Die „Weltuntergangsuhr“ des „Bulletin of Atomic Scientists“ steht 2018 auf zwei Minuten vor Mitternacht. Führende Wissenschaftler sehen eine wachsende Gefahr für den Untergang der Menschheit. Foto: dpa

Die symbolische Weltuntergangsuhr tickt unaufhaltsam. So nahe an der globalen Katastrophe stand die Menschheit seit langem nicht mehr, warnt die Elite der Nuklearwissenschaftler.

Washington/Stuttgart - Eine internationale Forschergruppe sieht eine wachsende Gefahr für den Untergang der Menschheit und hat daher die „Doomsday Clock“ – die „Weltuntergangsuhr“ – um 30 Sekunden auf zwei Minuten vor Mitternacht vorgestellt.

23:58 Uhr. Gründe seien unter anderem die Unvorhersagbarkeit der US-Politik unter Präsident Donald Trump, nordkoreanische Raketentests und fehlende Abrüstungsverhandlungen, teilte das „Bulletin of Atomic Scientists“ (Berichtsblatt der Atomwissenschaftler) mit. Damit drücken die Wissenschaftler die gesunkenen Chancen der Menschheit aus, einem Atomkrieg oder der Klimakatastrophe noch zu entgehen.

„Düstere Lage“

„Wenn man die nukleare Lage der Welt nur als düster bezeichnet, ist das eine Unterbewertung der Gefahr und der Unmittelbarkeit“, sagte Rachel Bronson, die Präsidentin der Gruppe von Wissenschaftlern. Dahinter verbirgt sich nicht etwa ein Club überängstlicher Esoteriker, sondern die weltweite Elite der Nuklearforscher, darunter auch einige Nobelpreisträger.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die Forscher die „Doomsday Clock“ um 30 Sekunden nach vorne verstellt. Die Uhr erscheint seit 1947 und soll symbolisieren, wie dicht die Menschheit an der Vernichtung durch Atomwaffen und Umweltgefahren ist. Bei ihrer Einführung zu Hochzeiten des Kalten Krieges stand sie auf sieben vor zwölf. Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 hatten die Forscher ihre Uhr deutlich – und zwar auf 17 Minuten vor Mitternacht - zurückgestellt.

Uhr schlägt seit 1947

Die Atomkriegsuhr ist eine symbolische Uhr und spielt auf die Metapher „Es ist fünf Minuten vor zwölf“ an, wenn ein äußerst besorgniserregendes Ereignis unmittelbar bevorsteht. Seit 1947 wurde das Uhrwerk insgesamt 23-Mal vor- und zurückgedreht – je nachdem wie die Experten die Weltlage einschätzten. Es pendelte sich zwischen 11.43 Uhr und 11.58 Uhr ein.

Drei Mal in 67 Jahren standen die Zeiger bei drei Minuten vor zwölf: 2015, 1953, als die Sowjetunion ihre erste Atombombe zündete sowie 1984, als sich das Wettrüsten zwischen den Großmächten verschärfte. Nur einmal standen die Zeiger bisher auf zwei Minuten vor zwölf: 1953, als die UDSSR und die USA ihre ersten Wasserstoffbomben testeten. Und nun 2018.

In Zeiten der politischen Entspannung standen der Zeiger auch mal bei 17 Minuten vor zwölf: Damals im Jahr 1991 unterzeichneten die Großmächte die Start-Verträge, die das Atomwaffenarsenal drastisch reduzieren sollten.

Was geschieht 2050?

Das „Bulletin of Atomic Scientists“ wurde von Mitarbeitern am Manhattan-Projekt, dem US-Atomwaffenprogramm während des Zweiten Weltkriegs, gegründet. Seither treffen sich im Aufsichtsrat des Blattes regelmäßig die besten Nuklearforscher, um über die Weltlage und Gefahr eines Atomkriegs zu debattieren. 2007 wurde erstmals der Klimawandel in den Beschluss des Expertengremiums einbezogen.

Würde man die Uhr vordrehen – zum Beispiel auf das Jahr 2050 –, könnten sich noch ganz andere Herausforderungen für die Menschheit ergeben. Bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts wird die Weltbevölkerung von derzeit rund 7,2 auf mehr als zehn Milliarden Menschen ansteigen.

Sollten die anthropogenen – das heißt die vom Menschen bewirkten Umweltveränderungen so weitergehen oder sich sogar verschärfen, wird die globale Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts auf drei bis acht Grad ansteigen, prognostiziert der Weltklimarat (IPPC).

Wenn sich die Menschheit nicht endlich besinnt und ihren Lebensstil grundlegend ändert, könnte die Atomkriegsuhr 2050 auf fünf Minuten nach zwölf stehen. Dann droht ihr ein schleichendes Aussterben – ganz ohne den großen „Bang“ aus dem Weltall.

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