Die Stadt Ditzingen geht im Land voran: Sie zeigt beispielhaft, was sie in den nächsten Jahren tut, damit ihr die Verkehrswende gelingt.
Weniger Autos, weniger Staus, weniger Lärm, dafür mehr nachhaltige Mobilität und mehr Klimaschutz: Die Große Kreisstadt ist im Jahr 2022 mit hehren Zielen als landesweite Modellkommune für die Erarbeitung eines Aktionsplans für Mobilität, Klima- und Lärmschutz gestartet, ein neues Planungsinstrument des Landes. Nun steht die Theorie in Form des Abschlussberichts – und Ditzingen macht sich an die Umsetzung eines ganzen Bündels an Vorhaben. Die auch Ideen der Bürgerinnen und Bürger berücksichtigen.
Die Aktionspläne zielen darauf ab, eine schnelle Verkehrswende herbeizuführen. Mit den geplanten Schritten kann Ditzingen so zügig wie wirksam den CO2-Ausstoß selbst senken, sagt Tobias Vogt vom Kompetenznetz Klima Mobil. Es hat die Entwicklung des Projekts begleitet. Tobias Vogt stellt fest, dass in Ditzingen der Wille da ist. „Die Stadt hat Probleme, zum Beispiel mit dem Verkehr, und will etwas dagegen tun.“ Der Bürgermeister Ulrich Bahmer (CDU) freut sich nach wie vor darüber, dass seine Stadt anderen Kommunen Modell steht. Er sagt, die Stärken überwiegen – und die Schwächen seien zu lösen. „Wir stehen okay da, können aber wesentlich mehr machen.“ Dass ausgewählte Maßnahmen eine Finanzspitze von bis zu 75 Prozent erhalten, sei ein positiver Nebeneffekt.
Lange Liste an maßgeschneiderten Vorhaben
Die Liste der für Ditzingen maßgeschneiderten Vorhaben ist lang. Die Stadt hat sich unter anderem auf die Fahne geschrieben, die Ortsmitten zu stärken und zu beleben. Verkehrsberuhigte Quartiere möchte sie schaffen, indem sie das Straßennetz ändert, um Durchfahrtsverkehr zu unterbinden. Viertel – wie das Areal entlang der Johannes-Fuchs-Straße – könnten aber auch durch Quartiersgaragen autoarm werden. „Wir wollen das Kfz nicht so in den Vordergrund stellen“, sagt Ulrich Bahmer. Zumal der Bahnhof von der Johannes-Fuchs-Straße etwa nur einen Katzensprung entfernt ist.
Das Parken im Fokus
Weitere Tempolimits schweben der Stadt ebenso vor wie ein Parkraummanagement. So soll ein dynamisches Leitsystem den Parksuchverkehr reduzieren, die Parkzeit begrenzt werden. Parkgebühren erhebt die Stadt bisher keine, lediglich am Bahnhof kostet es etwas, sein Fahrzeug abzustellen. Der Bürgermeister Bahmer begründet das damit, dass die Stadt nicht noch mehr Kaufkraft in die umliegenden Kommunen abziehen will. „Das kostenlose Parken macht uns attraktiv und wird geschätzt.“ Das geplante mehr Grün in der Stadt goutiert die Bevölkerung sicherlich auch und ebenfalls, wenn die S-Bahn bis 21 Uhr im Viertelstundentakt fährt, die Busverbindungen in die Stadtteile entsprechend besser und Lücken bei Radwegen zwischen den Stadtteilen geschlossen werden oder die Ladeinfrastruktur für die E-Mobilität erweitert wird.
Wie sieht die Zukunft der Markstraße aus?
„Das gute Programm wird jetzt abgearbeitet“, sagt der Leiter des Stadtbauamts, Markus Beutner. Gleichwohl müsse vieles noch ausgearbeitet und geprüft werden – die Stadt hatte für die Erstellung des Aktionsplans gut ein Jahr lang Zeit. Hinzu kommen Vorhaben, die die Stadt langsamer umsetzen kann, als sie es gern täte. Dazu gehört der Ausbau des Stadtbahnnetzes, damit die U13 auch in Ditzingen hält – voraussichtlich im Jahr 2028, wie es zuletzt hieß.
Ein heiß diskutiertes Thema ist die Zukunft der Marktstraße. Das Zentrum der Kernstadt ist mit Tempo 20 ein verkehrsberuhigter Geschäftsbereich, jedoch zeitweise stark befahren, weil die Straße eine kürzere Ost-West-Verbindung im Vergleich zur südlich gelegenen Stuttgarter Straße ist.
Eine Fußgängerzone, ganz oder in Teilen, hätte Charme, sagt der Bürgermeister Bahmer, ehe er die Abers aufzählt: Wäre es sinnvoll, wenn man von Münchingen kommend einen Kilometer mehr fahren müsste? Wäre die Existenz der Einzelhändler bedroht? Was ist mit dem Stadtbus, der Feuerwehr? Geplant ist eine Untersuchung zur weiteren Verkehrsberuhigung, vielleicht auch ein Verkehrsversuch, um verschiedene Optionen zu testen.
Jetzt sind die anderen Kommunen dran
Anlass für den Aktionsplan sind die Ziele des Landes zur Verkehrswende: ein Fünftel weniger Autoverkehr, bis zum Jahr 2030 deutlich reduzierte CO2–Emissionen, mehr Rad-, Bus- und Bahnverkehr. Damit das klappt, soll zum Beispiel jedes zweite Auto klimaneutral fahren oder jeder zweite Weg zu Fuß oder per Rad zurückgelegt werden. Neben den konkreten Schritten für Ditzingen gibt es nun einen Leitfaden: Er ist für alle Kommunen bis 50 000 Einwohner, damit sie eigene Aktionspläne erstellen können.