Rani Khedira soll auch gegen Hoffenheim wieder zum Einsatz kommen Foto: dpa

Der VfB verteidigt seinen kompromisslosen Jugendstil, doch Trainer Thomas Schneider will einige routinierte Kräfte in sein Team einbauen. Denn die Erkenntnis ist da: nach dieser Schlappe hilft Routine und Erfahrung.

Stuttgart - Der VfB verteidigt seinen kompromisslosen Jugendstil, doch Trainer Thomas Schneider will einige routinierte Kräfte in sein Team einbauen. Denn die Erkenntnis ist da: nach dieser Schlappe hilft Routine und Erfahrung.

So dachte am Sonntag auch mancher Beobachter des tristen Geschehens auf dem Rasen. Und je mehr Nackenschläge in Form von Gegentreffern die blutjunge Mannschaft des VfB kassierte, desto mehr manifestierte sich die Überzeugung: Ein wenig mehr Erfahrung würde ihr nicht nur gut tun – ein wenig mehr Erfahrung ist über kurz oder lang womöglich unablässig, um auch in der kommenden Saison in der Beletage des deutschen Fußballs vertreten zu sein.

Oder lautet die Devise, überspitzt ausgedrückt: Mit der A-Jugend in die zweite Liga?

Kurz nach der siebten Niederlage im achten Spiel stand die Beton-Front noch geschlossen. Keiner der maßgeblichen Strategen, weder der Präsident noch der Sportdirektor, mochte nach der Pleite gegen Augsburg auch nur ein Jota von seiner festen Überzeugung abrücken, dass der bedingungslose Jugendstil der eine und einzig richtige Weg sei. „Wir stehen weiter zu unserem Konzept“, sagte Wahler, und Fredi Bobic bekräftigte: „Das ist alternativlos.“

Auch Trainer Thomas Schneider verteidigte den Jugendkurs: „Wir stellen die Mannschaft nicht so auf, weil sie jung ist – sondern weil es die besten Spieler sind.“ Was sie nun mehrmals widerlegt haben – weil ihnen vor allem die Erfahrung fehlt.

Für den Nachwuchs gehe es darum, „Erfahrungswerte zu sammeln“, sagte Schneider, „Rani Khedira und Moritz Leitner werden nächsten Samstag in Hoffenheim wieder spielen, dann können sie beweisen, dass sie dazugelernt haben.“ Tags darauf klang der Trainer aber schon anders. Über Nacht hat bei Schneider ein Erkenntnisprozess eingesetzt, der zu dem einen oder anderen Personalwechsel führen dürfte. Deshalb muss der Verein ja nicht gleich seine ganze Strategie über den Haufen werfen. Es geht darum, mittels Korrekturen dem wackeligen Konstrukt ein wenig Halt geben. Ältere Spieler, die den jüngeren Kollegen den Weg weisen können. „Wir überlegen, ob wir das eine oder andere ändern“, sagte Schneider. Wobei das immer eine Frage der Alternativen ist.

Abwehr:Antonio Rüdiger (20) sah bei allen vier Gegentoren schlecht aus. Das heißt nicht, dass er die Niederlage allein verschuldet hat, viele entscheidende Fehler geschahen im Mittelfeld und Angriff. Aber Rüdiger war der fahrigste Akteur in einer zusehends kopflosen Viererkette. Da ist es schwer nachvollziehbar, dass Karim Haggui (30) mit seiner Erfahrung aus 170 Bundesliga- und 80 Länderspielen nur auf der Bank saß. Und dass Georg Niedermeier (28) trotz seiner 95 Bundesliga-Einsätze gar auf die Tribüne musste. Zu Beginn der Rückrunde war Niedermeier der Ersatz gewesen und Haggui auf der Tribüne gesessen, jetzt hatten beide ihre Rollen getauscht. „Das heißt nicht, dass es am Samstag nicht wieder anders sein kann“, sagt Schneider und räumt ein: „Es ist eine Überlegung, den einen oder anderen erfahrenen Spieler in die Abwehr aufzunehmen.“

Mittelfeld: An Khedira (29) und Leitner (21) wird Schneider festhalten. Kapitän Christian Gentner (28) fällt wohl erneut aus, Martin Harnik (26) muss sich im Training erst wieder empfehlen, Arthur Boka (30) ist kein Führungsspieler. Die einzige Alternative ist Cacau, der links helfen könnte. Timo Werner (17) hätte dann eine schöpferische Pause.

Angriff: Nach der Sperre von Vedad Ibisevic (29) für fünf Spiele ist ein Platz im Angriff frei. Cacau kann in der Spitze spielen, ebenso Werner oder Mohammed Abdellaoue (28), der gegen Augsburg im rechten Mittelfeld überzeugte. „Vorne haben wir Optionen“, sagt Schneider – die dann zum Tragen kommt, dürfte Cacau heißen: „Er ist absolut präsent im Training und zerreißt sich im Spiel. Er kann uns sicher helfen.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: