Das „Katzenstift“ (rechts) steht der Oper (links) an der Kulturmeile nicht im Weg: Nach dem Willen der Ratsmehrheit bleibt das Gymnasium an Ort und Stelle. Foto: Achim Keiper

Der Vorstand des Vereins „Aufbruch Stuttgart“ hat im Rathaus seine Ideen für den Bau einer neuen Oper an der Kulturmeile erläutern dürfen. Die Mehrheit lobte das Engagement, doch mit einer zentralen Forderung konnten sich die Vorsitzenden nicht durchsetzen.

Stuttgart - Nach heftiger Kritik an seinen Plänen, den Standort des Königin-Katharina-Stifts für den Bau einer neuen Oper oder eines Konzerthauses zu opfern, rudert der Verein Aufbruch zurück. Man müsse akzeptieren, wenn das Gymnasium an seinem Standort bleiben wolle, und sei bereit, auch über alternative Standorte wie etwa den Akademiegarten am Charlottenplatz zu sprechen, sagte der Vereinsvorsitzende Wieland Backes am Dienstag im Technikausschuss.

Der Auftritt vor dem Gremium war durchaus unüblich: Normalerweise haben Bürgerinitiativen selten Gelegenheit, ihre Anliegen im Stuttgarter Rathaus persönlich vorzustellen. Zuvor hatten Backes und sein Co-Vereinsvorsitzender, Architekt Arno Leder, im Rathaus nochmals für ihre Vorschläge zur Umgestaltung der Kulturmeile geworben und nicht mit Kritik an ihren Kritikern gespart. Eine Online-Petition zum Erhalt des Schulstandorts, die bisher von rund 1800 Menschen unterzeichnet wurde, wird laut Backes überschätzt: „Das sind nur 0,7 Prozent der wahlberechtigten Stuttgarter.“ Auch prozentual betrachtet liegt die Zahl der Gegner damit freilich immer noch deutlich über jenen rund 330 Vereinsmitgliedern, die kürzlich für die Ausschreibung eines vereinseigenen Wettbewerbs auf Basis der Lederer-Ideen für eine neue Oper ­votiert hatten.

Arno Lederer präzisierte vor dem Ausschuss seine Entwürfe für eine neue Oper mit und ohne Einbeziehung des denkmalgeschützten Gymnasiums am Gebhard-Müller-Platz. Nach seinen Vorstellungen soll dort ein städtebaulicher Eingang entstehen: „Die Franzosen hätten an dieser Stelle einen Triumphbogen errichtet.“ Lederer zufolge könnte die Schule auf das Gelände der ehemaligen Neckarrealschule umziehen. Zugleich schwebt dem Architekten eine Art Aussichtsplattform – die sogenannten Katharinengärten – über dem Tunnelmund des Wagenburggymnasiums vor. Am neuen Standort habe die Schule eine bessere Anbindung zu den Kulturinstitutionen in der Urbanstraße – und vielleicht auch eine bessere Zukunft als am heutigen Standort, der ja durch den beschlossenen Abriss und Neubau des Kulissengebäudes erneut zur Baustelle werde. Zudem werde die Schule quasi hinter dem neuen Kulissengebäude verschwinden. Lederers Alternative: Auf dem Schulareal soll eine neue Oper entstehen, das im Volksmund Katzenstift genannte Gymnasium könne entweder abgerissen oder als Opern- Entree erhalten bleiben. Der Littmann-Bau soll nach der Sanierung nur noch als Konzertsaal fungieren.

Architekt Lederer wirbt für Schulersatzstandort neben dem Wagenburgtunnel

Stadtverwaltung und Fraktionen lehnen Vorstoß mit großer Mehrheit ab

Kulturbürgermeister Fabian Mayer (CDU) hielt dagegen: Lederers Skizzen hätten „eine hohe Suggestionskraft“, das neue Kulissengebäude werde kein monströser Block wie dargestellt, sondern architektonisch anspruchsvoll gestaltet. Die Schule wolle nun mal nicht umziehen, das sei zu respektieren. Zudem seien die Zeitabläufe in Lederers Konzeption nicht kompatibel mit den offiziellen Zeitplänen des Bahnprojekts Stuttgart 21. Ein Sanierung des historischen Littmann-Baus werde so bis in die 2030er Jahre verzögert. Er warnte zudem davor, die Kosten für den Umbau des Großen Hauses in eine Konzerthalle und die damit einhergehende denkmalschutzrechtliche Problematik zu unterschätzen. Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) sekundierte: Der Ersatzstandort für die Schule sei auch wegen der Rettungszufahrt zum Fildertunnel und dem möglichen Bau eines Ostheimer Tunnels perspektivisch nicht geeignet. Von den Fraktionen gab es zwar viel Lob und Dank für das Engagement des Vereins. In der Sache blieb die Mehrheit aber dabei, dass der Schulstandort nicht infrage gestellt wird.

Am Dienstagabend dann hatten Backes und Lederer dann sozusagen ein Heimspiel. Bei einer Podiumsdiskussion mit den Vorsitzenden von CDU, Grünen und SPD im Hospitalhof erhielten sie, verstärkt um den ehemaligen Direktor der Staatsgalerie, Christian von Holst, viel Beifall für ihr Plädoyer, offen über die künftige Gestaltung des Kulturquartiers zu diskutieren. Backes machte deutlich, dass das Aus für die Interimsoper am Park die große Chance biete, nun über eine Permanentspielstätte nachzudenken. Dazu brauche es aber auch eine ambitionierte Bauverwaltung „und den richtigen Baubürgermeister“. Lederers Vorschlag, die Verwaltung und die Politik sollten sich zurücknehmen und Architekten von außen Ideen entwickeln lassen, stieß freilich bei den Kommunalpolitikern auf dem Podium auf Widerspruch. „Politiker sind durch Wahlen legitimiert. Es muss uns erlaubt sein, uns zur einen oder anderen Idee wie etwa der Verlegung der Schule oder der Überbauung des Eckensees zu verhalten“, so Andreas Winter (Grüne). So ganz wollte Lederer seine Variante einer Oper an Stelle des Gymnasiums nicht aufgeben – und bemühte dazu ein Zitat des US-Präsidenten John F. Kennedy: Die Schule und ihre Unterstützer sollten nicht fragen, was die Stadt für sie tun könne, sondern , was sie für die Stadt tun könnten.

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