Landtagspräsidentin Muhterem Aras ist beunruhigt. Foto: dpa

Der türkische Präsident schürt mit Nazi-Vorwürfen den Streit mit Deutschland. Vor dem Verfassungsreferendum gibt es hierzulande viel Kritik: Gegner des Staatschefs sollen eingeschüchtert werden. Landtagspräsidentin Aras ist beunruhigt.

Stuttgart - Regierungskritische Türken erleben nach Ansicht von Landtagspräsidentin Muhterem Aras vor dem türkischen Verfassungsreferendum ein Klima der Angst und Verunsicherung. „Menschen werden eingeschüchtert und es wird massiver Druck ausgeübt. Erdogan-Kritiker haben Angst, ihre Meinung frei zu äußern“, sagte die Landtagspräsidentin der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. „Wer gegen das Referendum ist, wird gleichgesetzt mit Landesverrätern und Terroristen.“

Sie wünsche sich auch, dass Vertreter AKP-naher Institutionen in Deutschland sich von den Nazi-Vorwürfen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan klar distanzierten. Es müsse um eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Referendum gehen. Imame sollten in ihren Freitagspredigten zudem zu einem respektvollen und fairen Umgang miteinander aufrufen, forderte Aras.

Die türkischstämmige Landtagspräsidentin verzichtet angesichts der kritischen Lage auf Reisen in die Türkei. „Ich fahre derzeit nicht in die Türkei. Ich weiß nicht, ob ich mich dort frei bewegen könnte.“

Was türkischstämmige Menschen in Stuttgart über das nahende Referendum und Erdogans Pläne denken, sehen Sie in unserer Video-Umfrage:

Im Südwesten dürfen 233 000 Türken am Referendum teilnehmen

Die Türken stimmen am 16. April über eine Verfassungsreform ab, die dem Präsidenten deutlich mehr Macht verleihen würde. Im Südwesten dürfen 233 000 Türken am Referendum teilnehmen, hierzulande beginnt die Wahl am 27. März und endet am 9. April.

Auch nach Angaben der Türkischen Gemeinde in Deutschland haben viele türkischstämmige Menschen Angst, sich öffentlich gegen das angestrebte Präsidialsystem auszusprechen.

Erdogan greift Europa und Deutschland seit mehr als zwei Wochen immer wieder scharf an. Am Sonntag hatte er Bundeskanzlerin Angela Merkel sogar persönlich „Nazi-Methoden“ vorgeworfen. Merkel forderte daraufhin, Nazi-Vergleiche müssten „ohne Wenn und Aber“ aufhören. Vorausgegangen war ein Streit über Wahlkampfauftritte türkischer Politiker in Deutschland.

Nachdem einige Wahlkampfauftritte türkischer Politiker in verschiedenen Städten abgesagt wurden, hat sich dazu eine Debatte entfacht. Wie Türken in Stuttgart darüber denken, berichten Sie im Video:

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