Werner Spec möchte nach 16 Jahren im Rathaus am 30. Juni erneut wiedergewählt werden. Foto: factum/Simon Granville

Seit 16 Jahren ist Werner Spec OB von Ludwigsburg. Ein Großteil des Gemeinderates will einen Wechsel. Doch der 61-Jährige sieht sich als Macher mit vielen Ideen, der für die Stadt noch gebraucht wird.

Ludwigsburg - Natürlich hat sich Werner Spec für die Präsentation seines Zwölf-Punkte-Programms den Urban Harbor in der Weststadt ausgesucht. Das Werkzentrum von Max Maier sieht er als Beispiel für Innovation, für ein gutes Netzwerk, für „Leadership“: Dieses Wort benutzt der 61-Jährige häufig. So will er sich den Bürgern am 30. Juni anbieten: Als Macher, der Ideen umsetzt, der bundesweit vernetzt ist und Ludwigsburg zur ökologischen Vorzeigestadt macht.

Um dies zu unterstreichen, verknüpft Spec seinen Wahlkampfauftakt mit einem kleinen Coup: Ab dem Wintersemester 2020 sollen bis zu 400 junge Menschen in Ludwigsburg Wirtschaftsinformatik studieren können – an einer Außenstelle der Hochschule Reutlingen. Dies soll an einem noch unbekannten Standort in der Innenstadt geschehen. „Es ist mir gelungen, dafür viele Unternehmen für eine Stiftung zu gewinnen“, sagt der OB.

Spec: Mit vollem Herzen für Ludwigsburg

Spec ist ganz in seinem Element. 70 Minuten spricht er ohne Pause über „seine“ Stadt, die er großartig und einzigartig nennt. „Ich will mich mit vollem Herzen und meiner ganzen Kraft weiter für sie einsetzen“, erklärt er den Journalisten – und listet eine Erfolgsbilanz auf, die er auf zwölf eng bedruckten Seiten seines Wahlprogrammes auch schriftlich festgehalten hat: über 12 000 neue Arbeitsplätze; das Areal um die MHP-Arena und das Westportal neu gestaltet; das Marstall-Center reaktiviert; Bosch und Porsche angesiedelt. Gut 490 Millionen Euro seien investiert worden. Nicht zu vergessen seine Rolle dabei: „Es ist mir gelungen, 77 Millionen Euro Zuschüsse in dieser Zeit zu gewinnen.“

Noch wichtiger ist dem Stadtoberhaupt aber die Nachhaltigkeit, die er sich seit jeher auf die Fahne geschrieben hat. Seine Kampagne nennt er denn auch „Nachhaltig. Erfolgreich. Ludwigsburg.“ So soll es von Samstag an auf Plakaten zu lesen sein. „Wir haben uns schon vor Fukushima mit Klimaschutz beschäftigt“, sagt Spec – und verknüpft den Umweltschutz mit seinem Lieblingsthema, der Digitalisierung.

Viele Ideen für die nächsten zwölf Jahre

So geht es Schlag auf Schlag, Idee um Idee wird vorgestellt: 2000 neue Wohnungen bis 2023, die Zentrale Stelle soll ein internationales Zentrum für Pädagogik, die B 27 untertunnelt und die Gartenschau gewonnen werden. Dazu neue Radwege, günstige Wohnungen – und neue Sporthallen in Poppenweiler und Oßweil.

Der Zuhörer hat das Gefühl, Werner Spec könnte auch fünf Stunden oder fünf Tage über Ludwigsburg reden, er geht ganz auf in der Kommunalpolitik. Aber wie erklärt sich der OB, dass sich mit Ausnahme der Freien Wähler alle Parteien im Gemeinderat für einen Wechsel ausgesprochen haben und den Herausforderer Matthias Knecht unterstützen? Und dass ihm nach 16 Jahren im Amt fehlende Kritikfähigkeit nachgesagt wird?

Werner Spec hält inne in seinem Monolog über die großartige Stadt. Und findet viele Gründe, warum seine Kritiker Unrecht haben. „Es ging vor allem um taktische Überlegungen“, sagt er dann über die breite Front gegen ihn. Die CDU sei enttäuscht, weil er für die Freien Wähler für den Kreistag kandidiert habe. Die SPD-Fraktionschefin Margit Liepins habe Matthias Knecht zur OB-Kandidatur erst überredet: „Eigentlich hat er sich für die Stelle des Ersten Bürgermeisters interessiert.“ Und die Grünen hätten ihren Kandidaten nicht durchsetzen können. Und überhaupt – die Führer der Ludwigsburger Parteien versuchen in seiner Wahrnehmung lediglich, den „Eindruck einer Wechselstimmung“ zu erwecken. Spec ist sich sicher, dass er nach seiner Wiederwahl für seine Ideen weiterhin Mehrheiten findet.

Spec hält die Kritik an ihm für taktische Spielchen

Über seinen Gegner, den Rechtsprofessor Matthias Knecht, spricht er sonst nur indirekt. „Es reicht nicht, nur zu moderieren, ein OB muss auch Impulse setzen“, betont Spec etwa. Oder er verweist auf sein bundesweites Netzwerk, mit dem er für Ludwigsburg so viel Gutes erreichen könne. Er nennt ein Beispiel, das viel über die Art aussagt, wie Werner Spec Politik macht. Er sagt folgenden Satz: „Ich bin erst vor kurzem als Vorsitzender der Arbeitsgruppe Energie im Deutschen Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung in Berlin als Nachfolger des früheren Bundesumweltministers Klaus Töpfer bei einer Fachtagung gewesen.“

Da müssen selbst kommunalpolitisch versierte Beobachter noch einmal genau nachfragen. Wo genau? Wobei? Es wird deutlich: Solche für den Normalbürger unsichtbaren Netzwerke sind die Welt von Werner Spec. Deswegen wird er zum Klimagipfel im Kanzleramt eingeladen und zieht Projekte und Geld an Land. Diese Bühne bespielt Werner Spec gerne.

Vergisst man dabei nicht die Alltagssorgen der Bürger? Spec verweist auf eine lange Liste von Projekten bis in den letzten Stadtteil hinein. „Ich bin selbst in einem Stadtteil aufgewachsen, das ist sozusagen mein genetischer Code“, sagt er.

Spec: Es ist nicht mein Stil, von der Baustelle zu gehen

Nun also will er kämpfen, den Kontakt zum Bürger suchen, ohne seine Arbeit zu vernachlässigen. Spec will Veranstaltungen abhalten, immer ansprechbar sein, eine Online-Plattform einrichten. Seine Botschaft: Mit Werner Spec ist noch zu rechnen. Oder wie er es ausdrückt: „Es ist nicht mein Stil, in einer entscheidenden Phase von der Baustelle zu gehen.“

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