Szene mit Manoel Vinicius Tavares da Silva und Susan Ihlenfeld Foto: Michael Schill

„Ein Winter unterm Tisch“ ist eine Geschichte über Zuwanderung und Fremdenfeindlichkeit. Das Theaterstück des polnisch-jüdischen Emigranten Roland Topor handelt von dem osteuropäischen Zuwanderer Dragomir und der zauberhaften Florence – ein Probenbesuch im Stuttgarter Theater tri-bühne bei dem Chilenischen Regisseur Alejandro Quintana.

Eine junge Frau, Florence (Susan Ihlenfeld), in Bleistiftrock und Rüschenbluse mit großer schwarzer Brille auf der Nase, betritt die Bühne des Stuttgarter Theaters tri-bühne. Sie ist gerade dabei, in ihrer Wohnung zu staubsaugen, als ein junger Mann, Gritzka (Sebastian Huber), auf allen Vieren angehechelt kommt und um sie herumschwänzelt. Er springt an ihr hoch, lässt sich von ihr kraulen.

Ein anderer junger Mann, Dragomir (Manoel Vinicius Tavares da Silva), steigt in dieses Spiel mit ein und wälzt sich auf dem Boden. Die beiden wollen nicht müde werden, der Trüffelschokolade hinterher zuspringen, die ihnen Florence zuwirft. Schließlich brechen alle drei in Gelächter aus.

Diese absurd komische Szene in einer der letzten Hauptproben vor der Premiere lässt zunächst etwas anderes vermuten – und ist doch Teil der Inszenierung eines Stückes über Zuwanderung und Fremdenfeindlichkeit. „Ein Winter unterm Tisch“ des polnisch-jüdischen Emigranten Roland Topor handelt von dem osteuropäischen Zuwanderer Dragomir und der zauberhaften Florence.

Der Tisch: für sie ist er Arbeitsplatz, für ihn Zuhause

Ausgerechnet ein Tisch ist es, der die beiden verbindet. Für die Übersetzerin ist er Arbeitsplatz, für den Zuwanderer aus Osteuropa bietet er unter der Tischfläche einen Winter lang Raum für ein kleines Zuhause.

Die unter Geldnöten leidende Florence bietet dem quirligen und charmanten Dragomir Asyl. Es dauert nicht lange, bis sie sich ineinander verlieben und Florences Tage erfüllt sind wie nie zuvor. Doch das Glück währt nicht ewig, eine fremdenfeindliche vermeintliche Freundin funkt dazwischen.

Regisseur Alejandro Quintana ist Chilene und vor 41 Jahren in die ehemalige DDR emigriert. Seither lebt und arbeitet er in Deutschland, er inszeniert mit „Ein Winter unterm Tisch“ angesichts der zunehmenden Flüchtlingsströme in Europa ein hochaktuelles Stück.

"Was wäre die Gesellschaft ohne den Einfluss anderer Kulturen?"

Quintana sagt in einer Probenpause: „Es geht nicht nur darum, dass den Zuwanderern ein Dach über dem Kopf beschert wird. Sie müssen in die Gesellschaft integriert werden.“ Er wolle zeigen, wie erfüllend und bereichernd das Zusammenleben verschiedener Kulturen sein kann: „Wir alle sollten einmal für eine Sekunde das Unmögliche denken: Was wäre diese Gesellschaft ohne den Einfluss anderer Kulturen?“ Er lacht. „Es wäre doch sehr düster oder?“

Mit feinfühligem Humor möchte Quintana die Zuschauer an dieses Thema heranführen. Die Inszenierung soll lustig, aber nicht platt sein, tiefgründig, aber nicht bedrückend. Ob ihm diese Gratwanderung gelingen wird, zeigt sich bei der Premiere an diesem Samstag. Eines will schon jetzt verraten sein: Quintana hält ein Happy-End für Florence und für den Zuwanderer Drago bereit. Warum? Quintano: „Es soll zuerst das Herz öffnen und dann zum Nachdenken über das Leben anregen.“

Premiere von „Ein Winter unterm Tisch“ an diesem Samstag im Theater tri-bühne ist ausverkauft. Für 16. Mai, 19., 20. Juni gibt es Karten. Telefon: 07 11 / 2 36 46 10.

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