Ausgezeichnetes Bauwerk: Der Trumpf-Campus in Ditzingen gewann 2016 den Industriebaupreis und steht auch Pate für das Engagement von Unternehmen an der Iba. Foto: David Franck

Rückenwind für eine große Idee: Zahlreiche Unternehmen, Kommunen und Hochschulen in der Region Stuttgart signalisieren nicht nur Zustimmung zur Internationalen Bauausstellung 2027, sondern wollen jetzt auch konkret werden.

Stuttgart - Die Initiatoren der Internationalen Bauausstellung (Iba) in Stadt und Region Stuttgart erfahren eine breite Unterstützung aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kommunen. Nach Angaben des Regionalpräsidenten Thomas Bopp (CDU) und des Geschäftsführers der regionalen Wirtschaftsförderung, Walter Rogg, haben namhafte Unternehmen ebenso Interesse an der Iba 2027 wie die Universität Stuttgart und weitere Hochschulen in der Region. „Wir spüren sehr viel Rückenwind, die Zustimmung zur Iba ist riesengroß“, sagt Bopp. Einige Kommunen und Verbände haben sogar schon konkrete Vorstellungen, wo Projekte im Rahmen einer Iba aufgesetzt werden könnten.

So wird in einigen Jahren, wenn die A 81 sechsspurig ausgebaut ist, das sogenannte Campus-Areal auf dem Gelände des früheren Landesflughafens Böblingen-Stuttgart aufgesiedelt werden können. „Die Fläche ist etwa fünf Hektar groß und eignet sich hervorragend für so einen Feldversuch“, sagt Peter Brenner, der Geschäftsführer des Zweckverbands Flugfeld Böblingen/Sindelfingen. Gerade an diesem Standort am Rande einer der Hauptverkehrsachsen zeige sich, wie wichtig es sei, Wohnen und Arbeiten wieder zueinanderzubringen. „Die Vernichtung von Bruttosozialprodukt, die wir jeden Tag im Stau praktizieren, ist gewaltig“, sagt Brenner. Er erwartet, „dass die Iba uns in die Lage versetzt, über alles ganz neu nachzudenken“.

Bosch signalisiert Bereitschaft, „die IBA bei uns zu verankern“

Das hofft auch Albrecht Fischer. Er leitet bei Bosch das Bau- und Liegenschaftswesen und hat im Gespräch mit Kollegen anderer Firmen wie Trumpf und Getrag festgestellt, „dass wir die Iba bei uns verankern könnten.“ Der Ehrgeiz müsse sein, „etwas mit einer Strahlkraft zu machen, die über Stuttgart hinausgeht“. Die Grundfrage laute: „Was können wir konkret tun?“

Dies herauszufinden, haben sich auch renommierte Architekten auf die Fahnen geschrieben. So hat der Bund Deutscher Architekten am 30. Januar die Chefs der Internationalen Bauausstellungen von Hamburg und Heidelberg zum Gespräch nach Stuttgart geladen. Drei Tage später ist die Uni Gastgeberin eines Fachkongresses, der unter anderem den bisherigen Direktor des Londoner Victoria and Albert Museum und künftigen Chef des Instituts für Auslandsbeziehungen, Martin Roth, in die Landeshauptstadt führen wird.

Die Architekten suchen noch „zwei, drei Themen“

„Bisher sind die Ansätze noch vage“, sagt Christian Stoy. „Zwei, drei Themen für die Iba“ suche man noch, bekennt der Leiter des Instituts für Bauökonomie an der Uni Stuttgart. Doch auch aus seiner Sicht sei unabdingbar, „dass sich der Industriegewerbebau wieder mit den Städten verbindet“. Dazu müsse der „Widerspruch zwischen Arbeitsplatz und Wohnort“ auch architektonisch aufgelöst werden. Notwendig seien einerseits „Leute, die kreativ an die Sache rangehen“. Andererseits sei es „eine ebenso große Aufgabe, die Bürgermeister und Kommunalpolitiker aus 179 Städten und Gemeinden in der Region unter einen Hut zu bringen“.

Einige sind freilich schon an Bord. Peter Jahn zum Beispiel, der nicht nur Bürgermeister von Denkendorf ist, sondern turnusgemäß auch dem Kommunalen Arbeitskreis Filder vorsteht. In dieser Funktion will er noch in diesem Jahr prüfen, welche bereits geplanten Projekte in der Bauausstellung aufgehen könnten. Vorstellbar sei etwa, die Idee von Grünbrücken über die Autobahn wieder aufzunehmen, um die Asphaltschneise durch die Landschaft natürlich zu überwinden. „Das ist bis jetzt an Finanzierungsfragen gescheitert“, sagt Jahn. Wie Flugfeld-Chef Brenner, Bosch-Bauleiter Fischer und der Bauökonomie-Professor Stoy hält auch der Denkendorfer Schultes die Frage, wie Wohn- und Arbeitsstätten wieder zueinanderfinden können, für zentral: „Wir haben ein enormes Wachstum in allen Bereichen, aber dabei sind auch Defizite entstanden.“

Dabei sind Jahn und seine Kollegen aus den anderen Fildergemeinden schon einen Schritt weiter als viele andere potenzielle Iba-Partner. „Für die Ideen- und Projektentwicklung haben wir für 2017 etwa einen Euro pro Einwohner eingestellt“, sagt Jahn. Insgesamt stünden allein in diesem Jahr bis zu 150 000 Euro zur Finanzierung von weiteren Studien und Expertisen zur Verfügung. „Planerisch sind wir eigenständig unterwegs“, sagt Jahn, „aber wir wollen natürlich schauen, dass wir Iba-taugliche Projekte entwickeln.“ Daher habe er den regionalen Wirtschaftsförderer Walter Rogg gleich im Februar zu einem Meinungsaustausch eingeladen. Und weil Jahn in Personalunion dem Bürgermeistersprengel des gesamten Kreises Esslingen vorsteht, werden auch etliche andere Rathauschefs zu dem Treffen erwartet.

Wirtschaftsförderer Rogg ist auf Tour durch die Region

„Solche Termine sind jetzt elementar wichtig“, sagt Wirtschaftsförderer Rogg. Nachdem die beiden großen Iba-Spieler, Stadt und Region Stuttgart, in ihren Gremien bereits im alten Jahr die Gründung eines Projektbüros für die Internationale Bauausstellung beschlossen haben, müsse die Idee nun hinausgetragen werden in die einzelnen Städte und Gemeinden. Und vor allem in die Landesregierung. „Wir würden uns wünschen, bis zur nächsten Sitzung des regionalen Wirtschaftsausschusses am 8. März zu wissen, in welcher Form sich das Land maßgeblich an der Iba beteiligt“, sagt Rogg in der gebotenen Diplomatie. Denn tatsächlich lautet die einzige belastbare Aussage der Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) zu dem Thema bisher: „Wir loten die Möglichkeiten aus, wie das Land die Iba unterstützen kann.“

Beim Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) klingt das deutlich emphatischer. Er hat mehrfach signalisiert, dass „die Stadt Lust auf die Iba“ habe. Der Gemeinderat hat zudem einstimmig beschlossen, einen beim Baubürgermeister angesiedelten Iba-Beauftragten zu benennen. Ob die Stadt auch gleich in die Projektgesellschaft einsteigt oder dies aus haushalterischen Gründen erst später geschehen kann, ist noch unklar. Bisher tragen der Verband Region Stuttgart und seine Wirtschaftsförderungsgesellschaft das Budget für 2017 alleine. Veranschlagt sind 850 000 Euro.

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