnistempel sind die Musicals. Doch: „Wie alle anderen Theater von Stage Entertainment sind auch das Stage Palladium Theater und das Stage Apollo Theater seit Freitag, 13. März, dark, also dunkel“, erklärt Stephan Jaekel, der Pressesprecher des Unternehmens. Mit diesem Wort werde im Theaterjargon eigentlich die Umbauphase zwischen zwei Stücken beschrieben. Diesmal meint es die vorübergehende Schließung wegen der Corona-Krise.

„Das Aufführungsverbot führte dazu, dass die überwiegende Zahl unserer Mitarbeiter in beiden Häusern seither in Kurzarbeit ist. Gleiches gilt für die Darsteller. Stage ist zumindest in der Lage, das gesetzliche Kurzarbeitergeld aufzustocken“, sagt Jaekel und fügt hinzu: „Ein paar Abteilungen müssen natürlich dennoch weiterarbeiten: Finanzen, Personal, die Theaterleitung sowie all diejenigen Kollegen, die bereits jetzt die Wiederaufnahme des Spielbetriebs vorbereiten. Davon wiederum heißt es für die allermeisten Homeoffice.“ Ganze Abteilungsmeetings würden derzeit per Video-Konferenz stattfinden. „Orchesterproben oder andere Theaterabläufe lassen sich so freilich kaum abbilden. Umso mehr sehnen alle die Tage herbei, wo wir wieder ins Theater kommen dürfen.“

Hoffnung auf eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs am 1. September

Noch sei unklar, wann genau das der Fall sein könnte. „Wir richten unsere Planungen aber daran aus, zum 1. September wieder spielen zu dürfen“, sagt Jaekel. Was bedeutet das für die Musical-Fans? Auf Zetteln im Schaufenster der Theaterkasse informiert das Unternehmen darüber, dass bereits verkaufte Karten ihre Gültigkeit behalten und auf andere Vorstellungen umgebucht werden können. Dauere die behördliche Verfügung tatsächlich bis Ende August an, seien davon weit mehr als 100 000 Tickets betroffen. „Damit wir wirklich für alle bisherigen Ticket-Inhaber neue Aufführungstermine bieten können, haben wir die Laufzeit sowohl von ,Tanz der Vampire‘, das nun erst im September 2020 Premiere haben wird, als auch von Disneys ,Aladdin‘ verlängert“, sagt Jaekel. Die Besucher seien sehr verständnisvoll. „Schrittweise werden alle von uns kontaktiert“, erklärt der Pressesprecher. Die Premiere der Stage Entertainment Eigenproduktion „Tina – Das Tina-Turner-Musical“ werde auf Herbst 2021 verschoben.

Hotelbetrieb „in keiner Weise rentabel“

Sven Lejeune, Director Sales und Marketing bei der Dormero Hotel AG, zeichnet ein düsteres Bild. Die Corona-Krise sei für den Hotel- und Gastronomie-Betreiber eine große Herausforderung. „Auch für uns steht die Gesundheit und Sicherheit unserer Gäste sowie Mitarbeiter an erster Stelle“, betont er. Was die Hygiene betreffe, „haben wir selbstverständlich schon immer alle Auflagen, welche auch zuvor galten, streng eingehalten, und wurden auch regelmäßig kontrolliert“, sagt Lejeune. Angesichts der Pandemie seien alle Hotels der Gruppe komplett grundgereinigt worden, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern. Die Übertragung in einem Hotelzimmer oder Gastronomiebetriebe sei auch noch nie gemeldet worden, fügt der Pressesprecher hinzu.

Für die Dormero-Gruppe seien die aktuellen Corona-Beschränkungen eine Katastrophe: „Am Ende müssen wir jedoch feststellen, dass Hotels und Gastronomie-Betreiber, welche ein wichtiger Wirtschaftszweig sind, in die Knie gezwungen werden.“ In Zahlen ausgedrückt bedeutet das, dass die Auslastung der knapp 500 Zimmer am Standort Stuttgart derzeit im einstelligen prozentualen Bereich liegt. Das sei in keiner Weise rentabel, konstatiert Lejeune. Das Unternehmen nutze die Zeit für Renovierungen. Jedoch: „Diese würden uns einfacher fallen, wenn wir zusätzliche Einnahmen und nicht nur Ausgaben hätten“, sagt der Pressesprecher. Für die meisten Mitarbeiter des Dormero-Hotels in Stuttgart bedeutet die aktuelle Corona-Pandemie Kurzarbeit, „welche auszusprechen eine schwere Entscheidung für jeden Familien-Unternehmer ist“, erklärt Sven Lejeune.

Verschönerungs- und Sanierungsarbeiten in den öffentlichen Bereichen

Immerhin, wenn der Erlebnistempel wieder öffnet, wird er an manchen Stellen schöner sein als zuvor. Denn aktuell werden die Brunnen saniert. Zudem werden in den öffentlich zugänglichen Bereichen teilweise die Bodenbeläge erneuert, Leuchtmittel ausgetauscht und Wände gestrichen. Diese Verschönerungsarbeiten seien aber unabhängig von der Corona-Krise geplant gewesen, sagt Katrin Lemcke-Kamrath.

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