Für Sadio Mané und den FC Liverpool steht im Duell mit RB Salzburg viel auf dem Spiel. Foto: imago images//Michael Sedgwick

Weltklassestürmer Sadio Mané vom FC Liverpool baut lieber Schulen, als sich eine Luxuskarosse zuzulegen – er ist der etwas andere Superstar der Champions League.

Stuttgart/Liverpool - Pep Guardiola lernte seinen Albtraum an einem kalten Januartag 2014 in Salzburg kennen. Mit dem FC Bayern trat er in einem Testspiel bei Red Bull Salzburg an. Der Starcoach experimentierte mit einer Dreierkette. 90 Minuten später war die Sache erledigt, und zwar für den Rest seiner Zeit in München.

Weil Sadio Mané alles pulverisierte.

3:0 hieß es am Ende für Salzburg, Mané schoss ein Tor für Red Bull und trieb Guardiola mit seiner Explosivität und seiner Spielfreude zur Verzweiflung – was er heute noch gerne tut, in Diensten des FC Liverpool, wenn es in England gegen Guardiolas Manchester City geht.

Alarmstufe Rot in Salzburg

An diesem Dienstag aber hat Mané eine andere Mission. Im Gruppenfinale der Champions League geht es mit Liverpool zu seinem Ex-Club nach Salzburg (18.55 Uhr). Die Sache ist klar: Es herrscht Alarmstufe Rot. Verlieren die Reds bei den Roten Bullen, dann sind sie bei gleichzeitigem Erfolg des SSC Neapel gegen Genk raus. Als Titelverteidiger, in der Vorrunde.

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Die Schmach verhindern an alter Wirkungsstätte soll der Mann, der nach seiner Ankunft in Salzburg 2012 noch schwere Zeiten durchlebte. Oliver Glasner, heute Trainer des VfL Wolfsburg, war damals Assistenzcoach bei RB – und erzählte kürzlich, dass Mané sich aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse in Salzburg extrem zurückzog: „Er hat sich in den ersten Tagen vor lauter Schüchternheit nicht getraut, sich etwas zu Essen zu bestellen.“

Klopp will Mané 2014 nach Dortmund holen

Irgendwann aber taute Mané auf. Und blühte auf. Sportlich. Jürgen Klopp wollte ihn nach überragenden zwei Spielzeiten schon 2014 zu Borussia Dortmund holen – Mané ging aber in die Premier League zum FC Southampton. 2016 dann, als Klopp Trainer in Liverpool war, fanden die beiden zusammen. Klopp schliff den Rohdiamanten zum Weltklasse-Angreifer, der in der Offensivreihe auf allen Positionen einsetzbare Sprinter passt perfekt zum Überfallfußball der Marke Klopp.

Groß reden will Mané dabei nicht über seine Qualitäten, das würde nicht zu seinem Naturell passen. Denn er ist bescheiden. Er ist ein Star voller Demut. Vor etwas mehr als einem Jahr putzte er wenige Stunden nach einem Ligaspiel die Toilette und den Waschraum in einer Liverpooler Moschee. Die Bilder der gemeinnützigen Aktion verbreiteten sich, was Mané gar nicht recht war. Weil er nicht viel Aufhebens um sein soziales Engagement macht.

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Mané (27) spricht lieber er über andere Dinge. Über das Luxusleben eines Fußballstars etwa, mit dem er nichts anfangen kann. „Was soll ich mit 10 Ferraris, 20 Diamant-Uhren und zwei Jets? Was würde das für mich und die Welt tun?“, sagte er in einem Interview: „Durch den Fußball kann ich meinen Leuten in der Heimat jetzt helfen, das ist wichtig“

Und dann redete Mané doch im Detail über sein Engagement. Nicht, weil er es wollte, sondern weil er es als das darstellen wollte, was es qua seiner Vita für ihn ist: Eine Selbstverständlichkeit: „Ich konnte im Senegal Schulen und ein Stadion bauen. Kleidung, Schuhe und Lebensmittel spenden. Ich muss keine Luxusautos und Privatjets herzeigen, ich bevorzuge etwas von dem weiterzugeben, was mir das Leben geschenkt hat“, sagte Mané, der in jungen Jahren noch nichts geschenkt bekam. Im Gegenteil.

Vorspielen in zerrissenen Hosen

Seine Geschichte startet im kleinen Ort Bambali, nahe der Grenze zu Guinea-Bissau. Mané bekommt als kleiner Junge oft nicht genug zu Essen. Er muss auf dem Feld arbeiten, hat keine Bildung – und kickt barfuß. Der Fußball ist die Konstante, die Halt gibt. „Ich erinnere mich, immer einen Ball dabei gehabt zu haben“, sagt Mané heute: „So fing ich an, auf den Straßen.“ Sein Talent wird offensichtlich. Mit 15 Jahren wird er zu einem Probetraining geschickt, in die Hauptstadt Dakar.

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In der Akademie „Generation Foot“ soll ihn ein älterer Mann, so erzählt es Mané heute, gefragt haben, ob er mit „diesen alten Schuhen“ und „dieser zerrissenen Hose“ vorspielen möchte: „Ich habe ihm klargemacht, dass es das Beste ist, was ich habe“, antwortete Mané. „Als ich dann losgekickt habe, kam er zu mir und sagte, dass er mich sofort nehmen wolle.“

Salzburg als Zwischenstation

Der Aufstieg begann. Das Riesentalent bahnte sich seinen Weg nach Europa. Über den FC Metz ging es 2012 nach Salzburg, wo die Weltkarriere Fahrt aufnahm. An diesem Dienstag schließt sich nun ein Kreis. Dort, wo die ehemalige Wirkungsstätte nur eine Zwischenstation sein soll für Mané – auf dem Weg zur Titelverteidigung in der Champions League.

Mehr geht nicht. Was für ein Fußballer. Und was für eine Geschichte.

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