Bei vielen kommt an Karfreitag Fisch statt Fleisch auf den Tisch. Foto: Soloviova Liudmyla/Shutterstock

Karfreitag ist einer der wichtigsten Feiertage der Christen. Doch warum soll man an diesem Tag kein Fleisch essen? Und warum ist Fisch kein Fleisch? In unserem Artikel finden Sie die Antworten.

Am 2. April 2021 ist Karfreitag – der Freitag vor Ostern. Er ist einer der wichtigsten Feiertage der Christen und geht mit einigen Regeln und Bräuchen einher, die auch über die Kirche hinaus bekannt sind. Eine davon lautet: Kein Fleisch an Karfreitag. Woher kommt der Brauch?

Karfreitag als Fastentag – Die Bedeutung des Feiertags

An Karfreitag gedenken die Christen dem Leiden und Sterben von Jesus Christus am Kreuz. In der katholischen Kirche ist Karfreitag ein strikter Fastentag.

Was an solchen Fastentagen erlaubt ist und was nicht, ist in sogenannten Kirchengeboten oder Fastenordnungen festgelegt. Darin wird der Verzicht auf Fleischspeisen empfohlen, um daran zu erinnern, dass Jesus Christus an einem Freitag sein Leben für seine Jünger gegeben hat – so beschreibt es beispielsweise die Fastenordnung 2020 des Bistums Augsburg. Die Abstinenz signalisiert die Bereitschaft, Jesus Leiden nachzufühlen und gleichzeitig Buße zu tun.

Dass es an Karfreitag kein Fleisch gibt, ist für Katholiken besonders wichtig. Aber auch an allen anderen Freitagen soll eigentlich darauf verzichtet werden. Denn jeder Freitag ist ein Gedenktag an Karfreitag und damit ein kirchlicher Bußtag.

In der protestantischen Kirche sieht dies übrigens anders aus: Hier ist Karfreitag kein strikter Fastentag.

Auch an Hochfesten, wenn also beispielsweise Weihnachten auf einen Freitag fällt, gilt die Fastenordnung nicht. Vom Fasten ausgenommen sind ebenfalls Senioren, kranke Menschen, Gäste oder jene, die körperlich schwer arbeiten. Wenn möglich, sollen aber alle gläubigen Katholiken ab 14 Jahren an Freitagen und speziell an Karfreitag kein Fleisch essen.

Die Regeln zum Fleischverzicht wurden allerdings 1967 durch Papst Paul VI. etwas gelockert. Seither ist es den nationalen Bischofskonferenzen selbst überlassen, ob das Fleischfasten im jeweiligen Land beibehalten wird oder nicht. In den USA, Österreich oder den Niederlanden gibt es diese Regelung nicht mehr, in Deutschland darf jeder Katholik selbst entscheiden, ob er freitags Fleisch isst oder nicht. Wer nicht fastet, sollte eine andere Form der Buße tun.

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Traditionelles Essen zu Karfreitag

Traditionell wird an Karfreitag Fisch gegessen, dazu gibt es meist Kartoffeln oder Gemüse.

Fisch dient dabei einerseits als Fleischersatz, andererseits hat er für viele Christen noch eine weitere Bedeutung. Denn die eucharistischen Fische sind ein verbreitetes Bildmotiv der frühchristlichen Kunst. Erzählungen besagen, dass der Fisch früher als Erkennungszeichen der Christen diente. Das griechische Wort für Fisch „ichthýs“ enthält ein Glaubensbekenntnis:

  • I steht für Iēsoûs (Jesus)
  • CH steht für Christós (der Gesalbte)
  • TH steht für Theoû (Gottes)
  • Y steht für Hyiós (Sohn)
  • S steht für Sōtér (Erlöser)

Auch Bibelstellen, wie die wundersame Vermehrung von Brot und Fisch durch Jesus, um tausende Menschen speisen zu können, belegen die Bedeutung des Fisches für Christen.

Das evangelische EFO-Magazin erklärt außerdem , dass man am Karfreitag Fisch anstelle des sonst üblichen Fleischs isst, symbolisiert, wie anders und unerwartet sich Gott an diesem Tag zeigt.

Warum ist Fisch kein Fleisch?

Manchem mag es widersprüchlich vorkommen, dass an Karfreitag kein Fleisch gegessen werden soll, aber dennoch Fisch serviert wird.

Da Fische beispielsweise im Wasser leben, ihr Fleisch andere Strukturen und einen ganz anderen Geschmack hat, galten und gelten sie nicht im gleichen Sinne als Fleisch wie Rind, Schwein oder Huhn. Tatsächlich legten viele Klöster eigene Fischteiche an, um in der Fastenzeit gut versorgt zu sein und Erzählungen nach sollen sogar Enten und Biber kurzerhand zu Fischen erklärt worden sein, damit man in der Fastenzeit eben doch nicht auf alles verzichten musste.

Auch die schwäbischen Maultaschen entstanden Überlieferungen zufolge, weil die Fastenregeln etwas freier interpretiert wurden: Das Fleisch wurde einfach im Teig versteckt und was nicht sichtbar war, das existierte auch nicht. Nicht ohne Grund werden Maultaschen auch „Herrgottsbscheißerle“ genannt.

Beim religiös motivierten Fasten geht es aber eigentlich nicht darum, auf einzelne Lebensmittel zu verzichten, sondern Nahrungs- und Genussmittel im Allgemeinen zu reduzieren. Sinn des Fastens ist es also nicht, Fleisch wegzulassen und stattdessen große Portionen an Fischdelikatessen zu verspeisen. Wer sonst viel Fleisch isst, der soll sich an Karfreitag in Verzicht üben und kann zu Fisch greifen. Wer ohnehin kaum oder kein Fleisch isst und an Karfreitag fasten möchte, der kann sich einen anderen Weg suchen, um Nahrungs- und Genussmittel zu reduzieren.

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