Die Messstelle am Neckartor hat im Dezember und Januar deutlich bessere Luftdaten geliefert als im Durchschnitt des Jahres 2018. Foto: dpa

Im Dezember und Januar gab es einen Rückgang der Schadstoffkonzentration am Neckartor. Die Werte würden, so sie sich für das ganze Jahr ergäben, aus Sicht der Bundesregierung ausreichen, um auf ein Euro-5-Verbot zu verzichten. Doch die Konzentration ist von vielen Faktoren abhängig.

Stuttgart - Seit dem 1. Januar gilt in Stuttgart ein Fahrverbot für auswärtige Diesel unter Euro 5. Damit soll beim Stickstoffdioxid ein großer Schritt in Richtung des EU-Jahresgrenzwerts von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft getan werden.

Entscheidend für die Verhängung der Fahrverbote, die vom 1. April an auch für Stuttgarter und 2020 womöglich für Diesel mit Euro 5 gelten, ist der Jahresmittelwert. Er lag Ende 2018 an der Messstelle am Neckartor bei 71 Mikrogramm – niedriger als 2017, aber so hoch wie sonst nirgends in der Republik. Würde man das Jahr von Januar 2018 bis Januar 2019 spannen, ergeben sich laut Daten der Landesanstalt für Umwelt und Messungen (LUBW) 70 Mikrogramm.

Regierung will Spielraum erweitern

Sprunghafter als das Jahresmittel sind die Monatsmittel. Hier gab es im Dezember Besserung. Im November waren es am Neckartor im Mittel 74 Mikrogramm, im Dezember 53, im Januar 50 (Vorjahr: 60).

Diese Werte würden, so sie sich für das ganze Jahr ergäben, aus Sicht der Bundesregierung ausreichen, um auf das Euro-5-Verbot zu verzichten. Die Bundesregierung will neben dem rechtsverbindlichen EU-Wert von 40 bei der Novelle des Immissionsschutzgesetzes eine Regelung einführen, nach der Fahrverbote in der Regel unverhältnismäßig seien, wenn der Jahresmittelwert nicht mehr als 50 Mikrogramm beträgt. So soll der Handlungsspielraum der Städte geweitet werden. Aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe (DUH) sei das Gesetzesvorhaben verfassungswidrig, weil es europäischem Recht widerspreche. Wie sich die Werte 2019 entwickeln, kann niemand genau prognostizieren. Durch das Dieselverbot bis Euro 4 und eine Busspur am Neckartor sollen sie weiter sinken.

Urlaubszeit als Erklärung

Monatswerte, warnt die LUBW, könnten weder mit dem Vormonat noch mit dem Vorjahr wirklich miteinander verglichen werden, denn der Verlauf der Konzentration sei „sehr dynamisch“ und von vielen Faktoren abhängig. Neben Verbrennungsprozessen spielt die Ozonkonzentration eine Rolle, weshalb es im Sommer bei viel Sonne zu hohen Werten kommen kann. Im August 2016 betrug der Monatswert am Neckartor zum Beispiel 99 Mikrogramm, im Juli 2018 lag er bei 85. Einen Teil des starken Rückgangs im Dezember und Januar erklärt die LUBW mit der Urlaubszeit. Entscheidend sei aber allein das Jahresmittel. Es könne keine Aussage getroffen werden, welchen Beitrag einzelne Maßnahmen zur Minderung hätten, sagt Maria Krautzberger, die Präsidentin des Umweltbundesamts.

Während die Zahlen beim Stickstoffdioxid kleiner werden, gab es im Januar mehr Feinstaubüberschreitungen als im Vorjahresmonat. An acht Alarmtagen gab es fünf Überschreitungen der Grenze von 50 Mikrogramm, dazu kommt die Spitze am 1. Januar. Im Vorjahresmonat hatte es zwei Überschreitungen gegeben. Das war eine gute Basis für die erstmalige Einhaltung des Jahresgrenzwerts von maximal 35 Überschreitungstagen. Am Ende waren es 21 Tage.

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