In der Lorenzstraße befindet sich das größte deutsche Wahllokal für das Referendum der Türkei Foto: dpa

Zur Sicherheit der Wähler ist der Objektschutz der Polizei im Einsatz. Außerdem werden Absperrungen errichtet.

Stuttgart - An diesem Samstag werden in Zuffenhausen Sicherheitsvorkehrungen für die Stimmabgabe der hier lebenden türkischen Wahlberechtigten getroffen. Das Wahllokal für das Referendum am 14. April wird in der Lorenzstraße 11 eingerichtet, einem Gebäude, das dem türkischen Generalkonsulat gehört. Zum Schutz bauen Mitarbeiter der Stadt dort sogenannte Betonleitwände auf. Diese etwa hüfthohen Absperrungen, wie man sie etwa von Baustellen kennt, werden dort bis zum 9. April stehen. So lange dürfen hier lebende türkische Staatsbürger ihre Stimme abgeben.

Die Polizei sieht keine Anzeichen für Störungen oder gar Anschläge

Für diese Sicherheitsmaßnahme haben sich die Stadtverwaltung und die Polizei gemeinsam entschieden, „aufgrund der regelmäßigen Beurteilung der allgemeinen Gefährdungslage“. Konkrete Hinweise, dass es zu Tumulten, Störungen oder gar Anschlägen kommen könnte, gebe es nicht, sagt Stefan Keilbach, der Sprecher der Stuttgarter Polizei. „Natürlich fließen alle Erkenntnisse ein, die wir haben. Aber das war auch schon beim Wasen, beim Weihnachtsmarkt und an Silvester so“, sagt Keilbach. Bei den genannten Ereignissen wurden erstmals Betonabsperrungen verwendet, um Anschläge oder Amokfahrten nach dem Beispiel von Nizza, Berlin oder London zu verhindern. Keilbach betont jedoch, dass die Absperrungen längst geplant gewesen seien und man damit nicht auf das Londoner Attentat reagiere, als auf der Westminster Bridge ein Auto in eine Menschenmenge fuhr.

Die Polizei schätzt die Lage sogar als recht ruhig ein. In der Vergangenheit war es aufgrund der Haltung der türkischen Regierung immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen hier lebenden kurdischstämmigen Gruppierungen und solchen mit türkischen Wurzeln gekommen. „Aber unsere Kollegen vom Staatsschutz haben beobachtet, dass von der kurdischen Seite zurzeit keine oder nur sehr wenige Provokationen erfolgen“, sagt der Polizeisprecher Stefan Keilbach.

Für die Dauer der Abstimmung sei in Zuffenhausen dennoch „natürlich ein erhöhter Objektschutz“ vorgesehen. In erster Linie gehe es aber darum, den Strom von Wählern sicher zum Wahllokal zu bringen. „Das muss man lenken und leiten und den Verkehr regeln“, erläutert Keilbach. Damit es nicht zu eng wird in der Lorenzstraße, hat die Stadt vor dem Wahllokal die Parkplätze gesperrt – dort, wo die Betonwände stehen.

In Zuffenhausen ist Deutschlands größtes türkisches Wahllokal

Das Wahllokal für die meisten in Deutschland für das Referendum wahlberechtigten Türken öffnet am Montag um 9 Uhr in Zuffenhausen seine Türen. Knapp 144 000 Wähler sind hier registriert. Freilich rechnet man aufgrund der Erfahrungen nicht damit, dass alle kommen werden. Doch auf immerhin 86 000 Personen schätzt die Stadt Stuttgart die Zahl der Wähler, die in Zuffenhausen ihre Stimme abgeben werden.

In Deutschland stehen den 1,4 Millionen hier lebenden türkischen Wahlberechtigten 13 Wahllokale zur Verfügung. Sie sind in Berlin, Hamburg, Hannover, Münster, Dortmund, Düsseldorf, Köln, Frankfurt, Mainz Fürth, Karlsruhe, München und Stuttgart eingerichtet. In Baden-Württemberg können die Wähler auch in Karlsruhe ihre Stimme abgeben. Nach Stuttgart hat Frankfurt mit gut 140 000 Wahlberechtigten den zweitgrößten Wahlbezirk, auf Platz drei liegt Berlin mit 136 500. Die meisten wahlberechtigten Bürger mit türkischem Pass leben mit 477 000 in Nordrhein-Westfalen.

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