Das Bild der Empörung. Foto: dpa

Innenminister Seehofer hat sich ausschließlich männliche Staatssekretäre ausgesucht und sorgt damit für Empörung. Wie sieht es beim Rest der Bundesregierung aus? Und was macht das Landeskabinett?

Stuttgart - Horst Seehofer hat sich seinen Start als Innenminister wohl etwas entspannter vorgestellt. Erst erntete er Lacher für den Versprecher „Heimatmuseum“, statt Heimatministerium. Und am Mittwoch hagelte es massive Kritik wegen eines Fotos, das Seehofer und die durchweg männliche Führungsriege seines Ministeriums zeigt.

Seehofer (CSU) hatte am vergangenen Freitag mit einer Pressemitteilung die Führung seines Ministeriums vorgestellt. Garniert wurde die Mitteilung mit einem Foto seiner „Führungsmannschaft“, so der Titel der Mitteilung. Darauf zu sehen: ein strahlender Chef, links von ihm vier Männer, rechts von ihm weitere vier Männer. Eine Frau ist auf den leitenden Positionen seines Ressorts nicht vorgesehen – was Empörung auslöste. Horst Seehofer muss also den nächsten Shitstorm verkraften.

Kaum besser in den restlichen Ministerien

Grünen-Politikerin Hannah Neumann empörte sich als eine der Ersten darüber, dass keine Frau im Team des Innenministers vorkommt. Sie teilte die Mitteilung auf Twitter und kommentierte mit Verweis auf das angeschlossene Heimatministerium: „Nicht meine Heimat!“ Ihr Beitrag wurde binnen weniger Stunden mehr als 3000 Mal favorisiert und mehr als 1000 Mal geteilt. Hunderte Nutzer kommentierten das Foto. Der Tenor fast ausschließlich: Das geht überhaupt nicht.

Dabei ist es nicht nur das Innenministerium, das sich mit Frauen in Führungspositionen schwertut. Im CDU-geführten Wirtschaftsministerium von Peter Altmaier gibt es sechs Staatssekretäre. Keiner von ihnen ist weiblich. Genauso sieht es im Verkehrsministerium von Andreas Scheuer (CSU) aus. Die vier Staatssekretäre sind männlich. Zwei der 14 Ministerien schaffen das scheinbar Unmögliche, sie haben einen höheren Frauen- als Männeranteil: Arbeit und Soziales und das Familienministerium.

Männer sind in der Bundesregierung klar in der Überzahl. Unter den Staatsministern und Staatssekretären befinden sich 45 Männer und lediglich 18 Frauen. CDU und SPD hatten sich bei der Besetzung der Ministerposten um eine ausgeglichene Verteilung bemüht. Im vierten Kabinett von Angela Merkel sitzen inklusive der Bundeskanzlerin neun Männer und sieben Frauen. Die CSU hatte drei männliche Minister und keine Frau berufen.

Bild da, Bild weg, Bild da

Auf Landesebene ist die Gesamtbilanz ausgeglichener. In Baden-Württemberg gibt es neben dem Ministerpräsidenten sechs Minister und zwei Staatssekretäre sowie vier Ministerinnen und fünf Staatssekretä­rinnen.

Nach ersten Aufwallungen der Netzgemeinde wurde das Bild mit Seehofer und seinen Männern auf der Website des Innenministeriums binnen nicht mal einer Stunde ausgetauscht. Das feuerte die Debatte weiter an. Es sei nicht etwa wegen der Debatte von der Website genommen worden, hieß es zur Begründung. Die zuständige Fachabteilung hätte angemerkt, dass für zwei der Staatssekretäre der notwendige Kabinettsbeschluss noch fehle. Genau dieses Bild werde wieder veröffentlicht, wenn alle Verfahren zur Berufung abgeschlossen seien. Außerdem habe man das Logo im Bild bearbeiten müssen. Im Übrigen habe sich Innenminister Seehofer für die Personen als Staatssekretäre entschieden, die aus seiner Sicht die richtige Wahl zur Bewältigung der anstehenden Herausforderungen seien. Mittlerweile ist das Bild wieder auf der Website zu sehen.

Die Lage in Baden-Württemberg

Bei den Ministerämtern sind die Männer in der Mehrzahl, bei den Staatssekretären die Frauen. Die Auflistung gibt an, wie die Spitzen der Ministerien besetzt sind:

Finanzen 2 Frauen

Kultus 1 Frau, 1 Mann

Verkehr 1 Mann

Umwelt 2 Männer

Soziales 1 Mann, 1 Frau

Ländlicher Raum 1 Mann, 1 Frau

Wissenschaft und Kunst 2 Frauen

Inneres 1 Mann, aktuell ohne Staatssekretär

Wirtschaft 2 Frauen

Justiz 1 Mann

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