Seite 2StN-Reihe „Über Kunst“ mit Barbara Bader “Bedeutung des Faches Bildende Kunst schwindet“

Von Thomas Morawitzky 

„Bedeutung des Faches Bildende Kunst schwindet“

Sorge macht Bader auch, dass „die Bildende Kunst als Fach den den allgemeinbildenden Schulen, Gymnasien, an Bedeutung verliert“. „Das Fach Bildende Kunst“, sagt sie, „hat es wahrscheinlich nicht geschafft, seine Wichtigkeit in einer von Bildern dominierten Gesellschaft deutlich zu machen; vielleicht hat die etwas einseitige Fokussierung auf die freie Kunst auch zu einer Marginalisierung geführt, die nicht notwendig gewesen wäre.“ Zudem sei es nur unzureichend gelungen, die Lehrer-Nachfrage im ländlichen Raum zu decken. „Im Augenblick versuchen wir, über Hochschulnetzwerke sicher zu stellen, dass überall im Land Bildende Kunst durch Fachkräfte unterrichtet wird, nicht ausfällt oder von fachfremden Personen übernommen wird.“

„Wir brauchen eine fächerübergreifende Öffnung im Grundstudium“

Erweiterung der Perspektive – immer wieder kommt Barbara Bader an diesem Abend darauf zu sprechen. Hier sieht sie auch die Bedeutung des Faches Kunstdidaktik und Bildungswissenschaft. „Wenn Studienanfänger direkt vom Gymnasium zu uns kommen, zehn Semester studieren und wieder an ein Gymnasium gehen, ist das schon eine ziemlich eingeschränkte Lebenserfahrung“, sagt sie. Breiteres Wissen soll sich künftig über eine fächerübergreifende Öffnung des Grundstudiums sowie – „nach dem Hauptstudium“ im dritten Studienabschnitt vermitteln. So will Bader den Vorteil der Stuttgarter Akademie – die Breite des Studienangebotes – besser nutzen. „Es steht uns nichts im Weg“, sagt sie, „Bereiche wie Architektur, Design, Kunstwissenschaft und Filmwissenschaft gleichwertig stärker in die Ausbildung einzubinden.“

Ihre Professur lässt Barbara Bader ruhen. „Ich bin jetzt Hochschulmanagerin“, sagt sie. Unter anderem sind zahlreiche Professuren neu zu besetzen. „Ich sehe meine Rolle nicht darin, bei einer einzelnen Professur Akzente zu setzen“, sagt Barbara Bader hierzu, „ich möchte einen Akzent darin setzen, wie die Professuren im Gesamtverbund gesehen werden“. Bader wünscht sich mehr Vielfalt. So unterrichten im Fachbereich Design bisher ausschließlich männliche Professoren vorwiegend weibliche Studierende.

„Noch genügend Distanz, schon ausreichend Einblick“

Menschen und Geschichten – „vielleicht mit einem soziologischen Interesse oder einem politischen Hintergrund – das sucht Barbara Bader auch in der Kunst. Candice Breitz und Francis Alÿs sind Beispiele für künstlerische Positionen, die Bader interessieren. Ein Schlusssatz? „Ich arbeite seit vier Jahren an der Kunstakademie Stuttgart“, sagt Barbara Bader. „Ich versuche mit einzubilden, dass das die ideale Zeitspanne ist. Noch habe ich genügend Distanz, aber auch schon genügend Einblick. Ich glaube, es braucht beides, und ich kann noch beide Perspektiven für mich beanspruchen.“

Lesen Sie jetzt