Durch einen Regional- und Fernbahnhalt am Bahnhof Vaihingen könnten bis zu 540 Fahrgäste zusätzlich gewonnen werden, dies besagt eine Analyse. Foto: Müller

Vaihinger Lokalpolitiker und das Bündnis Filderbahnhof sehen sich durch eine Potenzialuntersuchung zum Regional- und Fernbahnhalt am Vaihinger Bahnhof bestätigt. Der prognostizierte Zuwachs an Fahrgastzahlen belege den Bedarf.

Vaihingen - Bevor die Vaihinger Bezirksbeiräte in ihrer jüngsten Sitzung zum Tagesordnungspunkt über den Regionalbahnhalt kamen, nutzte Reinhard König vom Bündnis Filderbahnhof die „Fünf Minuten für Bürger“. Seine Mitstreiter zeigten ein Plakat mit den Worten „Regionalhalt in Vaihingen statt S 21“ während König die Aussage von Baubürgermeister Matthias Hahn, der sich wegen geringer zusätzlicher Fahrgastzahlen gegen den dauerhaften Regionalbahnhalt ausgesprochen hatte, als „eigenartig und unlogisch“ kritisierte. „Die Vorteile liegen auf der Hand, es muss nichts nachgewiesen werden.“

Argumente für und gegen den dauerhaften Halt kann man in der Potenzialuntersuchung finden, welche die Firma PTV Transport Consult im Auftrag von Stadt und Land erstellt hat. Die Ergebnisse stellte die PTV-Mitarbeiterin Heike Schäuble den Bezirksbeiräten am Dienstag, 8. April, vor. Bereits am 18. März waren diese dem Umwelt- und Technikausschuss (UTA) präsentiert worden.

Zwei verschiedene Varianten analysiert

Untersucht wurden zwei Szenarien. Im ersten Fall halten der Regionalexpress und die Regionalbahn in Richtung Rottweil und Horb am Neckar in Vaihingen, im zweiten zusätzlich auch der Fernverkehr in Form des Intercity nach Zürich. Als Vergleichsfall dient ein Interimskonzept für die Gäubahn, das für den Zeitraum der Bauarbeiten an Stuttgart 21 erstellt wurde. In diesem ist der Bau eines provisorischen Bahnsteigs in Vaihingen vorgesehen. Die Kosten dafür betragen rund 1,2 Millionen Euro. Für circa 1,8 Millionen Euro mehr gäbe es die Variante eines dauerhaften Halts.

Vaihingen sei „ein interessanter Umsteigepunkt“, befand Heike Schäuble bei ihrem Vortrag. Die Vorteile seien neue Direktverbindungen zu Regional- und Fernverkehrszielen sowie zusätzliche Verbindungen, außerdem neue Umsteigemöglichkeiten zum Stadtverkehr und somit weniger Umwegfahrten über den Hauptbahnhof. „Beim ersten Szenario rechnen wir mit 2040 mehr Ein- und Aussteigern pro Werktag in Vaihingen und im zweiten mit 2530“, erläuterte sie. Im Vergleichsfall nutzten pro Tag 7810 Fahrgäste das Angebot. In der Region könne man von 360 beziehungsweise 540 neuen Fahrgästen pro Tag ausgehen.

Studie kann unterschiedlich interpretiert werden

Und da liegt auch der Knackpunkt der unterschiedlichen Auslegung der Studie: Bis zu 2530 mehr Fahrgäste in Vaihingen klingt viel. Das bedeutet aber nicht, dass die alle auf die Schiene umsteigen und ihr Auto stehen lassen, sondern dass viele statt am Hauptbahnhof in Vaihingen einsteigen. So kommt man auf 360 bis 540 zusätzliche Fahrgäste. Neben Baubürgermeister Hahn hatte sich daher auch der Verband Region Stuttgart gegen den Ausbau ausgesprochen: zu hohe Kosten für zu wenig Nutzen. Der Verkehrsminister Winfried Hermann indes sprach sich dafür aus. Die prognostizierte Steigerung zeige, dass „das zusätzliche Verkehrsangebot an diesem bereits rege genutzten Bahnhof gut angenommen würde“, ließ er verlauten.

Bezirksbeirat sieht sich bestätigt

Auch die Vaihinger Bezirksbeiräte sahen sich freilich durch die Studie in ihrem Wunsch bestärkt. Konrad Ruf (Freie Wähler) machte es deutlich: „Mit den Zahlen ist der Nachweis erbracht, dass der Regionalbahnhalt in Vaihingen geschaffen werden muss, nicht nur interimsweise, sondern dauerhaft.“

Kristin Wedekind (Grüne) brachte einen Antrag ein, der eine Kosten-Nutzen-Analyse fordert. Die Lokalpolitikerin hatte berechnet, dass bei 45 000 Einwohnern in Vaihingen plus den rund 35 000 im Einzugsgebiet Wohnenden in Möhringen, Oberaichen und Musberg es die Bahn rund 23 Euro pro Kopf kosten würde, den dauerhaften Haltepunkt zu realisieren. Im Gegensatz dazu investiere die Bahn in den nächsten Jahren über 3000 Euro pro Kopf (insgesamt 280 Millionen Euro) für sieben neue Haltepunkte auf der Gäubahnstrecke, merkte Wedekind an.

Anträge einstimmig beschlossen

Auch Gerhard Wick (SÖS/Die Linke) stellte einen Antrag. In diesem ist zu lesen, dass der Bezirksbeirat sich durch die Analyse bestätigt sehe und die Stadt auffordere, sich beim Land und der Bahn für die Bestellung und schnellen Bau des dauerhaften Regionalbahnhalts einzusetzen. In der Abstimmung votierten die Bezirksbeiräte jeweils einstimmig für beide Anträge. Wann das Thema das nächste Mal im UTA behandelt wird, steht aktuell noch nicht fest.

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