Reserviert? Unter der MHP-Arena wird Parken digital. Foto: SWLB

Für Besucher der Ludwigsburger MHP-Arena soll Parken ein digitales (Bezahl-)Erlebnis werden. Das Modell könnte nach einer Testphase ausgeweitet werden.

Ludwigsburg - Weniger Stau, weniger Stress, weniger Zeit für die nervige Parkplatzsuche – und eine „Verbesserung der Gesamtsituation rund um Großveranstaltungen“. Was sich die Verantwortlichen vom Projekt „Testfeld Parken 4.0@LB“ versprechen, hört sich verlockend an. Ob das neue System, das zunächst von einer kleinen Gruppe im Parkhaus der MHP-Arena getestet wird, das alles wirklich hält, wird sich in einem Jahr zeigen. So lange läuft der Versuch. Der Kreis an Personen, der Zugriff hat, soll sukzessive erweitert werden. Anschließend könnte das System auch in anderen Parkhäusern installiert werden.

Trotz Kameratechnik: Der Datenschutz ist keine Hürde

Die Idee ist simpel: Im Internet können Besucher der MHP-Arena einen von zunächst 15 Stellplätzen in der Tiefgarage reservieren. Mit einem QR-Code, den der Autofahrer auf sein Handy geschickt bekommt, lässt sich die Schranke zum Parkhaus öffnen. Den Weg zum gebuchten Platz weisen leuchtende Pfeile. Dort angekommen, zeigt eine digitale Anzeigetafel das Kennzeichen des Pkw an, eine Kamera gleicht es ab. Fährt ein Auto ohne Reservierung auf den Parkplatz ertönen akustische und optische Signale. Trotz Kameratechnik, um den Datenschutz müsse sich niemand sorgen, verspricht Projektleiter Fabian Kehle. Die Kamera, die das Nummernschild erfasst, wird erst von einem Ultraschallsensor aktiviert, wenn sich ein Auto nähert. Mit einem QR-Code eine Parkhausschranke zu öffnen, sei nicht die „innovativste Idee“, so Kehle, „das findet man auch anderswo“.

Ihm und seinem Team sei es vielmehr darum gegangen, dass das Parken „nahtlos“ vonstatten gehe und auch ein bisschen Spaß mache. Schranke auf – Wegweiser folgen – Parkplatz finden, alles möglichst zügig. Nach einem Bezahlautomaten müssen Besucher deshalb auch nicht mehr suchen, die Parkgebühren werden online abgerechnet. Aber: das ganze hat seinen Preis. Auf die üblichen Tarife werden vier Euro für die Reservierung draufgeschlagen. An Veranstaltungstagen kostet das Parken, inklusive reserviertem Stellplatz zehn Euro.

Das Projekt kostet 124 000 Euro

Das Projekt solle zeigen, wie die Möglichkeiten der Digitalisierung sinnvoll eingesetzt und dabei der Umwelt helfen können, sagte Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec. Für Christian Schneider, Geschäftsführer der Stadtwerke Ludwigsburg, die in der Stadt insgesamt acht Parkhäuser betreibt, ist das 124 000-Euro teure Projekt, das zur Hälfte mit Fördergeldern finanziert wird, „gelebte Digitalisierung“. Das System soll mit „vielen anderen Mehrwerten“ verknüpft werden.

Dass Neuerungen beim Thema Parken oft gar nicht so einfach umzusetzen sind, diese Erfahrung hat man in Ludwigsburg schon gemacht. Die Firma Bosch testete auf der Grönerstraße Sensoren, mit Hilfe derer Autofahrer per App zielsicher in eine freie Parklücke gelotst werden sollten. Nach etwas mehr als einem Jahr wurde das Projekt abgebrochen. Der Aufwand war zu hoch. Das gelte nicht für das neue System, in der Garage der MHP-Arena, so Kehle. Gerade einmal 60 Euro koste es, eine Schranke mit der Kamera, die die QR-Codes liest, auszustatten. Und Ideen, wie das System genutzt werden könnte, hat Kehle auch im Kopf. Zum Beispiel sollen Dauerparker bald einen QR-Code statt ein Papierticket erhalten. OB Spec schwebt vor, dass das System auch auf Parkplätzen von Unternehmen in Ludwigsburg zum Einsatz kommt. Immer dann, wenn die Mitarbeiter die Stellplätze nicht benötigen, könnten sie dann der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: