Renditen wirft leider auch das Sparschwein nicht ab. Foto: dpa

Die Aktien-Abstinenz vieler Deutscher zwingt sie, zur Erreichung ihre Sparziele vergleichsweise viel Einkommen zurückzulegen. In anderen Ländern lassen Anleger dagegen ihr Geld für sich arbeiten.

Frankfurt - Die Deutschen sparen fleißig, aber wenig effizient. Die Forschungsabteilung der Allianz unterlegt diese oft gehörte Klage jetzt mit einer europäischen Vergleichsstudie: Im Zeitraum von 2003 bis 2017 warfen die Geldvermögen deutscher Sparer demnach durchschnittlich eine Rendite von 2,8 Prozent ab. Unter den elf betrachteten Ländern ist das der zweitschlechteste Wert, obwohl sie alle der Eurozone angehören und damit von der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) betroffen sind. Nur im krisengeschüttelten Griechenland erzielten die Sparer noch weniger Rendite (2,4 Prozent). Ein Händchen für die Geldanlage scheinen dagegen die Finnen zu haben, sie kamen auf Erträge von jährlich 5,9 Prozent.

Trotz niedriger Renditen stiegen die Geldvermögen der Deutschen im Untersuchungszeitraum insgesamt um rund 70 Prozent. Das liegt daran, dass sie einen vergleichsweise großen Anteil ihres Arbeitseinkommens auf die hohe Kante legten. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang der Vergleich mit Spanien, wo die Geldvermögen ebenfalls um 70 Prozent zulegten: Während sich die Deutschen den Vermögensaufbau zu einem Viertel von Arbeitseinkommen oder Renten absparten, ließen die Spanier ihre Geldanlagen für sich arbeiten. Sie erzielten aus Zinsen und Dividenden so hohe Einnahmen, dass sie einen Teil davon ausgeben und ihr Vermögen trotzdem um den gleichen Prozentsatz steigern konnten wie die Deutschen.

Die Spanier stecken mehr Geld in Aktien

„Das Geld kann für den Sparer arbeiten oder der Sparer für das Geld“, kommentierte der Autor der Studie, Arne Holzhausen. Hauptgrund für den größeren Anlage-Erfolg der Spanier sei die vergleichsweise hohe Aktienquote: 22 Prozent der Geldvermögen seien dort in Aktien investiert, in Deutschland nur sieben Prozent. Ausweislich der jüngsten Bundesbank-Statistik zur Entwicklung der Geldvermögen im dritten Quartal 2018 hat sich der Aktien-Anteil zuletzt allerdings auf gute zehn Prozent erhöht. Weitere zehn Prozent des Geldvermögens deutscher Privathaushalte stecken in Investmentfonds, die zum Teil wiederum in Aktien anlegen. Solche Fondsanteile sind in der Allianz-Studie nicht berücksichtigt. Zahlen des europäischen Statistikamts Eurostat zeigen aber, dass auch Fonds in Spanien und einigen anderen EU-Staaten weiter verbreitet sind als hierzulande.

Die Ursachen sind vielfältig. Neben unterschiedlichen Altersvorsorgesystemen könnte auch die Besteuerung von Dividenden und Gewinnen aus Aktienverkäufen eine Rolle spielen. Allianz-Experte Holzhausen wies auf Nachfrage außerdem darauf hin, dass die Vergabe von Belegschaftsaktien in Spanien stärker gefördert werde als in Deutschland. Der Steuerfreibetrag für diese Form der Mitarbeiterbeteiligung liegt in der Bundesrepublik bei 360 Euro im Jahr, „in Spanien ist er drei Mal so hoch“, sagte Holzhausen.

Gemessen am absoluten Niveau der Ersparnisse liegen die Deutschen deutlich vor den Spaniern: Das Geldvermögen pro Kopf lag hierzulande Ende 2017 bei knapp 71 000 Euro, in Spanien bei 44 000 Euro. Am besten stehen der Studie zufolge die Niederländer mit einem Pro-Kopf-Vermögen von über 140 000 Euro da. Zum Geldvermögen zählen Bargeld, Bankeinlagen, Aktien, Anleihen, Fonds und Ansprüche gegenüber Versicherungen. Immobilienbesitz wurde in der Studie nicht berücksichtigt.

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