Das neue Verwaltungsgebäude neben der Villa Reitzenstein geht am 18. November ganz offiziell in Betrieb. Bis dahin gibt es noch viel zu tun. Foto: Jürgen Brand

In der Villa Reitzenstein und einigen umliegenden Dienstgebäuden wird wieder Politik gemacht. Das neue Verwaltungsgebäude direkt beim Sitz der Landesregierung soll am 18. November eingeweiht werden. Es ist geplant, das Gebäude nach Eugen Bolz zu benennen.

S-Ost - Auf der Gänsheide ist die lange Zeit der vielen großen und kleinen Baustellen rund um die Villa Reitzen­stein bald vorbei. Die Mitarbeiter des Staatsministeriums und Ministerpräsident Winfried Kretschmann sind längst wieder in die für 30 Millionen Euro sanierte Villa umgezogen, am 18. November soll der neue Anbau eröffnet werden. Auch in die vielen vom Land genutzten Gebäude rund um den Regierungssitz zieht nach und nach wieder der ganz normale Büroalltag ein.

Zwei Jahre hat die Sanierung der mit gesundheitsschädlichem Asbest belasteten Villa Reitzenstein gedauert. Der Ministerpräsident regierte derweil vom benachbarten Clay-Haus aus, etliche Mitarbeiter wurden in Systembauten im Clay-Hof umquartiert. Dort waren zwar die Wege kurz, aber dafür war es im Sommer zu heiß, im Winter zu kalt.

Der Neubau soll nach Eugen Bolz benannt werden

Zurück in der praktisch neuen alten Villa ist jetzt vieles anders: moderne LED-Beleuchtung in vielen Räumen, weniger Aktenschränke und weniger Papier dank konsequenter Digitalisierung, Strom und Wärme dank Solartechnik und Blockheizkraftwerk. Aber – Bilder aufhängen ist schwierig, weil aus Denkmalschutzgründen keine Nägel in die frisch gestrichenen Wände geschlagen werden dürfen. Allerdings hat man gleichzeitig vergessen, Stopper für die Fenster anzubringen. Die gehen nach innen auf – und so mancher Fenstergriff hat schon Spuren an den Wänden hinterlassen. Der neue sogenannte Anbau, der gar kein richtiger Anbau mehr ist, sieht von außen schon fast fertig aus, sogar Büsche und Bäume sind schon gepflanzt. Drinnen sieht es aber noch anders aus, da werden dieser Tage noch die Fußbodenheizungen verlegt. Am 18. November wird der 15,55 Millionen Euro teure Neubau, der nach Eugen Bolz benannt werden soll, feierlich eröffnet.

Der bisherige Erweiterungsbau, ebenfalls asbestbelastet, war im Sommer 2013 abgerissen worden. Das neue Verwaltungsgebäude wurde mit größerem Abstand zur Villa im Bereich des ehemaligen Lustgartens errichtet. Damit soll „der ursprüngliche Charakter der historischen Villa im Park wieder erlebbar gemacht werden“, heißt es in einer Mitteilung des Staatsministeriums. In dem Neubau entstehen auf 1800 Quadratmetern Nutzfläche 48 Büros mit rund 55 Arbeitsplätzen, außerdem Schulungs- und Besprechungsräume, die Bibliothek und im Erdgeschoss die Mitarbeiterkantine und das Besucherzentrum. Nur etwa ein Drittel des Gesamtvolumens des Neubaus ist oberirdisch sichtbar, der Rest liegt unter dem Geländeniveau, wird aber durch ein Atrium mit Tageslicht versorgt.

Auch rund um das Staatsministerium wurde gearbeitet

Auch im Umfeld der Villa wurde in den vergangenen Monaten viel gearbeitet und hin- und hergezogen. Das Gebäude Sandbergerstraße 2-8, das aus dem Jahr 1926 stammt und seit 1975 als Bürogebäude des Staatsministeriums genutzt wird, wurde für rund 2,5 Millionen Euro saniert und umgebaut. Es wurde inzwischen wieder bezogen. Das Gebäude Schönleinstraße 11, das 1915 als Hebammenhaus errichtet wurde, wird seit 1992 vom Staatsministerium genutzt. Es wurde in den vergangenen Monaten für rund 1,9 Millionen Euro saniert. Die Mitarbeiter ziehen in diesen Tagen wieder dort ein.

Viele der Mitarbeiter des Staatsministeriums waren in der Bauphase im ehemaligen Bürokomplex des Diakonischen Werks an der Stafflenbergstraße untergebracht. Dort leeren sich die Interimsbüros durch den Rückumzug der Landesbediensteten inzwischen wieder nach und nach, bis Ende des Jahres soll der Gebäudekomplex geleert sein. Die einstige Diakonie-Zentrale soll wie berichtet abgerissen werden. Auf dem Grundstück sind neue Wohngebäude geplant.

Die Systembauten beim Clay-Haus sind schon weg

„Es war richtig, die Umbauten am Stück zu machen“, sagt der stellvertretende Regierungssprecher Arne Braun rückblickend. Die Räume in der Diakonie seien gut geeignet gewesen, die komplizierte Umzugsorganisation habe gut geklappt. Sogar die Systembauten im Hof des Clay-Hauses seien schon wieder abgebaut. Bei einer stückweisen Sanierung hätten sich die Bauarbeiten über viele Jahre hingezogen.

Es wird also – bezogen auf den Baulärm – erst einmal Ruhe einkehren auf der Gänsheide. Allerdings gibt es im Umfeld der Villa Reitzenstein noch eine ganze Reihe von weiteren Dienstgebäuden der Landesregierung, die auf ihre Sanierung warten. Mit der Planung dafür soll allerdings erst im kommenden Jahr begonnen werden.

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