Kim Jong Un und die Wasserstoffbombe Welche Folgen hätte Nordkoreas Kernwaffentest über dem Pazifik?

Von Markus Brauer/dpa/AFP 

Nicht nur die Rhetorik zwischen Pjöngjang und Washington hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Auch die Drohgebärden. Wird Nordkorea seinen martialischen Worten bald Taten folgen lassen?

New York/Seoul - Mit der Drohung, eine Wasserstoffbombe über dem Pazifik explodieren zu lassen, hat Nordkorea den Krieg der Wortemit den USA um sein Atomprogramm gefährlich verschärft. Außenminister Ri Yong Ho sagte laut südkoreanischer Nachrichtenagentur Yonhap, der nächste Atomtest Nordkoreas könne die „stärkste Explosion einer Wasserstoffbombe“ im Pazifischen Ozean bringen.

Welche Folgen hätte die Drohung, eine Wasserstoffbombe über dem Pazifik zu testen – für die Weltpolitik, die Erde und ihre Bewohner?

Wäre dieser Test eine neue Eskalationsstufe?

Ganz eindeutig. Bisher hat Nordkorea trotz UN-Sanktionen sechs Atomtests unternommen – und das auf eigenem Territorium. Davon waren nach eigenen Angaben zwei Versuche mit Wasserstoffbomben. Der UN-Sicherheitsrat hat jeweils mit der Verschärfung von Sanktionen gegen Pjöngjang reagiert.

Die Verlegung eines Tests in den Pazifik wäre ein deutliches Warnsignal an die USA. Wo solch ein Test erfolgen soll, wie er technisch durchführbar wäre und ob über dem Pazifik oder unter Wasser, bleibt unklar.

Was ist eine Wasserstoffbombe?

Die erste Wasserstoffbombe, auch H-Bombe (englisch für Hydrogen Bomb) genannt, wurde in den USA entwickelt und 1952 auf dem Bikini-Atoll im Pazifik gezündet. Ihre Sprengkraft geht weit über die von Atombomben hinaus.

Während diese ihre Zerstörungskraft aus der Spaltung von Uran- oder Plutoniumkernen beziehen, beruht das Prinzip der Wasserstoffbombe auf der Verschmelzung von Kernen des Elements Wasserstoff zu Helium – vergleichbar mit den physikalischen Prozessen auf der Sonne. Weil zur Zündung einer H-Bombe extrem hohe Temperaturen nötig sind, kommt eine Atombombe als Zünder zum Einsatz.

Ob Nordkorea tatsächlich über die größte bisher entwickelte Massenvernichtungswaffe verfügt, ist fraglich.

Sind Atomtests in der Atmosphäre verboten?

Ein Abkommen, das oberirdische Kernwaffenversuche verbietet, gibt es schon seit 1963, unterzeichnet von den USA, Großbritannien und der Sowjetunion. Das Moskauer Atomteststoppabkommen sollte Tests in der Atmosphäre, im Weltraum oder unter Wasser verhindern, um Mensch und Umwelt vor radioaktiver Verseuchung zu schützen. Doch längst nicht alle Staaten sind ihm beigetreten, darunter Nordkorea.

Ein umfassendes Verbot auch unterirdischer Tests sieht der 1996 verabschiedete Atomteststopp-Vertrag CTBT vor. Er kann aber erst in Kraft treten, wenn ihn alle Staaten ratifiziert haben, die über Atomtechnologie verfügen. Das haben mehr als 40 bisher nicht getan.

Welche Auswirkungen hätte eine H-Bomben-Test?

Alle bisherigen Nukleartests in der Atmosphäre hätten zusammen so viel Energie freigesetzt wie 29.000 Hiroshima-Bomben, zählt die Organisation für die Überwachung des Atomteststopp-Vertrages CTBTO. Neben den geopolitischen Konsequenzen wären von einem Test über dem Pazifik auch Mensch und Natur betroffen. Radioaktivität kann zu Zellmutationen und damit zu Krebs führen. Im Meer werden Fische und andere Lebewesen kontaminiert. Radioaktivität könnte so in die Nahrungskette gelangen.

Gibt es Zahlen zu Opfern von Nuklear-Tests?

Keine genauen. Laut CTBTO ist es schwierig, genaue Todeszahlen wegen radioaktiver Kontaminierung zu erheben. In einer Studie von 1991 schätzt die Anti-Atomwaffen-Organisation IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges), dass die Zahl der Krebstoten wegen Verstrahlung nach Nukleartests bis zum Jahr 2000 bei 430.000 liegen und in den Jahren danach noch auf bis zu 2,4 Millionen steigen könnte.

Wie viele Atomtests hat es seit 1945 gegeben?

Seit 1945 mehr als 2000, überwiegend durch die USA und Russland. Beide stoppten ihre Tests – so wie Großbritannien – zu Beginn der 1990er Jahre. Frankreich und China schlossen sich 1996 an, Indien und Pakistan folgten 1998. Alle jüngeren Atomtests gehen auf das Konto des Regimes in Nordkorea, sechs seit Oktober 2006.

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