Die Stuttgarter Oper muss vorübergehend umziehen. Aber wohin? Foto: dpa

Während die Opern-Task-Force im Rathaus noch immer nach dem idealen Areal für den Bau eines Provisoriums für Oper und Ballett sucht, bringen die Freien Wähler ein Gelände am Pragsattel ins Spiel. Unterdessen wächst die Skepsis gegenüber einer Mehrzweck-Spielstätte.

Stuttgart - Während derzeit im Rathaus die abschließenden Standortprüfungen für potenzielle Operninterimsflächen laufen, lancieren die Freien Wähler einen neuen Vorschlag: Sie sehen die Möglichkeit zum Bau eines Mehrzweckkonzerthauses auf dem Pragsattel in unmittelbarer Nähe des dortigen Hochbunkers. Die Grünfläche zwischen der Heilbronner Straße, Stresemannstraße und der Straße Im Götzen neben der U-Bahn-Haltestelle sei ein herausgehobener, weithin sichtbarer Standort mit fantastischem Rundumblick, der zudem bestens an den öffentlichen Nahverkehr angebunden sei. Zudem gebe es mit dem Theaterhaus und dem Varieté in der Nachbarschaft bereits entsprechende Kultureinrichtungen – ein Konzerthaus könnte dieses „Kulturensemble“ hervorragend ergänzen.

Der Vorschlag stammt von Gerhard Veyl, Bezirksbeirat der Freien Wähler in Bad Cannstatt, ist aber mit der Ratsfraktion abgestimmt. Der Standort war nach Informationen unserer Zeitung bisher noch nicht Gegenstand der Prüfungen.

Unterdessen verdichten sich die Hinweise darauf, dass die sogenannte Hybridvariante – also der Bau einer Spielstätte, die zunächst als Operninterim genutzt und später zur Philharmonie umgebaut wird – kaum Aussicht auf Realisierung hat. Dagegen sprechen sowohl zeitliche als auch finanzielle Gründe, nicht zuletzt aber auch die Tatsache, dass Fachleute bei einem solchen Mehrzweckbau Defizite sowohl für Opernaufführungen als auch für rein konzertante Darbietungen konstatieren. Eine Initiative rund um den Orchesterdirektor des SWR-Symphonieorchesters, Felix Fischer, in der sich die städtischen Musikeinrichtungen, Konzertveranstalter und Orchester zusammengeschlossen haben, wirbt zurzeit bei den Rathausfraktionen für den Bau einer reinen Konzerthalle. Einer Mehrzweckhalle stehen die Mitglieder eher kritisch gegenüber – zumal dieses Vorhaben weltweit einmalig wäre.

Skepis bei Fachleuten gegenüber einem Zwitterbau für Oper und Konzerte wächst

Eine Task Force unter Leitung von OB Fritz Kuhn (Grüne) will demnächst Vorschläge für die Unterbringung der Oper während der auf mindestens fünf Jahre geschätzten Sanierungsdauer des Großen Hauses vorlegen. Diskutiert werden in der Bürgermeisterrunde sowohl der Bau einer reinen Spielstätte auf städtischen oder landeseigenen Grundstücken als auch Provisorien, die Werkstätten und Kulissenlager umfassen. In der engeren Wahl sind dem Vernehmen nach unter anderem ein Areal bei der Liederhalle, ein Grundstück an der Hegel­straße gegenüber dem Linden-Museum sowie der Hof der früheren Rotebühlkaserne, in der das Finanzamt beheimatet ist. Aber auch die Nutzung einer Messehalle auf den Fildern könnte eine Option sein. Im Interview mit unserer Zeitung hatte Messe-Chef Ulrich Kromer allerdings kürzlich aus seiner Skepsis gegenüber einer solchen Variante kein Hehl gemacht.

Viel Zeit bleibt Kuhn nicht mehr, seine Vorschläge auf den Tisch zu legen. Für den 5. November ist die nächste Sitzung des Verwaltungsrats der Staatstheater anberaumt. Vorher schon sollen die Standortvorschläge in den politischen Gremien von Stadt und Land diskutiert werden.

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