Nicht alle Elternhäuser können sich einen Laptop oder ein Tablet für ihre Kinder leisten. Ein neues Bund-Länder-Sofortprogramm soll jetzt Abhilfe schaffen. Foto: dpa/Daniel Reinhardt

In der Corona-Krise hat sich gezeigt, dass nicht alle Schüler am Onlineunterricht teilnehmen können. Ein Sofortprogramm stellt nun 500 Millionen Euro für Endgeräte bereit. Die sozialdemokratische Parteichefin Saskia Esken sieht die „Initiative der SPD“ als Schritt zu „mehr Bildungsgerechtigkeit“.

Berlin - Die Corona-Krise hat schwere Mängel bei der Digitalisierung der Schulen offengelegt – nun sollen alle Schüler die Möglichkeit bekommen, von zuhause aus am Unterricht teilzunehmen. Am Freitag unterzeichnete Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) eine Bund-Länder-Vereinbarung, durch die Schulen digitale Endgeräte beschaffen und an Kinder und Jugendliche ausleihen können, die bisher nicht für das digitale Lernen ausgerüstet sind.

Nach den Sommerferien wird zwar eine Rückkehr zum Unterricht in den Klassenzimmern angestrebt, denkbar ist aber weiterhin auch zeitweiliger Onlineunterricht. „Wir alle wollen, dass die Schulen nach den Sommerferien zum Präsenzunterricht zurückkehren können“, sagte Karliczek in Berlin. Es müsse für den Fall der Fälle auch sichergestellt werden, „dass digitaler Unterricht für alle Kinder und Jugendlichen auch zu Hause möglich ist“.

SPD begrüßt Programm

Die mitregierenden Sozialdemokraten begrüßten das mit einer halben Milliarde Euro unterlegte Programm, das ein Koalitionsgipfel im April beschlossen hatte. „In diesem Sofortprogramm über 500 Millionen Euro im Digitalpakt steckt ein großes Potenzial für mehr Bildungsgerechtigkeit“, sagte die SPD-Vorsitzende Saskia Esken unserer Zeitung: „Schülerinnen und Schüler, die bis jetzt ohne Laptop oder Tablet weitgehend vom digitalen Unterricht abgehängt waren, erhalten die notwendigen Geräte und damit Anschluss an digitale Unterrichtsangebote.“

Zeitgemäße Lernmethoden müssten allerdings dauerhaft und für alle verfügbar sein – unabhängig davon, „ob das neue Schuljahr nun mit und ohne Corona-Beschränkungen startet“, sagte Esken weiter: „Deshalb ist diese Initiative der SPD im Koalitionsausschuss jetzt eine tolle Zukunftsinvestition, damit auch wirklich alle Kinder und Jugendliche gleichberechtigt lernen können.“ Die SPD-Vorsitzende appellierte zudem an Telekommunikationsunternehmen, „in einem weiteren Schritt“ und „über spezielle Tarifangebote“ dazu beizutragen, „dass bisher benachteiligte Schülerinnen und Schüler nicht den Anschluss verlieren“.

Verleihmethode: Schulen sollen vor Ort entscheiden

Die Bundesmittel werden durch Gelder der jeweiligen Bundesländer ergänzt. Diese hatten die Zusatzvereinbarung zum Digitalpakt wurde bereits zuvor unterzeichnet, weshalb das Geld nun sofort zur Verfügung steht. Zuvor müssen jedoch noch vor Ort Regelungen zur Beschaffung der Geräte erlassen werden. Ministerin Karliczek zufolge sollen die Schulen vor Ort entscheiden, nach welchem Verfahren Laptops oder Tablets an die Schüler ausgeliehen werden sollen.

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