Zwei kritische Köpfe, ein Ziel: Christian Riethmüller (rechts) und Claus Vogt wollen VfB-Präsident werden. Foto: dpa

Die VfB-Präsidentschaftskandidaten Claus Vogt und Christian Riethmüller präsentieren sich erstmals den Mitgliedern in einer öffentlichen Runde – die beiden geben sich leidenschaftlich.

Stuttgart - So eine Spielhälfte kann kurz sein. 45 Minuten hatten die beiden Präsidentschaftskandidaten des VfB Stuttgart Zeit, sich erstmals den Mitgliedern in einer öffentlichen Runde zu präsentieren – und sich dabei auch zu positionieren. Und eines wurde am Montagabend klar, als Christian Riethmüller und Claus Vogt (in streng alphabetischer Reihenfolge) auf den heißen Stühlen auf dem Podium Platz nahmen. Weder dem Buchgroßhändler aus Tübingen noch dem Unternehmer aus Waldenbuch fehlt es an Herzblut für den Fußball-Zweitligisten.

Leidenschaftlich zum einen, aber auch sachlich nüchtern zum anderen standen Vogt und Riethmüller den Fragestellern mit dem weiß-roten Faible Rede und Antwort. Mehr als 300 Mitglieder waren in die Soccer Lounge der Mercedes-Benz-Arena gekommen, um sich ein erstes Bild über die unbekannten Größen zu machen, die der Vereinsbeirat für die Wahl am 15. Dezember nominiert hat. Im Rahmen der Dialogreihe „Der dunkelrote Tisch“ stellten sich die neuen Protagonisten vor.

Kein Ja-Sager

Riethmüller zunächst mit einer Fünf-Aspekte-Rede zu seiner Person. Dabei machte der 44-Jährige deutlich, dass er „kein Ja-Sager“ sei. Zu seinen wichtigsten inhaltlichen Punkten gehört, dass er den VfB langfristig neu aufstellen will – auch und im Besonderen den Aufsichtsrat. Denn im Kontrollgremium der Fußball AG verankert Riethmüller einen Teil der Verantwortung für die sportlichen Fehlentwicklungen der vergangenen Jahre. „Wenn die Amtszeiten diverser Aufsichtsratsmitglieder auslaufen, dann muss man schon sehr genau hinschauen und sich fragen, ob das Gremium richtig besetzt ist“, sagte Riethmüller.

Auch Vogt gilt als kritischer Geist. Schon allein, weil er den FC Play Fair! gegründet hat, einen Verein für Integrität im Profifußball. Dennoch machte der Unternehmer klar, dass er kein Fußballromantiker ist und sich grundsätzlich gegen Kommerzialisierung stellt. „Ich bin gegen die Turbo-Kommerzialisierung“, sagte Vogt. Geld soll der VfB genug verdienen, um erfolgreich zu sein. Die Grenze verläuft für den 50-Jährigen jedoch dort, wo das Profitstreben über den Sport gestellt wird. Ansonsten versuchte Vogt zum Auftakt der Wahlkampftouren auch mit seinem Netzwerk zu punkten, dass er sich durch seine Initiative bundesweit aufgebaut hat.

Vogt widmet sich mehr der strategischen Ausrichtung des Vereins und hat sich als Mitstreiter den früheren Spieler und Trainer Rainer Adrion in sein Team geholt. Riethmüller ist dagegen der Mann, der eine neue Wertediskussion anstoßen will. So richtet er den Blick über die Mercedesstraße hinaus und macht sich Gedanken über die Tendenz im Fußball, alles zu kontrollieren. „Wenn das so weiter geht, dann werden wir irgendwann auch Präsidenten auf der Tribüne eine Gelbe Karte erhalten“, meinte Riethmüller.

Wertediskussion trifft einen Nerv

Mit der Wertediskussion trifft er einen Nerv. Denn im ersten Teil der Veranstaltung hatte sich gezeigt, dass den Mitgliedern Werte wie Ehrlichkeit, Vertrauen und Wertschätzung immens wichtig sind. Die Vereinsbeirätin Claudia Maintok und der Vizepräsident Bernd Gaiser hatten die Ergebnisse der Gesprächsreihe mit Mitgliedern präsentiert, ehe der Vereinsbeiratsvorsitzende Wolf-Dietrich Erhard zu den Präsidentschaftskandidaten überleitete.

Das achtköpfige Gremium hat Riethmüller und Vogt für die außerordentliche Mitgliederversammlung nominiert – somit ist der Vereinsbeirat der kleine Königsmacher im größten baden-württembergischen Sportverein.

Einig waren sich die beiden Kontrahenten, dann beim Thema Frauenfußball. „Ich habe diesbezüglich schon einige Vorgespräche geführt“, erklärte Vogt, „und ich würde mir wünschen, dass der VfB eine Frauenfußball-Abteilung ins Leben ruft.“

Parallelen tun sich auch im Zeitmanagement der Kandidaten auf. Weder Vogt noch Riethmüller sehen den ehrenamtlich oder nebenberuflich geführten Posten als Hobby an. Sie wollen sich voll einbringen. „Meine Mitarbeiter wollen beweisen, dass es ohne Chef besser geht als mit ihm“, sagte Vogt. Auch Riethmüller hat die Voraussetzungen geschaffen, um seine ganze Kraft in den VfB zu stecken. „Ich habe vor kurzem mein Führungsteam verstärkt“, sagte der Osiander-Geschäftsführer.

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