Unweit des Luxusturms Cloud No 7 entstehen neue Wohnungen entlang der Mönchstraße. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Immobilienpreise in Stuttgart legen weiter zu. Inzwischen kostet eine neue Eigentumswohnung mit 100 Quadratmetern in der Innenstadt deutlich mehr als 800.000 Euro – im Durchschnitt.

Stuttgart - Was kostet eine Immobilie in Stuttgart wirklich? Die Preise aus Internetportalen und Inseraten spiegeln lediglich den Wunsch der Verkäufer wieder. Was jedoch tatsächlich bezahlt wird, wissen meist nur die Notare. Allein der städtische Gutachterausschuss hat Zugriff auf diese Daten. Unsere Zeitung präsentiert jedes Quartal die Preisentwicklung am Immobilienmarkt auf Basis dieser Zahlen.

Obwohl in den vergangenen Wochen zahlreiche Stimmen zu hören waren, wonach die Zeit steigender Wohnungspreise vorüber sei, ist die Lage in Stuttgart zumindest aktuell eine andere. „Für sinkende Preise gibt es derzeit keine Anzeichen“, berichtet Steffen Bolenz, der stellvertretende Vorsitzende des städtischen Gutachterausschusses. „Die Steigerung fällt allenfalls ein wenig moderater aus.“ Im Bestand – also beim Verkauf bereits gebauter Wohnungen – liegt der durchschnittliche Preis im vierten Quartal 2017 bei 3533 Euro pro Quadratmeter. Ein Jahr zuvor lag der Wert bei 3337 Euro, Ende 2015 bei 2863 Euro.

Nicht nur die Kaufpreise, auch die Mieten in Stuttgart sind sehr hoch. Warum das generell so ist, zeigt StuggiTV im Video:

Cloud No 7 ist ausverkauft

Im Neubau hingegen zeigen sich Anzeichen für eine etwas vorsichtigere Entwicklung. Lag der Mittelwert neuer Wohnungen im vierten Quartal des vergangenen Jahres bei 5712 Euro pro Quadratmeter, bewegt er sich damit auf dem Niveau von 2016. Aus Sicht der Gutachter ist das allerdings kein Signal für eine Trendwende. „Die Cloud No 7 ist ausverkauft“, erklärt Martin Weller, ebenfalls stellvertretender Vorsitzender des Gutachterausschusses. Will heißen: Im absoluten Luxussegment wurde im vergangenen Quartal vergleichsweise wenig verkauft – nur zwei Abschlüsse jenseits von 10 000 Euro pro Quadratmeter wurden erfasst. Bei lediglich 132 Verkäufen im Neubau im vierten Quartal haben einzelne Abschlüsse im Hochpreissegment enormen Einfluss auf den Durchschnittswert.

Dass die Preise allerdings auch hier stetig nach oben gehen, zeigt etwa der Blick auf die Innenstadt. Im Bereich der Innenstadtbezirke inklusive Botnang und Kaltental liegt der Preis im Neubau im Schnitt bei 7509 Euro pro Quadratmeter. Damit kostet eine 100-Quadratmeter-Wohnung, inklusive Kaufnebenkosten wie Notargebühren oder Grunderwerbsteuer, mehr als 825 000 Euro – wohlgemerkt im Durchschnitt. Ein Blick zurück macht die Dramatik der Entwicklung deutlich: Im Jahr 2012 lag der durchschnittliche Preis im Neubau in der Gesamtstadt noch bei 3492 Euro pro Quadratmeter.

Ein weiteres Phänomen, das die Gutachter beobachten, ist die rückläufige Zahl der verkauften Objekte. Wurden im Jahr 2013 im Bestand noch 2886 Wohnungen verkauft, waren es 2017 lediglich 2346. Im Neubau lag die Zahl der veräußerten Einheiten im Jahr 2016 bei 691. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 481.

Kleine Baugebiete dominieren – Große Flächen sucht man vergebens

Dieser Trend wird sich wohl auch so schnell nicht umkehren lassen. Gab es in der Landeshauptstadt in den vergangenen Jahren immer wieder größere Wohnbauprojekte mit einem signifikanten Anteil an Eigentumswohnungen – beispielsweise 200 Einheiten am Berliner Platz auf dem alten AOK-Gelände oder die Aktivitäten des Siedlungswerks in der Nähe des Pragfriedhofs – so sucht man derartige Bauvorhaben derzeit vergebens. Spitzenreiter bei der Anzahl der Verkäufe im Neubau war erneut das Vorhaben der städtischen Wohnbautochter SWSG in der Nähe des Pragsattels mit 32 Verkäufen im vierten Quartal. Danach folgt ein Projekt in der Nähe des Eugensplatzes mit 18 Verkäufen im Jahr 2017.

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