Einzelne Banken verlangen schon Gebühren für Bargeld-Abhebungen, je nach Kontomodell. Foto: ZB

Schon heute verlieren viele Sparer Geld. Doch es könnte noch schlimmer kommen: Ein Diskussionspapier des Internationalen Währungsfonds (IWF) illustriert, wie Minuszinsen für Jedermann durchgesetzt werden könnten.

Frankfurt - Siebeneinhalb Milliarden Euro kosten die Negativzinsen der Europäischen Zentralbank die Banken der Währungsunion. Jahr für Jahr. Die meisten Bankkunden erhalten zwar noch Zinsen knapp über der Nullgrenze, aber abzüglich der Inflationsrate verlieren ihre Ersparnisse an Wert. Einigen Wissenschaftlern ist das nicht genug: Tiefe Negativzinsen würden durch die Existenz von Bargeld verhindert, heißt es bedauernd in einer vom Internationalen Währungsfonds (IWF) veröffentlichten Studie.

Das Problem aus Sicht der beiden Autorinnen, darunter eine Mitarbeiterin der Europäischen Zentralbank (EZB): Im Falle einer Wirtschaftskrise hätten die EZB und einige andere Notenbanken kaum Spielraum, die Zinsen weiter zu senken und damit die Konjunktur zu stützen. Denn Minuszinsen im tiefroten Bereich würden sowohl die Geschäftsbanken als auch deren Kunden dazu animieren, ihre Konten zu räumen und das Geld lieber bar zu horten.

Münzen und Scheine abzuschaffen, halten die beiden Forscherinnen aber für den falschen Weg. Neben ihrer Anonymität hätten Barzahlungen den Vorteil, dass sie auch bei einem Zusammenbruch elektronischer Zahlungssysteme funktionierten, geben sie zu bedenken. Ihr Vorschlag: Die Aufbewahrung von Bargeld müsse verteuert werden – so dass es bei Strafzinsen auf Bankkonten kein Entrinnen mehr gäbe.

Umtauschgebühr bei Bargeld-Abhebungen

Funktionieren könnte das laut IWF-Papier folgendermaßen: Die Notenbanken müssten eine Art Gebühr für den „Umtausch“ von Buchgeld in Münzen und Scheine einführen. Diese Gebühr hätten zunächst die Geschäftsbanken zu entrichten, wenn sie sich Geld von ihrem Reservekonto bei der Notenbank in bar auszahlen lassen. Die Kreditinstitute könnten diese Kosten dann an ihre Kunden weitergeben.

Zwar sehen die Autorinnen durchaus die Gefahr, dass ein derartiges Vorgehen „das Vertrauen in die Zentralbank untergraben“ und Krypto-Währungen wie Bitcoin stärken könnte. Doch weil sie fest an die heilsame Kraft einer lockeren Geldpolitik glauben, sehen sie darin kein echtes Problem: Tiefe Minuszinsen würden der Notenbank „neuen und unbegrenzten Handlungsspielraum“ im Kampf gegen eine Rezession geben.

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