Der über 100 Jahre alte denkmalgeschützte Littmann-Bau gilt unter Experten als eines der schönsten Opernhäuser Europas. Foto: dpa

Die Stadt will nochmals Alternativen zur Opernsanierung prüfen. Der Verein Aufbruch legt unterdessen erneut den Vorschlag einer Kombination aus Konzerthaus und Interimsoper vor.

Stuttgart - Die Initiative Aufbruch Stuttgart um den TV-Moderator Wieland Backes hat in der strittigen Debatte um Neubau oder Sanierung der Stuttgarter Oper erneut einen Hybridbau aus Konzerthaus und Operninterimsspielstätte vorgeschlagen. OB Fritz Kuhn hat derweil dem Gemeinderat zugesagt, bis Mai ein Verfahren zur Prüfung der von diversen Fraktionen geforderten Alternativplanungen vorzuschlagen. Das Ergebnis soll dann Ende 2019 vorliegen.

Wie berichtet, hatten zunächst SPD, Freie Wähler, FDP und der Einzelstadtrat Ralph Schertlen gefordert, die vom Aufbruch ins Gespräch gebrachten Grundstücke für einen Opernneubau nochmals auf ihre Eignung und hinsichtlich der zeitlichen und finanziellen Perspektive zu untersuchen. Dabei handelt es sich unter anderem um das Areal Königin-Katharina-Stift, den Akademiegarten am Charlottenplatz und das der LBBW gehörende Grundstück Königstraße 1 bis 3, das neu bebaut werden soll.

Wenig später entschied sich dann auch die CDU-Fraktion – bis dato gemeinsam mit den Grünen Befürworter einer Sanierung des historischen Littmann-Baus – die Prüfung möglicher weiterer Varianten für den Opernbetrieb zu verlangen. Die Rathausspitze solle für den Fall ausufernder Sanierungskosten einen Plan B entwickeln, so CDU-Fraktionschef Alexander Kotz.

SPD verlangt eine „zweite Entscheidungsoption“ als Alternative zur Sanierung

In der Sitzung des Technikausschusses am Dienstag relativierte Kotz die CDU-Forderungen: „Unser Ziel ist es, dass der sanierte Littmann-Bau Spielstätte für Oper und Ballett bleibt.“ Man wolle aber angesichts der finanziellen Dimension des Projekts (es kursieren Kostenannahmen zwischen 600 Millionen Euro und einer Milliarde) von der Verwaltung mit Argumenten gegenüber für die Sanierung versorgt werden.

Anders die SPD: Ihr Fraktionsvorsitzender Martin Körner monierte, der laufende Wettbewerb zur Kulturmeile sei nicht mit den Plänen für eine kulturelle Einrichtung an der Königstraße verzahnt. Wie der Aufbruch argumentiert auch die SPD, die Sanierung der Oper biete keinen „städtebaulichen Mehrwert“ und verlangt eine zweite „Entscheidungsoption“, falls die Sanierungskosten explodieren sollten. Allerdings hatten sowohl die SPD- als auch die CDU-Stadträte im Verwaltungsausschuss der Württembergischen Staatstheater mehrfach für die Fortschreibung der Sanierungspläne votiert. Bis zum Jahresende soll dafür laut OB Fritz Kuhn (Grüne) eine „belastbare Kostenschätzung“ vorliegen. Der OB erinnerte denn auch an die „sehr einheitliche“ Position in jenem Gremium, in dem Vertreter der Staatstheater sowie der Staatstheater-Träger Stadt und Land sitzen. Kuhn betonte, man brauche nun auch angesichts der miserablen Arbeitsbedingungen für die rund 1300 Beschäftigten der Staatstheater „Verlässlichkeit“ in der Debatte: „Sonst gefährden Sie Oper und Ballett.“ Der Betrieb lasse sich so nicht mehr lange aufrecht erhalten.

Initiative Aufbruch schlägt erneut Kombination aus Konzerthaus und Operninterim vor

Während Andreas Winter (Grüne) die CDU-Position der CDU so interpretierte, sie wolle die Sanierung nicht generell in Frage stellen, sondern mit ihrem Fragenkatalog lediglich Neubaualternativen ausschließen können, kritisierte Hannes Rockenbauch (SÖS/Linke-plus) das Fehlen eines ganzheitlichen Konzepts für das Kulturquartier. Man müsse aufpassen, dass die Kosten für die Sanierung nicht „unanständig“ hoch ausfielen, so Rockenbauch, der im Verwaltungsrat als Einziger gegen die Sanierungspläne gestimmt hatte.

Unterdessen hat der Aufbruch nachgelegt und sich für die Prüfung einer Kombination aus Operninterim und Konzerthaus stark gemacht. Solche Hybridbauten würden schon heute immer mehr den Platz ehrwürdiger Kulturtempel einnehmen, erklärte die Initiative. Technisch sei dies allemal zu realisieren, auch wenn sich „puristische Opern- und Konzertanhänger“ möglicherweise daran störten. Backes und seine Mitstreiter werfen auch die Frage auf, wie viele Opernbesucher es in zehn oder 20 Jahren überhaupt noch gebe. Ein Gutachten der Stadt im Zuge der Suche nach einer Interimsspielstätte während Sanierungszeit der Oper war dagegen zur einer gänzlich anderen Schlussfolgerung gekommen: „ Der hybride Ansatz eines Operninterim mit Nachnutzung Philharmonie erscheint nicht zielführend.“ Der Bau einer reinen Konzerthalle ohne akustische Kompromisse wäre allemal besser.

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