Bei der Feier zum 90-jährigen Bestehen hat die Nabu-Gruppe für Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt kritisch auf den Zustand von Natur und Umwelt auf den Fildern geblickt – und auch auf die Streuobstwiesen, die es zu erhalten gilt. Foto: Archiv Thomas Krämer

Die Nabu-Gruppe Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt hat mit einem Festakt ihr 90-jähriges Bestehen begangen. Doch statt Feierlaune herrschte Alarmstimmung. Die Situation auf den Fildern liegt im Argen.

Echterdingen - Die Gruppe Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt des Nabu hat am Sonntag in der Zehntscheuer in Echterdingen ihr 90-jähriges Bestehen gefeiert. Statt Schampus gab es jedoch eine kritische Bestandsaufnahme über den Zustand von Natur und Umwelt auf den Fildern sowie einen Rückblick in die Geschichte der Gruppe. Der Bund für Vogelschutz – Vorläufer des Nabu – war 1899 in Stuttgart von Lina Hähnle gegründet worden. „Bereits um 1910 hatte der Verein in Echterdingen zehn Mitglieder“, so der Gruppenvorsitzende Rolf Gastel, weshalb 1927 die hiesige Ortsgruppe gegründet worden sei. 1976 nahmen die Echterdinger die anderen Stadtteile der Kommune auf, 2014 auch die Mitglieder aus Filderstadt. „Aktuell hat die Gruppe 670 Mitglieder, davon 240 aus Filderstadt“, so Gastel.

Und viele von ihnen sind seit Jahren sehr aktiv, wie der Vorsitzende deutlich machte. Er erinnerte an den Kampf gegen die Überbauung des Riedrains in Musberg in den 1980ern, die Ideen zum Naturschutz im Wald, die der Gruppe 1991 sogar den Umweltpreis des Landes einbrachten, die Auseinandersetzungen um Flughafenerweiterung, Messebau sowie die Nord-Süd-Straße, die Gastel bis heute ablehnt. Doch es wurde nicht nur gegen Projekte gekämpft, sondern auch für etwas – die Natur. Zum Beispiel für das Landschaftsschutzgebiet Glemswald und das Naturschutzgebiet Eichberg. „Der Nabu war auch Initiator des Natur- und Waldschutzgebiets Siebenmühlental“, so Gastel.

Der Erhalt der Natur konkurriert mit dem Bau neuer Wohnungen

Gleichwohl beklagte der Vorsitzende der Nabu-Gruppe den hohen Flächenverbrauch und bezeichnete den Naturschutz im Ballungsraum als „hartes Brot“. Festmachen lässt sich das zum Beispiel am Erhalt der Streuobstwiesen. Die hatten früher eine „erhebliche Bedeutung als Ernährungsgrundlage für die Bevölkerung, Baumpflanzungen seien sogar per Dekret angeordnet worden“, sagte der Filderstädter Bürgermeister Reinhard Molt. Heute geht es in die andere Richtung, nach Gastels Worten sind rund drei Viertel dieses wertvollen Lebensraums bereits zerstört. „Streuobstwiesen seien daher seit 1987 ein kommunales Thema, betonte Molt. So gebe es in der Kommune ein Netzwerk Streuobstwiesen, außerdem Streuobstwiesenguides, die mit Rat und Tat den Stücklesbesitzern zur Seite stünden. Und mit einer Moste würde die Verwertung des Obstes vereinfacht. „Damit werden in jedem Jahr 40 bis 60 Tonnen Apfelsaft gepresst“, ergänzte der Filderstädter Bürgermeister.

Eva Noller zählte in ihrem Vortrag die Bemühungen der Stadt um die Natur auf und nannte in diesem Zusammenhang den Schafstall, mit dem die Flächen am Eichberg ökologisch und kostengünstig bewirtschaftet werden. Gleichzeitig wies die Baubürgermeisterin von Leinfelden-Echterdingen auf die Lage im Ballungsraum hin. „In meiner Brust schlagen zwei Herzen“, so Noller. Ihr liege viel am Erhalt von Natur und Umwelt. „Gleichzeitig stehe ich dazu, dass wir im Ort Wohngebiete ausweisen müssen.“

Das Rebhuhn ist vom Aussterben bedroht

Ein zweiter Schwerpunkt der Naturschützer ist die Feldflur. „Das Rebhuhn ist mittlerweile vom Aussterben bedroht“, sagte Eberhard Mayer. Seit 1980 sei der Bestand auf den Fildern um 90 Prozent zurückgegangen, beklagt das Filderstädter Nabu-Mitglied. Grund dafür seien Flächenverluste und die intensive Landwirtschaft. Ähnlich sieht es in Leinfelden-Echterdingen aus, wie der Biologe Peter Endl herausgefunden hat. Gegengesteuert werden soll mit einem von Jagdverband, Stadt Filderstadt und dem Nabu finanzierten Programm, das den Vögeln mit Blühstreifen an den Rändern von Äckern neuen Lebensraum schaffen soll.

Auch die Situation bei den Amphibien bereitet den Naturschützer keine Freude. „Viele Arten sind kurz vor dem Aussterben“, sagt Nabu-Mitglied Martin Rahlenbeck. Grund dafür sei das Trockenfallen von Biotopen. „Durch gezielte Neuanlage von Tümpeln und das Freischneiden von Gewässern könnte den Tieren geholfen werden.“ Und seine Filderstädter Nabu-Kollegin hat in ihrer Kommune bei einer Zählung vier Amphibienarten gezählt, darunter auch die im ganzen Land von einem Rückgang betroffene Zauneidechse.

Dagmar Kleeb stellte in ihrem Vortrag ihre Zählungen von Schwalben und Mauersegler in Leinfelden-Echterdingen in den Mittelpunkt. Sie hat große Unterschiede in den einzelnen Ortsteilen festgestellt. Von ihr kam deutliche Kritik an der Arbeit der Unteren Naturschutzbehörde in Esslingen. „Von deren Seite gibt es keinerlei Bereitschaft, auf unsere Meldungen zu reagieren“, klagte Kleeb.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: