Diskussion um Neugestaltung der Stuttgarter Kulturmeile Backes will Stadt Richtung vorgeben

Von Thomas Braun 

Auch über die Zukunft der Oper im historischen und sanierungsbedürftigen Littmann-Bau soll im Rahmen des vom Verein Aufbruch initiierten Workshops nachgedacht werden. Foto: dpa
Auch über die Zukunft der Oper im historischen und sanierungsbedürftigen Littmann-Bau soll im Rahmen des vom Verein Aufbruch initiierten Workshops nachgedacht werden. Foto: dpa

Die vom Fernsehjournalisten Wieland Backes angeführte Bürgerinitiative Aufbruch Stuttgart will die Kommunalpolitik mit einem eigenen Architektenworkshop zur Umgestaltung der Kulturmeile unter Druck setzen. Der Verein lässt keinen Zweifel daran, wie er sich die Zukunft der Kulturmeile vorstellt.

Stuttgart - Der Verein Aufbruch Stuttgart um den SWR-Fernsehmoderator Wieland Backes will nun doch einen eigenen Ideenwettbewerb für die Umgestaltung der Stuttgarter Kulturmeile auf den Weg bringen. Nach Informationen unserer Zeitung sind für den Anfang November geplanten mehrtägigen, vom Architektenwettbewerb zum „Workshop“ herabgestuften Termin fünf namhafte Architekturbüros angefragt, darunter auch das Büro des britischen Stararchitekten Norman Foster. Von vier weiteren Büros (Allmann Sattler Wappner/München, Herzog & de Meuron/Basel, KAW architecten/Rotterdam und Christoph Mäckler Architekten/Frankfurt liegen bereits mündliche Zusagen vor. Zuletzt hatte der Vereinsvorsitzende Backes bei einem Auftritt im Gemeinderat noch angedeutet, dass man sich auch einen gemeinsamen Wettbewerb mit der Stadt vorstellen könne. Der Vereinsvorsitzende Backes begründet das jetzige Vorgehen damit, die Stadt habe auf das Angebot des Aufbruchs nicht reagiert.

Die eingeladenen Büros sollen demnach den gesamten Bereich zwischen Charlottenplatz und Gebhard-Müller-Platz städtebaulich auf den Prüfstand stellen. „Gestärkt werden soll die Einmaligkeit der Stuttgarter Situation, die sich durch eine unvergleichliche Dichte der kulturellen Einrichtungen auszeichnet“, heißt es in den vom Verein vorgegebenen Wettbewerbsbedingungen. Gleich an mehreren Stellen des Papiers, das unserer Zeitung vorliegt, ist von einer Betrachtung der Gesamtsituation mit einem „unvoreingenommenen Blick von außen“ die Rede, die „ohne Einschränkungen und Tabus“ erfolgen müsse. Die sei derzeit nicht möglich, „weil die Stadt, ihre Politik wie auch die Verwaltung, aber auch einzelne Interessengruppen an der Unveränderbarkeit baulicher Gegebenheiten hängen“.

Backes & Co. stellen Standort des Königin-Katharina-Stifts weiterhin in Frage

Dass die Aufgabenstellung dann doch nicht ganz so unvoreingenommen ist, wie es der Auslober suggerieren will, ergibt sich aus anderen Passagen des Papiers. Zwar stehe es den Teilnehmern des Ideenwettbewerbs frei, ob sie die Sanierung und den Umbau der historischen Littmann-Oper „sinnvoll finden“ oder eher einen „Neubau im direkten Anschluss an die Staatstheater“. Weiter heißt es dann aber in der Wettbewerbsbeschreibung: „Hypothetisch wäre eine sinnvolle Ergänzung der Staatstheater auf dem Grundstück am Gebhard-Müller-Platz denkbar. Die dort ansässige Schule (Katharinenstift) müsste dann einen Ersatz an anderer Stelle finden.“ Obwohl sich die Gemeinderatsmehrheit, OB Fritz Kuhn (Grüne) und Schulbürgermeisterin Isabel Fezer (FDP) als auch die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann mehrfach gegen eine Verlagerung der Schule ausgesprochen haben, favorisiert der Aufbruch Stuttgart also weiterhin die auch in der Öffentlichkeit umstrittene Variante eines Opernneubaus an Stelle der Schule. „Niemand kann in einer Demokratie einfach ein Ende der Diskussion verfügen“, so Backes. Das Große Haus könne dann mit weniger finanziellem Aufwand saniert und als Spielstätte für Ballett und Staatsorchester genutzt werden, heißt es weiter. Die Intendanz der Staatstheater lehnt den Umbau in ein reines Konzerthaus ab, die Umgestaltung des Littmannbaus in einen Balletttempel war bisher nicht im Gespräch.

Ergebnis des Workshops soll „Handlungsanweisung“ für Politik und Verwaltung sein

Sofern die Oper im Littmann-Bau erhalten werden solle, seien Vorschläge der Büros für eine Interimsoper für die Dauer der Sanierung des Großen Hauses „in direkter Nachbarschaft“ erwünscht, formuliert der Verein weiter. Das Papier lässt keinen Zweifel an der Bedeutung des Workshops für die Kommunalpolitik: „Die daraus entstehende Vision und Dokumentation wird der Politik und Verwaltung als Handlungsanweisung für die nächsten notwendigen Schritte übergeben.“ Der Vereinsvorsitzende Backes sagte auf Anfrage, man wolle einen kreativen Beitrag zu der am Samstag startenden Bürgerbeteiligung zum städtebaulichen Wettbewerb für die B 14, einbringen: „Man muss kühn denken. Kleinliche Kompromisse verleihen der Stadt keinen Glanz.“

Lesen Sie jetzt