Sinken die Fahrpreise im ÖPNV weiter? Foto: Lichtgut

Wie fahren wir in die City: mit dem eigenen Auto, mit Bahnen und Bussen, mit dem Taxi oder mit neue Anbietern wie Uber? Darüber debattieren Experten – und VVS-Geschäftsführer Horst Stammler wagt eine überraschende Prognose.

Stuttgart - Fahren wir bald nur noch mit Bussen und Bahnen, um in die City zu kommen? Oder sitzen wir weiterhin im eigenen oder kurzfristig gemieteten Auto, nur dass das von einem Elektromotor angetrieben wird oder gar autonom fährt? Lassen wir uns abholen oder organisieren wir eine Fahrt mit anderen via App auf dem Smartphone? Das Themenfeld hätte weit sein können beim Forum des baden-württembergischen Industrie- und Handelskammerstags zur Zukunft des Personenverkehrs am Dienstag in Stuttgart, doch letztlich reduzierte sich die Debatte über neue Formen der Mobilität im Ballungsraum auf die Frage: Uber oder Taxi?

Disput über Deregulierung

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Personenbeförderung sollen neu geregelt werden – und wie immer geht es manchen mit Liberalisierung und Deregulierung nicht weit genug und anderen schon viel zu weit. So sieht Lisa Rapport-Moersch von Uber „noch lange nicht alle unsere Wünsche erfüllt“, während Thomas Grätz vom Bundesverband Taxi und Mietwagen von einem „asozialen Papier“ spricht, das zu einer Verkehrsüberflutung der Innenstädte führen werde. Dieser Disput zieht sich durch alle Bereiche – von der Qualität der Fahrzeuge bis zur sozialen Absicherung der Fahrer. Allein der Verkehrswissenschaftler Gernot Sieg springt der kräftig angegriffenen Uber-Vertreterin mitunter bei. Derartige Plattformen lösten wegen ihrer geringeren Preise einen Nachfrageschub aus, der allen Anbietern zugute komme. „Uber ist auch ein Treiber für die Citymaut und teure Parkplätze in der Stadt“, sagte er – was freilich nicht von allen geteilt wurde. Grätz: „Uber will den Markt von ÖPNV und Taxi erobern.“

Wird der ÖPNV billiger?

Es war an VVS-Geschäftsführer Horst Stammler wenigstens ab und zu den Blick über den Tellerrand der Taxlerinteressen zu lenken. „Wir haben im Ballungsraum schon heute volle Straßen, eine hohe Luftbelastung und einen Autoverkehr, der zu viel Platz braucht“, konstatierte er. Neue Mobilitätsformen müssten deshalb dazu beitragen, den klassischen Autoverkehr zu reduzieren und nicht noch mehr Individualverkehr zu produzieren. Das spricht für Stammler gegen Mobilitätsvermittler wie Uber, die eher noch mehr Autoverkehr in die Städte holten. Entscheidend sei aber der Preis, und da setzt Stammler darauf, dass die Fahrpreise im ÖPNV weiter sinken werden und die öffentliche Hand, die schon heute fast die Hälfte der Kosten deckt, ihre Zuschüsse erhöht. „Auch nach unserer Tarifreform gibt es ja in der Politik bereits Rufe, die Preise weiter zu senken“, sagte Stammler.

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