Die Übungen auf der Standortschießanlage Im Bernet bringen manch einen Vaihinger um den Schlaf. Foto: dpa/Patrick Seeger

Anwohner im Westen von Stuttgart-Vaihingen klagen über sehr laute Schießgeräusche. Verantwortlich dafür ist die Bundeswehr, und die argumentiert mit der Einsatzbereitschaft der Streitkräfte und bittet um Verständnis.

Vaihingen - Die Beschwerden über die Schießgeräusche aus dem Wald zwischen der Autobahn und Vaihingen-West reißen nicht ab. Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass dafür nicht etwa die Amerikaner in den Patch Barracks verantwortlich sind. Der unangenehme Lärm kommt von der Bundeswehr-Schießanlage Im Bernet. Via Facebook schreibt eine Leserin: „Seit etwa 15 Uhr ist das Geknalle wieder ziemlich heftig. Ich wohne ja schon einige Zeit in Büsnau, aber so heftiges Geknalle habe ich vorher nie gehört.“ Es seien schnelle Schusssalven, schreibt die Frau und untermalt ihre Aussagen noch mit einem Mitschnitt, den sie bei einem Waldspaziergang aufgenommen hat.

Auch eine Anwohnerin aus den Lauchäckern hat sich gemeldet. Sie schreibt: „Bezüglich des Schusslärms stehe ich bereits seit einiger Zeit in Kontakt mit den Zuständigen bei der Bundeswehr in Calw.“ Eines Nachts sei sie einmal deutlich nach 22 Uhr zu der Schießanlage Im Bernet gefahren und habe geklingelt. Eine Art Hausmeister habe ihr geöffnet und auf ihre Beschwerde hin erklärt, dass man bis 24 Uhr schießen dürfe und dass die Anlage aktuell eben wieder vermehrt genutzt werde, insbesondere für Nachttrainings. Dann habe der Mann ihr noch einen Zettel in die Hand gedrückt mit einer Adresse von der Bundeswehr in Calw. Dort könne sie weitere Informationen bekommen. Zufriedenstellend fand sie dies aber nicht.

Zu welchen Zeiten darf geschossen werden?

Geschossen wird auf der Standortschießanlage Im Bernet schon sehr lang. Es gibt sie bereits seit 1938. „Die Standortschießanlage dient überwiegend der Schießausbildung der Bundeswehr. Zusätzlich üben dort Polizei, Zoll und Reservistenvereine“, erklärt ein Sprecher des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr auf Nachfrage unserer Zeitung. Zuständig für die Verwaltung sei der Standortälteste Calw, Betreiber der Schließanlage sei das Bundeswehrdienstleistungszentrum Bruchsal.

Es gibt Regeln, an welchen Wochentagen und zu welchen Uhrzeiten auf der Anlage geschossen werden darf: nämlich „gemäß den Benutzungsbestimmungen“ montags bis freitags von 7 bis 17 Uhr und von 18 bis 24 Uhr. Immerhin, von 17 bis 18 Uhr und von 0 bis 7 Uhr ist demnach Pause. Samstags ist das Schießen von 7.30 bis 17 Uhr erlaubt, allerdings immer nur am zweiten und vierten Samstag eines Monats. „Diese Zeiten sind schon seit Jahren gültig und werden bedarfsabhängig genutzt“, erklärt der Bundeswehrsprecher und ergänzt: „Die volle Ausnutzung der abendlichen Schießzeiten wird sorgsam abgewogen und dient grundsätzlich der Einsatzbereitschaft der Streitkräfte.“ Die Ausbildung sei für die Sicherheit deutscher Soldaten wichtig. Nach Möglichkeit würden Ausbildungsabschnitte auf andere, nicht regionale Schießeinrichtungen umverteilt, sagt der Sprecher und fügt hinzu: „Die Bundeswehr ist den Bürgerinnen und Bürgern für ihr Verständnis dankbar.“

Anwohner fordern Lärmschutz

Dieses Verständnis ist aber zumindest angesichts der vermehrten Schießübungen nicht mehr so groß. Die Frau aus Büsnau schreibt: „Sollten es tatsächlich die Leute vom Spezialeinsatzkommando in Calw sein, sollen die doch bitte wieder woanders üben.“ Und die Anwohnerin aus dem Lauchhau fordert „zumindest einen Lärmschutz“.

Die Bezirksbeiräte Teresa Schernikau (Freie Wähler) und Ulrich Bayer (CDU) greifen das Thema nun in einem Antrag auf. Sie fordern die Stuttgarter Stadtverwaltung auf, über den verstärkt auftretenden Schießlärm zu berichten. Dazu sollen auch Informationen von der Stadtverwaltung Sindelfingen, dem Landratsamt Böblingen und dem Bundeswehrstandort in Calw zu den vorliegenden Genehmigungen und rechtlichen Grundlagen eingeholt werden. Der Bezirksbeirat fordere Lösungen, damit der Stadtbezirk nicht verstärkt unter Schießlärm leiden müsse.

In der Antragsbegründung heißt es: „Es ist nicht nachvollziehbar, wie in unmittelbarer Nähe zur Wohnbebauung eine Standortschießanlage derartig lang anhaltend und intensiv benutzt wird. In einer Lautstärke, welche sich selbst vom Autobahnkreuz Stuttgart deutlichst abhebt.“ Vaihingen sei nicht Bestandteil eines Truppenübungsplatzes. Daher sei der Schießlärm auf das absolut Notwendige zu beschränken, Ruhezeiten seien einzuhalten, und die Bürger seien über vermehrte Schießübungen zu informieren, schreiben die Lokalpolitiker.

Die Bundeswehr nennt eine offizielle Kontaktadresse: Wer sich von den Schießgeräuschen gestört fühlt, wendet sich an das Unterstützungspersonal des Standortältesten Calw unter Telefon 0 70 51/7 91 20 99.

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