Die Mieten in den Hochhäusern am Pragfriedhof steigen teilweise um mehr als 60 Prozent an. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Fast jede angebotene Wohnung in Stuttgart liegt über der Mietpreisbremse. Trotzdem wird das Gesetz fast nie angewendet. Und: Der Immobilienriese Vonovia macht mit Mietsteigerungen nach Sanierung von sich Reden und erntet Proteste.

Stuttgart - Viele Wohnungen in Stuttgart sind teurer als erlaubt, trotzdem wird die Mietpreisbremse so gut wie nie angewendet. Derzeit gibt es nach Angaben des Mietervereins lediglich drei Verfahren in ganz Stuttgart. Und das obwohl die Mieten der angebotenen Wohnungen in der Landeshauptstadt meist über der gesetzlichen Grenze liegen.

Als Referenzwert für die Mietpreisbremse gilt der Mietspiegel. Der liegt bei einer durchschnittlichen Wohnung in Stuttgart bei 9 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter. Doch nach einer aktuellen Untersuchung stellt sich die Situation so dar. „Die durchschnittlichen Angebotsmieten in den Innenstadtbezirken sind von Dezember 2014 bis Dezember 2017 um fast 25 Prozent von 11,18 Euro auf 13,94 Euro pro Quadratmeter gestiegen“, berichtet der Chef des Mietervereins, Rolf Gaßmann.

Laut Gesetz aber dürfte die Miete nach einem Mieterwechsel lediglich zehn Prozent über dem Mietspiegel, also bis auf wenige Ausnahmen, bei höchstens 9,90 Euro liegen. Das Problem sehen Experten im Mechanismus des Gesetzes. Wer gegen eine überzogene Miete vorgehen will, müsste seinen Vermieter verklagen und so gegen den selbst unterzeichneten Mietvertrag vorgehen. „Wir fordern daher, dass zu hohe Mietangebote eine Ordnungswidrigkeit werden und so angezeigt werden können“, sagt Rolf Gaßmann.

In diesem Video analysieren vier Experten Probleme des Wohnungsmarktes in Stuttgart und der Region und geben Anregungen für mögliche Lösungen:

Massiv erhöht wird häufig auch nach Modernisierungen. Im Kreuzfeuer der Kritik steht derzeit Deutschlands größtes Immobilienunternehmen Vonovia. Der Bochumer Anbieter hat allein in Stuttgart 4600 Wohnungen. Mehrere Hundert davon sollen in diesem Jahr modernisiert werden – mit teils dramatischen Mieterhöhungen von über 60 Prozent danach. Betroffen sind vor allem Rentner und Leute, die nicht viel Geld haben. Deshalb gibt es am heutigen Dienstag bundesweit Proteste gegen die Vonovia. Auch in Stuttgart wird dazu aufgerufen.

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