Rien ne va plus? Der Besuch in einem Casino ist zweifelsohne ein Erlebnis, doch Glücksspiel kann süchtig machen. Foto: dpa/Uli Deck

Demnächst feiert das Casino im SI-Centrum in Stuttgart-Möhringen sein 25-jähriges Bestehen. Ein Thema ist mit der Zeit immer wichtiger geworden: die Suchtprävention. Doch warum ist es wichtig, dass das Unternehmen selbst seine Gäste schützt?

Möhringen - Es ist eine Glitzerwelt. Ein Ort für die Reichen und Schönen, wo erfolgsverwöhnte Menschen um das ganz große Geld spielen. So kennt man Casinos aus Hollywood-Filmen. Und auch in Stuttgart-Möhringen lässt der goldene Eingang zur Spielbank die Gäste auf das große Glück hoffen. Doch immer wieder stürzen sich Menschen, die in diese Welt eintauchen, ins Unglück.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt an, dass ungefähr ein Prozent der 16- bis 65-Jährigen in Deutschland ein problematisches oder pathologisches – also süchtiges – Glücksspielverhalten zeigen. Ein Teil davon will in einer Spielbank den großen Coup landen. Mit ihnen verdienen Casinos, wie das im SI-Centrum, viel Geld, will man meinen. Doch Uwe Kniesel sieht es anders. Der promovierte Naturwissenschaftler ist Prokurist bei den Baden-Württembergischen Spielbanken.

Glücksspiel ist grundsätzlich verboten

„Wir wünschen uns Gäste, denen es mit dem Glücksspiel gut geht. Sie müssen das Geld ja verdienen können, was sie bei uns ausgeben“, sagt Kniesel. Das klingt sarkastisch, so ist es aber nicht gemeint. Die Haltung kommt den Gästen zugute. Denn sie ist der Ausgangspunkt für das Suchtpräventionskonzept des Unternehmens. Uwe Kniesel hat es in den vergangenen 20 Jahren gemeinsam mit der Evangelischen Gesellschaft (Eva) als Kooperationspartner und anderen Fachleuten immer weiter vorangetrieben. Er betont auch die soziale Verantwortung der Spielbanken, die ja zu 100 Prozent eine Beteiligungsgesellschaft des Landes Baden-Württemberg seien.

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Grundsätzlich gilt: Glücksspiel ist verboten. Darum brauchen Spielbanken eine Ausnahmegenehmigung, eine sogenannte Konzession. Seit 2012 gilt der erste Glücksspieländerungsstaatsvertrag. Dieser besagt, dass Glücksspiele ausschließlich vom Staat beziehungsweise von staatlich organisierten Einrichtungen angeboten werden dürfen. Das Ziel: der „natürliche Spieltrieb“ kann durch ein begrenztes Angebot in geordnete Bahnen gelenkt und illegalem Glücksspiel vorgebeugt werden. Ein faires Spiel soll sichergestellt und Betrug vermieden werden. Und es geht auch um den Schutz der Spieler und darum, die Voraussetzungen für eine wirksame Suchtbekämpfung zu schaffen.

Das Projekt fing klein an

Mittlerweile sind die Spielbanken in Baden-Württemberg beim Thema Suchtprävention federführend. „Wir investieren viel Geld und Aufwand in den Spielerschutz“, sagt Kniesel. Wichtig sei, dass das Unternehmen „vollumfänglich“ hinter dem Konzept stehe. Kritische Stimmen habe es vor allem anfangs gegeben, und auch heute noch würden diese immer mal wieder durchdringen. Der eine oder andere Mitarbeiter habe zunächst nicht eingesehen, warum er sich mit dem Thema Spielerschutz befassen solle. „Doch mittlerweile sind wir da auf einem sehr guten Weg und haben schon viel erreicht“, sagt Kniesel. Beleg dafür seien zum Beispiel Fachaudits und Mitarbeiterbefragungen durch die Evangelische Gesellschaft (Eva) und das Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS) der Uni Hamburg.

Das Projekt habe klein angefangen, sagt Kniesel. Im Jahr 2000 wurden in der Möhringer Spielbank Flyer von der Eva ausgelegt. Auf diesen fanden die Gäste Infos zum Thema Sucht und Ansprechpartner, an die sie sich wenden konnten. Mittlerweile gibt es ein ausgeklügeltes System. Dessen Grundlage ist die umfassende Schulung aller Mitarbeiter. Diese lernen unter anderem, woran sie erkennen können, ob jemand Probleme mit dem Glücksspiel hat.

Im Akutfall verhängt das Casino eine Spielsperre

Manchmal sind es bestimmte Aussagen der Gäste, welche die Mitarbeiter aufhorchen lassen. Auch wenn jemand immer wieder Jetons nachkauft, kann das ein Zeichen sein. Besonders gefährlich ist das sogenannte Chasing. Dabei versucht der Gast, seinen Verlust durch weiteres Spielen wettzumachen. Doch das könne nicht gelingen, weiß Kniesel. Denn je länger man spiele, desto eher gewinne die Bank.

Wenn bei einem Mitarbeiter der Verdacht aufkommt, dass ein Gast mit dem Spielen nicht mehr zurechtkommt, muss er eine Meldung machen. Ein speziell geschulter Mitarbeiter, ein Spielerschutzbeauftragter, sucht dann das Gespräch. „Wir versuchen, herauszufinden, was los ist. Die meisten Gäste reagieren darauf positiv“, sagt Kniesel. Doch freilich würden sich manche auch angegriffen fühlen und nicht mit sich reden lassen. „Wir können unsere Hilfe nur anbieten oder im Akutfall eine Spielsperre veranlassen, die dann deutschlandweit gilt“, sagt Kniesel dazu.

Spielbanken in Zahlen:

Rekordumsatz: Die Baden-Württembergischen Spielbanken haben 2019 das beste Ergebnis ihrer Geschichte erzielt. Gegenüber dem Vorjahr steigerten sie den Gesamtumsatz an den drei Standorten um 17 Millionen auf 107,2 Millionen Euro. Auch die Besucherzahl ist gestiegen, um 8,3 Prozent auf nun 636 088 Gäste.

Standort Stuttgart: Dabei hatte die Spielbank Stuttgart das größte Besucherplus mit 10,3 Prozent. 2019 kamen 295 383 Gäste in das Casino im SI-Centrum. Auch beim Umsatz hat der Standort in Stuttgart-Möhringen die Nase vorn. Dort erzielte das Unternehmen mit 53,3 Millionen Euro etwa die Hälfte des Gesamtvolumens.

Unternehmen: Die Baden-Württembergische Spielbanken GmbH & Co. KG wurde im August 2003 gegründet. Seit der Eröffnung in Stuttgart 1996 und der Übernahme der Spielbanken Baden-Baden und Konstanz 2003 überwies sie mehr als eine Milliarde Euro an das Land; etwa die Hälfte davon ging an gemeinnützige Zwecke

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