Vor 25 Jahren haben die Schwabenquellen im SI-Centrum eröffnet. Zum Konzept gehörte von Anfang an, dass die Gäste nackt baden und saunieren. Das mag nicht jeder. Insbesondere für viele junge Menschen geht textilfrei heute gar nicht mehr.
Möhringen - Der Unternehmer und Investor Rolf Deyhle hatte eine Vision. Im SI-Centrum am Rande Möhringens wollte er das erste urbane Vergnügungszentrum weltweit errichten. Im November 1994 – vor 25 Jahren – eröffneten die Schwabenquellen als erster Teil dieses Mammutprojekts ihre Pforten. Es sei damals die größte Saunalandschaft der Welt gewesen, sagt der heutige Geschäftsführer, Martin Pesch und ergänzt: „Die Größe der Anlage war ein großer Paukenschlag und wurde über die Medienwelt ein riesiges Gesprächsthema.“
Mancher Autor sparte dabei nicht mit Ironie und Wortspielen. Die Stuttgarter Zeitung schrieb am 2. Dezember 1994: „Stuttgart kommt gehörig ins Schwitzen. Die Schwabenquellen sind sicher die heißeste Attraktion im neuen Freizeit- und Erlebniszentrum. Dufte Ideen und quirlige Neuheiten sollen in einem Aufguss für hoch-gradigen Genuss und nacktes Vergnügen sorgen.“ Die Stuttgarter Nachrichten titelten am 14. November 1994: „Schwitzen auf höchstem internationalen Niveau. Sauna-Welttournee in Möhringen. Ein Verwirrspiel auf 4000 Quadratmetern. Eile mit Weile bei Deyhle.“
Saunabaden ist in Deutschland seit jeher textilfrei
Von Anfang an gehört zum Konzept, dass die Gäste in den Schwabenquellen textilfrei baden und saunieren. „Um Spanner abzuschrecken, sind alle nackt“, zitierten die Stuttgarter Nachrichten damals den Geschäftsführer Roman Schramm. Der heutige Geschäftsführer Pesch fügt hinzu: „Saunabaden ist in Deutschland seit der Errichtung der ersten öffentlichen Saunen im Gegensatz zu allen anderen Ländern auf der Welt textilfrei. Die Gründe seien „aus der Historie sowohl ideologischer, also freiheitlicher, und hygienischer Natur“. FKK sei damals ganz natürlich und viel mehr gesellschaftlich etabliert gewesen als heute. „Vor 25 Jahren wurde das Thema textilfreies Baden sehr tolerant praktiziert, und es gab nahezu keine kritischen Stimmen“, sagt Pesch.
Die Schwabenquellen waren von Anfang an als Wohlfühltempel konzipiert. Dank verschiedener Themenwelten rund ums Saunieren, internationalen Massageangeboten und einer umfangreichen Gastronomie sollte kein Wunsch offen bleiben. Damit waren die Macher ihrer Zeit fast ein Stück voraus. Andernorts habe sich erst mit der Zeit das ehemals eher martialische Warm-Kalt-Baden als Grundfeste der Saunakultur hin zur Wellness entwickelt, sagt Pesch. „Heute gönnt man sich einen Tag Urlaub und verbindet das mit dem Besuch einer Saunaanlage, auch in Kombination mit Übernachtungen in Wellness-Hotels, die immer weiter in ihre eigenen Saunaeinrichtungen investieren.“ Seit jeher gleich geblieben sei das Nacktbaden im Saunabereich.
Heute ist Nudismus für viele junge Menschen ein No-Go
Dem Geschäftsführer ist aber auch bewusst: „Das mag nicht jeder. Unsere Bevölkerung hat sich in den letzten 25 Jahren sehr multikulturell entwickelt.“ Damit einher gehe ein neuer Trend, der das textilfreie Baden als ungewöhnlich und für viele, insbesondere viele jüngere Menschen, zu einem persönlichen No-Go gemacht habe. „Die Mode zeigt zwar zunehmend mehr Haut, aber nackt gegenüber fremden Menschen zu sein, kann sich ein größerer Teil der Bevölkerung nicht mehr vorstellen“ sagt Pesch.
Das zeigen auch die Besucherzahlen der Schwabenquellen. In den ersten zehn Jahren nach der Eröffnung seien diese mit 230 000 Besuchern pro Jahr ständig an der Obergrenze ihrer Kapazität gewesen. Die Konkurrenz wuchs, weitere Wellness- und Saunalandschaften wurden eröffnet, häufig angedockt an öffentliche Bäder, da seien die Zahlen leicht gesunken. „Man war nicht mehr der alleinige Platzhirsch“, stellt Pesch fest. Der Geschäftsführer ergänzt: „Bis heute verzeichnen wir jedoch ungebrochen jedes Jahr stabile Zahlen mit bis zu 200 000 Besuchern. Sauna und Wellness in den Schwabenquellen sind auch nach 25 Jahren noch Kult.“
Was tun die Schwabenquellen für die Sicherheit der Besucher?
Auf die Frage, ob manche Menschen nur kommen, um andere nackt zu sehen, antwortet der Geschäftsführer: „Wir haben nicht mehr oder weniger Probleme mit Voyeurismus als jedes andere öffentliche Bad, wenn man überhaupt von Problemen sprechen kann.“ Die Beschwerden seien im Promillebereich anzusiedeln. „Jeder Voyeur, der von anderen Badegästen erkenntlich gemacht wird, wird umgehend der Anlage verwiesen und bekommt je nach Verhalten auch ein unbefristetes Hausverbot ausgesprochen.“ Den Badegästen sei bewusst, wie effizient die Mitarbeiter mit Hinweisen auf Voyeurismus und Spanner umgehen und würden Vorfälle offen und umgehend melden. Ebenso würden regelmäßige Rundgänge in den meisten Fällen ungebührliches Verhalten verhindern und für Ordnung und die Sicherheit der Gäste sorgen.